Verfasst von: dawncycling | 7. April 2014

Viva 2014!

In meinem Fotoblog gibt es zwei Kurzberichte zu meinen ersten zwei Brevets in 2014:

Auggen

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Verfasst von: dawncycling | 1. August 2013

Belchen Safari

Bericht zur „Belchen satt“ Super-Randonnée Eröffnungsfahrt
vom 26.07. – 28.07.2013

Nachdem nun schon ein paar Jahre die Brevet-Serie im Frühjahr zu einer festen Routine bei mir geworden ist traf mich die Neuigkeit über eine „neue Form des Langstreckenfahrens” wie ein Blitz. Die Jungs von ARA Breisgau haben einen „Bergbrevet” erschaffen der einen schon beim Anblick des Höhenprofils erzittern lässt. Dieser sogenannte Super-Randonnée führt über alle namhaften Belchen (frz.: Ballon) rund ums Dreiländereck (sechs Stück insgesamt) und hat eine Länge von 600 Kilometer und 12.000 Höhenmeter. Eigentlich war mir schon beim Lesen der ersten Ankündigung klar, dass ich bei der Einweihungsfahrt vom 26.-28. Juli 2013 dabei sein musste 😉

Nun kann man solch eine Langstreckenfahrt mit verschiedenen Strategien angehen. Z.B. fahre ich bei den „normalen” Brevets gerne mit dem Ziel mit der schnellsten Gruppe bis ins Ziel zu fahren. Dass ich mich dabei gerne auch mal selbst durch zu schnelles Fahren etwas „abschieße” gehört da meist auch dazu. Da solch eine Fahrweise bei einem „Bergbrevet” aber gar nicht passt hab ich mir im Vorfeld die Strategie zurechtgelegt, die Strecke möglichst autonom in meinem ganz eigenen Tempo zurückzulegen und dabei sogar noch etwas Reserven übrig zu lassen und im Zweifel lieber langsamer zu fahren. Soweit die Theorie – ich war gespannt ob es mir gelingen sollte diese Strategie umzusetzen und zu wiederstehen mit den schnelleren Teilnehmern mitzufahren zu wollen…

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Einen Tag vor dem Start dachte ich, ich Spinne. Hatte ich doch glatt leichte Anzeichen einer beginnenden Sommergrippe: Halsschmerzen, Schniefnase und leichtes Schwächegefühl. Entweder bin ich vor so großen Events einfach ein übersensibler Hypochonder oder was weiß ich… Auf jeden Fall stand für mich fest nach Freiburg anzureisen und dort zu mindestens zu starten. Hatte ich doch noch immer ein schlechtes Gewissen gegenüber ARA Breisgau, weil ich den 600er Brevet dieses Jahr wegen des schlechten Wetters habe ausfallen lassen.

Anders als bei meinen bisherigen Brevets in Freiburg bin ich erst am Freitagmorgen mit dem Auto angereist. Trotz leichtem Husten und den schon erwähnten Symptomen ging es mir zu mindestens nicht schlechter und die gesundheitliche Lage war immer noch „unentschieden”.

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Beim Randonneurs-Frühstück im Augustiner in Freiburg merkte man, dass einiges anders war, als bei den üblichen Brevets. Erstens waren es nur ca. 30 Starter, zweitens waren viele Auswärtige da und drittens war die Stimmung „konzentriert und angespannt” und nicht so euphorisch wie sonst. Ob das an der unbekannten Herausforderung oder an der angekündigten Sommerhitze lag war nicht klar ersichtlich … 😉

Meine Startzeit war um 7.30 Uhr. Normalerweise fahre ich bei Brevets nie mit Musik, da ich ja aber heute autonom unterwegs sein wollt startete ich gleich mit Kopfhörern und Musik im Ohr. Westbam mit Götterstrasse sollte mich eingrooven. Und das gelang auch ziemlich perfekt denn schon ab dem ersten Anstieg war ich alleine und fuhr mein Tempo den schön gleichmäßigen Anstieg zum Schauinsland hoch. Mein Kopf war sofort frei und ich freute mich an dem Weg der vor mir lag!

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Zum Streckenabschnitt im Schwarzwald gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Außer vielleicht, dass der Anstieg von Schönau aufs Tiergrüble sehr schön und der Anstieg hinter Todtmoos in der Sonne umso weniger schön war.

Wenn man alleine unterwegs ist kann und muss man sich sehr genau überlegen wo und wann man Verpflegungspausen macht. Ich hatte mir schon im Vorfeld überlegt, dass ich in Laufenburg das erste Mal was Richtiges essen wollte. Überraschenderwiese erwartete mich dort Jochen Hofer, ein Randonneuerskollege der nicht selbst mitgefahren ist, mit einer spontanen Getränke-Nachfüllstation – Super Idee! Während ich dort in einem Bistro noch ein warmes Baguette verspeiste erreichte mich die eine halbe Stunde nach mir gestartete Gruppe. Mein Plan mit dem langsameren Tempo schien also zu funktionieren.

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Weiter ging es ein Stück mit einem Freiburger Neu-Randonneur, dessen Namen mir inzwischen leider entfallen ist. Mein „Gesundheitszustand” war weiterhin stabil und ich beschloss jeden Gedanken daran ab sofort zu ignorieren und einfach weiterzufahren.

Ab jetzt war ich im Jura unterwegs – und das war auch sofort zu spüren. Die steilen Wellen ab Frick kann man sehr schlecht in Worte packen – man muss sie am besten mal selbst „erfahren”. An der Rampe hinter Läufelingen stieg ich das erste Mal ab und schob mein Rad. Bevor ich mir Knie und Sehnen überbelaste gehe ich im Zweifelsfall lieber ein paar Meter zu Fuß – „in der Ruhe liegt die Kraft”!

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Am Gasthaus Oberbölchen (nahe dem Schweizer Belchen) versammelten sich dann etliche Fahrer aus den verschiedenen Startgruppen zu einem dringend notwendigen Getränkestopp. Nach einem alkoholfreien Bier und einem großen Cola machte ich mich dann aber schon recht bald wieder alleine auf den weiteren Weg. Zum einen war mir (noch) nicht nach rumhocken und zum anderen hatte ich mir vorgenommen in Grenchen die Verpflegung für die Nacht einzukaufen. Und da dies je nach den örtlichen Ladenöffnungszeiten etwas knapp werden könnte wollte ich auch keine unnötige Zeit verplempern.

Der nächste Streckenabschnitt war mir vom Freiburger 300er Brevet gut bekannt. Also wählte ich etwas theatralische Musik in meinem MP3 aus (müsste Mono Inc. gewesen sein) und pedalierte fröhlich auf den nächsten Pass zu. Der Weissenstein Pass ist schon ein ganz krasses Teil! Wir fuhren in zwar „nur” von der flachen Seite hoch, aber auch das reichte für mich um größere Stücke davon mein Rad zu scheiben. Während ich so mein Rad schob wurde mir dabei im Schweiße meines Angesichts klar, dass diese Tour eindeutig kein Kinderfasching sondern eine der epischsten und härtesten Herausforderungen ist, die es in Europa für Hobby-Radsportler gibt!

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Nach dem beschwerlichen Weg nach Oben kam dann noch eine Abfahrt die alles andere als erholsam war. Mit über 20% Gefälle und ruppigem Asphalt schmerzten meine Hände vom Bremsen schon nach ein paar Kehren. Ich musste in der Abfahrt zwei Mal anhalten um meine verkrampften Hände auszuschütteln. Einem anderen Teilnehmer sind in dieser Abfahrt beide Reifen wegen heiß gebremster Felgen geplatzt.

Nach dem Weissenstein erreichte ich Grenchen und war froh, dass die Supermärkte noch geöffnet hatten (unter der Woche bis 21:00). Also kaufte ich mir Caschew-Nüsse und Nimm 2-Lachgummis. Danach fand ich sogar noch einen McDonalds und schlug dort kräftig zu. Während meiner Pause sah ich keinen der anderen Teilnehmer an mir vorbeiradeln.

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Nach meiner Pause ging es auf direktem Weg auf den höchsten Punkt der Tour, dem Chasseral (1607m) zu. Ich erhaschte gerade noch die letzten Sonnenstrahlen über den Jura-Hauptkamm und bekam eine richtige Gänsehaut als der Chasseral Sendeturm majestätisch über mir zum Vorschein kam. Was für ein magischer Berg – ich machte mir auf der Auffahrt Gedanken darüber, ob man dem Chasseral nicht die „Ehren-Belchen-Würde” überreichen könnte. Der Anstieg war für mich gut zu fahren und ich war mental inzwischen in einer Art meditativem Trance Zustand angekommen. In den Ohren hatte ich inzwischen die sphärischen Klänge von Sigur Ros.

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Nach dem Kontroll-Foto und einer halben Tüte Lachgummis war ich leicht verdutzt wo denn die anderen Teilnehmer blieben. Ich wartete an der Kreuzung noch ca. 15 Minuten auf die anderen Mitfahrer – irgendwie stellte ich mir die Alleinfahrt durch die Nacht etwas langweilig vor. Als niemand kam machte ich mich trotzdem wieder alleine auf den Weg. Irgendwie ärgerte ich mich aber darüber, dass ich nun als Solofahrer an der Spitze des Teilnehmerfeldes fuhr und die Strecke doch eigentlich bewusst behutsam angehen wollte. Irgendetwas war hier schief gelaufen 😉

Der Anstieg hinter Saint-Imier entpuppte sich als weniger schwierig als befürchtet. Dafür war der Abschnitt durch das tief eingeschnittene Doubs-Tal wieder ein absoluter Hammer! Nach einer gnadenlosen Abfahrt folgte ein Anstieg den ich komplett hochgeschoben habe. Mir macht das Schieben garnichts aus und ich finde, dass es sogar positive Effekte hat. Man entlastet den Hintern für eine Zeit und lockert seine Beinmuskulatur etwas. Nicht ohne Grund fahre ich am Brevet-Rad schon immer mit Mountainbike-Pedalen und Schuhen.

In der Abfahrt nach Saint-Hippolyte übermannte mich ich ein richtiger Gähn-Anfall. Ich musste richtig laut aus vollem Halse und zigmal hintereinander gähnen. Wenn mich dabei jemand beobachtet hätte, hätte er sicherlich einiges zum Lachen gehabt 😀

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Als ich dann Saint-Hippolyte an einer Bank mit einem „kuscheligem” Vorraum vorbeiradelte überlegte ich nicht lange und legte mich für ca. eine halbe Stunde dort zum Schlafen ab. In solchen Momenten reichen nur ein paar Momente „Power-Nap” aus und man ist (fast) wiederhergestellt. Als ich aus dem Augenwinkel endlich ein paar andere Teilnehmer vorbeirauschen sah machte ich mich so langsam wieder startklar. Und so radelte ich in den Sonnenaufgang des zweiten Tages hinein auf der Suche nach den Radlern die gerade an mir vorbeigeradelt waren.

An der nächsten Kontrolle in Glainans kam dann Andreas alleine von hinten angeradelt. Er war einer derjenigen die mich „im Halbschlaf” überholt hatten. Seine Mitfahrer hatten sich in Saint-Hippolyte auch zum Schlafen hingelegt, wo er aber keine Lust dazu hatte. Ich freue mich endlich wieder etwas Begleitung zu haben und frühstückte mit Andreas in L’Isle-sur-le-Doubs erst mal in der nächsten Bäckerei. Im Gespräch mit Andreas kam auch heraus, warum ich keine Mitfahrer auf dem Chasseral zu sehen bekam. Die sind als größere Gruppe in Grenchen zum Pizzaessen gegangen. Und so was dauert logischerweise immer etwas länger.

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Auf dem weiteren Weg nach Lure kamen noch Ralph und Wolfgang von hinten angeradelt. In Lure beim zweiten Frühstück war die mentale Situation dann leicht desolat: Morgens um 8:00 Uhr war es schon heiß und schwül, Wolfgang schmeckte der Cafe nicht, Andreas war das Glas für seine Cola zu dreckig und mir schmeckte mein Croissant nicht. Und auf Anstiege zu fahren hatte irgendwie auch keiner mehr von uns richtig Lust 😀

Ich machte mich mit Andreas auf den Weg in die Vogesen. Wie sich im Gespräch rausstellte war er deutlich mehr „Sportler” als ich und war dieses Jahr schon beim Glocknerman am Start gewesen. Bergauf fuhr er in einer anderen Liga und so trennten sich schon im unteren Teil des Aufstieges zum Ballon de Servance unsere Wege wieder. Ich bevorzugte es weitere „Wanderpunkte” zu sammeln und schob mein Rad während Andreas die Steigung mit lockerem Tritt hochfuhr. Es wurde immer heißer, was auf dem gut bewaldeten oberen Teil des Anstieges aber (noch) nicht viel ausmachte. Die Abfahrt war dann wieder eine der heftigeren mit verkrampften Händen und allem Drum und Dran.

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Während ich mich in einem Supermarkt im Tal mit Sandwiches verpflegte kamen Ralph und Wolfgang angeradelt um hier auch Pause zu machen. Inzwischen war es schon so heiß geworden (ich schätze deutlich über 35° Grad), dass ich mir ernsthafte Gedanken über die weitere Fahrt machte. Ich war noch nie ein Freund von extrem heißem Wetter gewesen und wäre unter normalen Umständen bei solchem Wetter sicher nicht auf mein Rad gestiegen. Ich war völlig planlos wie ich damit umgehen sollte und hatte keine passende Strategie parat. Ich wusste aber, dass ich genügend Reserven auf das Zeitlimit hatte um auch den ganzen Nachmittag irgendwo im Schatten zu vertrödeln. Zu diesem Zeitpunkt ging mir der Ohrwurm „Man sagt die Revolution werde zuletzt den Tod abschaffen“ nicht mehr aus dem Kopf – und so sang ich ihn eine ganze Weile vor mich hin.

Der Anstieg zum Ballon d‘ Alsace war in der prallsten Mittagshitze unerträglich. Ich versuchte mich zwei Mal im Schatten hinzulegen. Wegen der lauten Motorradfahrer und fehlender Wasserversorgung hatte ich da aber keinen Spaß dran. Also radelte ich Stück für Stück zum Gipfel hoch. Oben hatte ich immer noch keinen Plan was ich machen sollte bzw. wie es weitergeht, aber immerhin gab es Eis und kalte Getränke.

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Im Anstieg zum nächsten Pass dem Col du Page fand ich dann endlich die perfekte Lösung für mich: ein schnuckeliges Brunnenhäuschen im Schatten am Ortsausgang von Bussang. Dort döste ich über eine Stunde vor mich hin. Ich hatte dabei einen schönen inneren Frieden und wusste, dass ich für mich das richtige machte! Als es gegen 17:00 endlich zu mindestens ein bisschen weniger sonnig wurde machte ich mich wieder auf den Weg.

Im Tal vor dem Grand Ballon kamen von hinten auf einmal wieder Ralph und Wolfgang angeradelt. Ich vermutete sie weit vor mir, aber auch sie hatten die heißesten Stunden des Tages vermieden und in einem klimatisierten Supermarkt Zuflucht gesucht. Zusammen begannen wir den Anstieg zum Grand Ballon. Dieser war von der Steigung gerade so an der Grenze des für mich noch fahrbaren. Ich würde mal so auf konstante 10% Steigung tippen. Lediglich auf dem letzten Abschnitt sammelte ich das letzte Mal für diese Tour nochmals ein paar „Wanderpunkte”. Die Abendstimmung war sehr schön und je näher ich dem Gipfel kam, umso mehr stellte sich das tolle Gefühl ein, dass ich die Tour schaffen würde.

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Da ich mich für die Weiterfahrt noch mit einem Bier und einer Tarte in der Ferme Auberge stärken wollte fuhren Ralph und Wolfgang schon mal alleine weiter. Doch auch ich verharrte nicht lange und machte mich auf der Route des Crête auf den weiteren Weg. Der Petit Ballon zog sich zwar ziemlich in die Länge, war aber auf Grund seiner moderaten Steigung sehr angenehm zu fahren.

Am Himmel gab es immer mehr Blitze und ein heißer und böiger Wind umwehte mich. Im Anstieg zum letzten Pass wurde mir dadurch so schwindelig, dass ich mich lieber am Straßenrand für ein paar Minuten zum „Power-Nap” einfach auf den Boden hinlegte. Wenn man müde ist kann man überall schlafen 😉

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Nachdem der letzte Pass bewältigt war, mussten nur noch 50 flache Kilometer durchs Rheintal zurückgelegt werden, um wieder in Freiburg zu sein. Als ich das Rheintal erreichte war die Luft noch sehr extrem heiß. An einem Thermometer las ich, dass es 32 Grad hatte – und das Nachts um 1:30 Uhr! Ich verzehrte noch ein Gel, die letzten Cashews und eine Dosis Koffein. Im MP3 Player wählte ich noch die „antriebstärkste Musik“ die darauf gespeichert war.

Inzwischen hatte sich bei mir schon so eine tiefe Zufriedenheit breit gemacht, dass ich die 12.000hm bewältigt hatte, dass mir meine körperlichen Zipperlein zu diesem Zeitpunkt nichts mehr ausmachen konnten: Die Handballen schmerzten von zu langem fahrem mit nassen Handschuhen so derart, dass ich den Lenker fast nicht mehr halten konnte. Das Sitzen auf dem Sattel machte mir auch schon lange keinen Spaß mehr sondern tat inzwischen ziemlich weh.

Die schönsten Meter der gesamten Tour waren für mich dann die letzten Meter auf dem Dreisam-Radweg nach Freiburg hinein. Dieses tolle Gefühl, dass man auf solch einem „Zieleinlauf“ hat ist einfach unbeschreiblich. I live for these Moments!

Im Ziel am Martinstor wartete dann gegen 4:30 Uhr kein Empfangskomitee sondern nur betrunkene Studenten. Ich blieb dort noch über zwei Stunden still in einer Ecke gekauert sitzen um diese einmalige Stimmung tief in mich einzusaugen…

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Fazit:

Ich bin über das Erreichte sehr glücklich und zufrieden. Nicht nur über das erfolgreiche Bewältigen der Distanz bzw. der Höhenmeter sondern auch mit dem „wie ich die Strecke bewältigt habe“ bin ich sehr zufrieden. Die konsequent selbstbestimmte Fahrweise war für mich eine wirklich positive Erfahrung. Mit einem Maximalpuls von 142 Schlägen (den ich auch nur mal ganz kurz erreicht hatte – siehe hier) bin ich die ganze Zeit in meinem Grundlagen- / Rekombereich unterwegs gewesen. Das hat sich auch daran bemerkbar gemacht, dass ich an den Tagen danach nahezu keinen Muskelkater in den Beinen hatte. Das ich trotz einer solch behutsamen Fahrweise auch mal als Erster unterwegs war lag in erster Linie daran, dass ich als Einzelfahrer meine Verpflegungspausen wesentlich effektiver genutzt hatte.

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Die Strecke ist magisch und episch – ein Meisterwerk vom Streckendesigner Urban! Wenn man sich einmal in den Bann der Belchen begeben hat, gibt es (fast) kein Entrinnen mehr. Die Höhenmeter werden nicht nur mit den Beinen sondern vor allem mit dem Kopf bezwungen. Man muss den Mut aufbringen richtig langsam zu fahren. Wer all die steilen Rampen durchfahren will dem empfehle ich eine 1:1 Übersetzung. Ich hatte 34/30 was mir an einigen Stellen nicht gereicht hat. Ansonsten sind Mountainbike-Schuhe eine gute Empfehlung beim „Wanderpunkte“ sammeln 😉

Eine besondere Erfahrung war auch die extreme Hitze am Samstag gewesen. Man musste eine Strategie entwickeln damit umzugehen. Dabei hab ich gelernt, dass man sich bedenkenlos sehr viel Wasser über den Kopf schütten kann, aber niemals die Radhandschuhe regelmäßig in kühlende Brunnen tauchen sollte. Dies erzeugt nämlich über die Zeit Schrumpelhaut an den Händen was bei weiter andauernder Belastung zu sehr heftigen Schmerzen führt.

Distanz: 622,2 km
Höhenmeter: ~ 13.000 m
Brutto-Fahrzeit: 45:05
Netto-Fahrzeit: 35:20
Meine Kontrollfotos: Teil 1 / Teil 2

Track:
GPSies - Belchen Satt 2013

Aufzeichnung:

Weitere Beiträge zu „Belchen satt“:

Video von Ralph Schwörer:

Verfasst von: dawncycling | 18. Juli 2012

Geländeprüfung

Eigentlich könnte man meinen, dass im Jahre 2012 alles nur erdenkliche schon erfunden bzw. schon mal ausprobiert worden ist. Nur ganz selten stößt man dann auf Dinge die scheinbar noch niemand anderes ausprobiert hat. So ging es mir Anfang dieses Jahres als ich von meinem Freund Stefan von der Veranstaltung Flensburg X Hamburg erfuhr. Langstreckenradeln im Gelände stellte ich mir sehr abenteuerreich und spannend vor. Ich war von dieser Veranstaltung inspiriert und lies daraufhin meinen Gedanken freien Lauf und überlegte mir, wie wohl meine Wunschveranstaltung dieser Art aussehen könnte:

  • Sie sollte Nonstop ohne Übernachtung fahrbar sein wie ein klassischer 600er Rennrad-Brevet. Schnelle Fahrer sollten also mindestens 24 Stunden und langsame Fahrer nicht mehr als 40 Stunden benötigen dürfen.
  • Sie sollte keine Schotterwegveranstaltung sein sondern im „echten“ Gelände stattfinden. Also mit vielen Singeltrails und all dem was Biker sonst noch glücklich macht.

Da wurde mir klar, dass es solche eine Veranstaltung so bisher noch nicht gibt. Es gibt lediglich Langstrecken-Veranstaltungen die primär auf Cyclocrosser ausgerichtet sind (Flensburg X Hamburg und Critical Dirt) und die großen MTB Mehrtages-Langstreckenevents (Grenzsteintrophy und Tour Divide Race).

Ich konnte mir damals nicht erklären warum das so ist. Inzwischen bin nach meinem Selbstversuch diesbezüglich um einige Erfahrungen reicher, aber ich will jetzt nicht mein Fazit schon vor dem eigentlichen Bericht präsentieren 😉

Da ich von der Idee meiner Wunschveranstaltung überzeugt war konkretisierte ich darauf hin meine Gedanken und entwarf daraufhin den Cross Country Brevet. Auf der Website dazu lassen sich die Einzelheiten nachlesen und die geplante Strecke einsehen. Ich machte dieses „Experiment“ bewusst öffentlich, da ich davon überzeugt war, dass es sicherlich noch andere „Verrückte“ gibt die daran Gefallen finden könnten.

Als verlässlichen Mitfahrer konnte ich frühzeitig meinen Freund Stefan gewinnen, mit dem ich schon letztes Jahr eine längere Radtour im Gelände gemacht hatte. Ansonsten war die Resonanz aber so gering, dass sich kein weiterer Mitfahrer gemeldet hatte. Ich war dadurch zwar etwas verunsichert, aber ansonsten war meine eigene Motivation für die Geländeprüfung ungebrochen vorhanden!

War es in den letzten Jahren im Juli im Wald eher staubtrocken so war der Sommer 2012 da was ganz anderes. Der Waldboden war bis an die Grenze mit Wasser gesättigt und jede noch so kleine Mulde war in eine Pfütze verwandelt. Sollte an einem Tag die Sonne den Boden etwas abtrocknen lassen, so gab es am nächsten Tag garantiert zum Ausgleich einen kräftigen Gewitterregen.

Immerhin versprachen die letzten Wetterprognosen zumindest für den Samstag ein halbwegs trockenes aber windiges Radelwetter.

Tourbericht

Die Tour begann nach dem Start am 14.07 um 8:00 Uhr wie erwartet relativ gemäßigt mit dem HW8. Gemäßigte Steigungen, gemäßigte Trails und einem mäßig spaßigen Regenschauer vor Heilbronn.

Wir waren beide auf komplett starren Rädern unterwegs. Stefan auf einem 26″ Stahl-Bike mit richtigen Schutzblechen (um die ich Stefan ein wenig beneidete). Ich auf meinem Titan 29er mit Carbon-Starrgabel und nur einem kleinen Mudboard gegen die Schlamm-Spritzer.

Damit wir nicht vor lauter Mäßigkeit einschliefen weckte uns der Georg-Fahrbach-Weg wieder auf. Gegenüber dem HW8 ist der GFW vorsichtig gesagt „sehr naturbelassen“ und fühlt sich recht ruppig & rauh an. Die zwei Abfahrten auf diesem Abschnitt stellten die technisch schwersten Stücke der gesamten Tour dar. Ich war froh, dass dies Stefan genauso sah und es nicht an meiner fehlenden Fahrtechnik lag.

Die weichen & schlammigen Wege forderten schon auf diesem einfachen Teilstück ihren Tribut und wir erreichten erst um 14:45 Uhr nach 110km und 1800hm Öhringen, wo ein Döner unsere Sportlernahrung der Wahl war. In Mainhardt gab es dann bei recht schönem Sonnenschein Kaffee und Kuchen in einem Supermarkt-Bäcker. Unser Ziel war es vor der Dunkelheit noch Lorch zu erreichen und wir kalkulierten dabei für diesen schweren, knapp 70 Kilometer langen, Streckenabschnitt nur mit einem Bruttoschnitt von 10km/h. So etwas wie „einfach rollen“ gab es auf diesem Abschnitt nämlich (fast) nicht. Entweder ging es steil rauf, steil runter, über Wurzeln, durch Schlammlöcher, durch Brennnesseln … Aber rollen? Nicht hier!

Im Kastell in Welzheim hatten wir noch eine besondere Begegnung – römische Legionäre beim exerzieren!

Kurz vor 22:00 Uhr waren wir dann in Lorch und setzten unsere „Schlemmertour“ bei einem Teller Pasta und einem Bier fort. Wir montierten danach unsere Lichter: Stefan mit einer Petzl Myo RXP am Helm und einer gnadenlos hellen Eigenbau Akku-Lampe am Lenker. Ich war mit einer Fenix LD20 Taschenlampe auf dem Helm und einer vom Nabendynamo gespeisten Edelux Lampe am Lenker unterwegs.

Trotz der guten Beleuchtung beschlossen wir den „flowigen Berg“ bis Plüderhausen auszulassen. Von unserer gemeinsamen Probefahrt wussten wir, dass man dort ein ziemlich langes Singletrailstück an einem steilen Hang entlangfährt. Einmal abrutschen und man landet mindestens zehn Meter tiefer. Und das Rad zu schieben war wegen der tiefen Schlammpfützen auch keine verlockende Option. Also gab es zumindest bis Plüderhausen mal zur Abwechslung ein kleines Rollerstück 😉

Unsere Tour steigerte sich von Abschnitt zu Abschnitt und mit dem HW10 stand jetzt der Höhepunkt auf dem Programm. Dieses mal nicht wegen den fahrtechnischen Anforderungen sondern wegen dem pausenlosen Auf und Ab! Alleine bis Backnang warteten geschätzte 900hm auf uns.

Die Nachtfahrt im Gelände machte mir echt Spaß! Wir hatten immer genügend Licht und da die Strecke hier nicht all zu technisch war hatten wir auch keine gefährlichen Situationen. Genau so hatte ich mir das im Vorfeld vorgestellt! Unvergesslich bleibt mir das Stück vor Steinenberg. Erst ging es einen fast komplett zugewachsenen, steilen und schlammigen Weg schiebend nach oben. Oben wartete dann ein „Brombeerfeld“ auf uns in dem der Trail nahezu unsichtbar war und wo wir wegen der Dornen das Rad nur tragen konnten.

Um kurz vor 2:00 Uhr waren wir dann in Backnang beim McDonalds angelangt wo wir kurz vor Ladenschluss als die Letzten noch was bestellen durften. Auf unserer Weiterfahrt reduzierten weitere Hügel, leichter Regen und der von der Müdigkeit so langsam mürbe Kopf den Spaßfaktor. Nach der Neckarbrücke bei Marbach lag eine kaputte Bierflasche auf dem Radweg. Ich fuhr leider genau drüber und pfffffft …

So lange man auf einem völlig verdreckten Rad nur drauf sitzt und fährt stört einen dieser Dreck (fast) nicht. Aber wenn man dann einen Schlauch wechseln muss … Bähhh! Und dabei hab ich auch noch was Neues gelernt: Meine Luftpumpe war am Flaschenhalter befestigt und war deshalb auch völlig verdreckt. Durch den ganzen Dreck hatte sie nun nicht mehr richtig funktioniert und ich bekam keine Luft in den Reifen. Zum Glück hatte Stefan seine Luftpumpe schön sauber in seinem Gepäck verstaut!

Durch diesen Platten und ein paar weiteren Verzögerungen dämmerte es schon und wir erreichten Besigheim um kurz vor 6:00 Uhr nach ca. 260km und knapp 5000hm. Ich hatte inzwischen ein echtes Motivationsproblem wenn ich an den Rest der Strecke dachte. Wusste ich doch zu gut, dass die Strecke bis Pforzheim mir rund 80km noch recht lang und mit deutlich über 1000hm auch kein bisschen leichter als bisher würde. Und an „rollen“ wäre auf diesem Abschnitt leider immer noch nicht zu denken gewesen!

Also bogen wir erstmal zur 24h Tankstelle ab und tranken zwei Kaffee. Stefan und ich sind sehr gut darin unsere eigene „Spaßgrenze“ beim Langstreckenradeln zu erkennen bzw. zu definieren. Und da wir inzwischen körperlich platt und ohne weitere Motivation waren diskutierten wir die möglichen „Steckevariationen“ zurück nach Pforzheim. Der inzwischen reichlich niederprasselnde Regen bewegte uns dann schließlich dazu die radikalste Variante zu wählen und auf den Enztalradweg zu wechseln.

Juhu! Endlich mal wieder rollen – war das eine Wohltat! Ich denke inzwischen, dass der mangelnde Rollfaktor das größte Problem bei einer Nonstop Mountainbike Langstrecken wie dem CCB ist. Vielleicht ist das auch anders wenn man Mountainbiker aus Fleisch und Blut ist und es nicht anders kennt. Aber als Randonneur der das Rollen kennen- und liebengelernt hat ist das schon hart!

Irgendwie musste ich schmunzeln, da ich auch schon meine diesjährige Alb-Solotour auf einem Flußradweg habe ausklingen lassen. Auf dem Weg nach Pforzheim wurden wir von einigen zum Teil kräftigen Regenschauern begleitet. Um 9:45 sind wir dann schließlich wieder am Bahnhof in Pforzheim angekommen.

Distanz: 309,4 km
Höhenmeter: 4948 m
Brutto-Fahrzeit: 25:43
Netto-Fahrzeit: 20:28

Track:
GPSies - CCB 2012

Aufzeichnung:

Mein Fazit fällt dieses mal etwas ausführlicher aus:

Shades of Mud

Bei einem Rennradbrevet gibt es genau zwei Zustände des Weges: trockenen und nassen Asphalt. Wenn man fairer weise jetzt noch die Rauheit des Asphalts berücksichtigt kommt man auf ein paar mehr Varianten. Das heftigste was es dort so gibt ist der weithin gefürchtete extrem schlecht rollende französische Rauasphalt – puuuuuhhhhhh 😯

Liebe Randonneure es ist Zeit mal im Wald zu fahren! Dort könnt ihr erleben welch riesig große Bandbreite es zum Thema Wegbeschaffenheit wirklich gibt! Und nach der Erfahrung des CCBs könnte ich euch alleine zum Thema Varianten des Matsches ein ganzes Referat halten: Es gibt wässrigen Match, klebrigen Match der überall hängen bleibt, rutschigen Matsch auf dem man fast nicht zu Fuß laufen kann, sandigen Matsch, Matsch mit Laub drin …..

Was ich damit eigentlich sagen will ist, dass Langstreckenradeln im Gelände eine echte Bereicherung ist und tierisch Spaß macht! Man kann seinen persönlichen Horizont um Erfahrungen erweitern die man auf keiner Straße findet!

Rollwiderstand

Ich gebe zu, dass die von mir entworfene Strecke eine Hausnummer zu heftig ausgefallen ist um sie Nonstop zu bewältigen. Entweder sollte die Strecke etwas kürzer ausfallen oder sie sollte einen höheren, gut fahrbaren, (Schotter-)Anteil haben.

Durch diese Erkenntnis ist mir jetzt auch klar, warum es bisher keine andere Veranstaltung dieser Art gibt.

Quo vadis CCB?

Ich werde ganz sicher weiterhin epische Langstreckentouren mit dem Mountainbike fahren. Falls es noch weitere Radler gibt die an solchen Touren Interesse haben würde ich mich sehr über ein Feedback freuen. Am besten nutzt ihr dazu die Kommentarfunktion dieses Blog-Beitrags.

Falls sich dadurch einige interessierte Leute zusammenfinden sollten, könnte ich mir schon vorstellen, dass wir dann im nächsten Jahr wieder was ähnliches auf die Beine stellen.

PS: Danke Stefan für die tolle Tour mit dir!

Verfasst von: dawncycling | 26. Juni 2012

Perlen des Südens II

Wie schon letztes Jahr zog es mich dieses Jahr erneut zum Familienurlaub nach Sardinien. Da meine Radtouren nur eine untergeordnete Rolle spielen sollten beschränkte ich mich auf die „Perlen-Suche“ nach neuen unentdeckten Strecken. Und Sardinien „perlt“ in dieser Hinsicht richtig gut!

Den Impuls für meine gefundenen Strecke gab mir mein letztjähriger Mitfahrer Michael, den ich zufällig auf dem Campingplatz wiedertraf. Leider war sein Urlaub schon vorrüber denn sonst hätten wir sicherlich wieder die eine oder andere gemeinsame Tour unternommen. Er erzählte mir noch von einer neu entdeckten Strecke vom Lago Alto Flumendosa nach Gairo Taquisara. Da ich in keiner meiner Karten diese Straße finden konnte war nun meine Neugier geweckt.

Da ich beim Abfahren dieser Strecke diverse Abzeigungen entdeckte enstanden daraus am Ende sogar noch zwei weitere Strecken, die ich an den folgenden Tagen abgefahren bin. Alle drei Strecken starten am Lago Alto Flumendosa. Zu ihm gelangte ich jedesmal von Barisardo aus über Lanusei. Dabei sollte man ab Loceri unbedingt die alte Straße nach Lanusei nehmen da diese schöner und einsamer als die neue ist.

Kurz vor dem Lago Alto Flumendosa folgt man einem unscheinbaren Schild über eine kleine Brücke. Niemals hätte ich anhand dieses Schildes erahnen können, dass sich dahinter drei tolle Touren verstecken.

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Gairo Taquisara

An der ersten Kreuzung ohne Schild beim Lago Alto Flumendosa geht es links. Die Strecke führt über einen unbewaldeten Berg mit schöner Aussicht von Osten aus auf die Felsnadel Perda ‚e Liana.

Track:
Lago Alto Flumendosa 1 - Gairo Taquisara

Passo Sarcerei

An der ersten Kreuzung ohne Schild beim Lago Alto Flumendosa geht es wieder links. Diesesmal folgt man aber dem ziemlich zerschossenen Schild zum Passo Sarcerei. Die Straße zum Pass ist nur ganz am Anfang (und ganz am Ende) ziemlich kaputt – alles dazwischen lässt sich für sardische Verhältnisse gut fahren. Sie ist schmal und ziemlich einsam. Kaum ein Auto verirrt sich hierhin. Die Steigungen sind etwas steiler als im Anstieg nach Lanusei, aber eigentlich nie besonders schwer.

Dieser Pass ist ein echter Geheimtipp und ich hab mir bei meiner Befahrung überlegt, dass Urban von ARA-Breisgau ihn sicherlich in eine Brevet-Strecke aufnehmen würde, läge Sardinien nur näher an Freiburg 😉

Track:
Lago Alto Flumendosa 2 - Passo Sarcerei

Ussassai

An der ersten Kreuzung ohne Schild beim Lago Alto Flumendosa geht es diesesmal rechts. Etwas wellig folgt die Straße dem See und an der nächsten Kreuzung ohne Schild geht es dann nach links hinauf zur Felsnadel Perda ‚e Liana die man diesesmal auf der Westseite passiert. Weiter geht es im Wald auf der einsamen Straße vorbei am Steilabbruch des Monte Tonneri. Bis zur Einmündung auf die SS198 pendelt man die ganze Zeit zwischen 900 und 1000 Metern Höhe. Man passiert die Nuraghe Ardasai und die Landschaft wird wieder karger und baumloser. Der Rückweg auf der SS198 kostet durch zwei Anstiege nochmal etwas Kraft.

Diese Strecke ist meine diesjähriges Highlight gewesen. Sehr abwechslungsreiche Landschaften und friedliche Einsamkeit hinterliesen prägende Eindrücke.

Track:
Lago Alto Flumendosa 3 - Ussassai

Verfasst von: dawncycling | 22. Mai 2012

Auf dr Alb ond om d‘ Alb ond om d‘ Alb rom

Da ich schon eine Weile von der Bikepacking-Idee angesteckt bin, war es am verlängerten Himmelfahrts-Wochenende mal wieder Zeit für eine mehrtägige Tour im Gelände. Und da ich den Schwarzwald letztes Jahr schon abgeradelt bin wollte ich deshalb dieses Jahr, die mir noch fast unbekannte, Schwäbische Alb erkunden bzw. umrunden. Dabei wollte ich aber nicht rumbummeln sondern die Grenzen des sportlich und fahrtechnisch machbaren für mich ausloten. Deshalb war mein Plan den Hauptwanderweg 1 (HW1) von Aalen bis Tuttlingen und dann wieder zurück den Hauptwanderweg 2 (HW2) zu radeln. Da ich von der Strecke keinerlei Ahnung hatte sparte ich mir die Mühe einer detaillierten Tourenplanung. Ich hatte ja alles notwendige (Übernachtungs-)Gepäck dabei und war somit weitgehend „Self-Supported“. Lediglich auf Kocher und ähnliches hatte ich komplett verzichtet und wollte stattdessen immer Essen gehen.

Den Start der Tour musste ich auf Grund von viel Regen und Schneefall bis auf 600 Metern Höhe (im Mai!) um einen Tag nach hinten verschieben. Meine Aufregung bzw. Anspannung steigerten sich vor der Tour, da ich die fahrtechnischen Anforderungen nicht abschätzen konnte und nicht wusste ob ich mein Rad mit dem ganzen Gepäck über die Trails bekommen würde. Ich reiste am Vorabend mit dem Auto nach Aalen und schlief die Nacht im Auto.

Tag 1 – AlbExtrem
Von Aalen bis St. Johann

Da ich mir für den ersten Tag viel vorgenommen hatte klingelte der Wecker schon um 3:30 Uhr und eine halbe Stunde später startete ich dann mit der Lampe am Rad. Direkt hinter dem Parkplatz ging der HW1 gleich mit einem Bergauf-Singletrail los. Ich startete recht behutsam um nicht am Anfang gleich zu überziehen. Wenn man denkt, „diesen läppischen Anstieg kann ich doch (noch) hochdrücken“, kann man sich mit Gepäck ruckzuck die Beine sauerfahren. Meine Devise war deshalb: Hauptsache die Räder drehen sich. Ob schiebend oder fahrend war mir zweitranging – in der Ruhe liegt die Kraft 😉

Alles war vom Regen am Vortag noch triefend nass und am Wegrand konnte ich tatsächlich noch Schneereste sehen. Die Treppe von der Ruine Rostenstein bei Heubach ins Tal ist eigentlich für Radfahrer verboten, da ich aber so früh unterwegs war machte ich mir darüber keine Gedanken. Aber ich musste fast komplett bergab schieben und würde anderen dazu raten diese Stelle zu umfahren.

Der sehr steile Anstieg nach dem Schloss Weißenstein war der Knüller. Der Boden war so nass, dass ich echte Probleme hatte mein Rad bergauf zu wuchten ohne dabei auszurutschen. Nachdem dies geschafft war begannen dann die eigentlichen Albtrauf-Singletrails direkt an der Kante entlang. Da die Wurzeln aber sehr rutschig waren musste ich recht vorsichtig fahren bzw. schieben. Zwei Mal bin ich auch beim fahren auf einer Wurzel abgerutscht und hingefallen. Es ist dabei nix weiter passiert – dies lies mich aber noch mehr schieben als zuvor.

Mein nächstes Ziel war das Hofgut Reußenstein zum Mittagessen. Der Weg dahin zog sich aber elend in die Länge und die Trails wurden immer rutschiger. Der Schiebeanteil steigerte sich enorm und meine Kräfte schwanden dahin. Als ich gegen 12:00 Uhr dann am Hofgut angekommen war machte ich deshalb erst mal eine längere Pause.

Nach der Essenspause wurde es schön sonnig und halbwegs warm. Meine Kräfte kamen zurück und ich fühlte mich super. Meine Anspannung hatte sich gelöst und ich war endlich auf bzw. in meiner Reise angekommen. Da ja Vatertag bzw. Himmlfahrt war, waren auch etliche Wanderer unterwegs. Und da hatte ich auf einmal so ein seltsames „Biker-High“, dass ich mich plötzlich ganz arg mit den Wanderern um mich rum verbunden fühlte. Wir waren alle auf demselben Weg unterwegs und genossen gemeinsam das schöne Wetter. Fast wäre es so weit gekommen, dass ich aus purer Freude irgendeinen Wanderer umarmen wollte, ich konnte mich aber geradeso noch im Griff halten 😀

Im Vorfeld hatte ich mich längere Zeit gefragt wie es wohl ist, wenn man als Mountainbiker auf dem Trail Wanderern begegnet. Ich hatte auf der gesamten Tour nur positive Begegnungen erlebt und wurde nie blöd angemacht! Dass es sich dazu gehört langsam zu machen bzw. abzusteigen wenn man Wanderern auf einem schmalen Pfad begegnet sollte aber klar sein. Und ein Gruß und ab und an mal ein zwei freundliche Worte gehörten für mich auch dazu. Wie man anderen begegnet so wird einem auch selbst begegnet!

Auf der Burg Teck war vor lauter Feiertagsausflüglern die Hölle los und ich wechselte auf die Straße und wählte die schnelle Flucht nach Owen ins Tal. Der Anstieg nach Erkenbrechtsweiler war in der Mittagssonne hammerhart. Vorbei war das schöne „Biker-High“ und es war wieder quälendes schieben angesagt. Am Wasserfall im Wald hinter Bad Urach gab es nochmal frische Getränke an einem Kiosk um dann mein Rad die steile Rampe in Richtung St. Johann zu wuchten.

Um ~18:00 Uhr war ich am Gasthof im Gestüt in St. Johann angekommen und stärkte mich als erstes Mal. Danach steuerte ich meinen Schlafplatz ganz in der Nähe an. Dort hat der Schwäbische Albverein ein Wetterschutzgewölbe restauriert. Den Tipp dazu hab ich aus einem Internetforum bekommen – vielen Dank dafür! Was für eine geniale Unterkunft mit einem traumhaften Ausblick beim Einschlafen.

 

Distanz: 127,9 km
Höhenmeter: 3925 m
Brutto-Fahrzeit: 13:59
Netto-Fahrzeit: 11:45

Track:
MTB Alb Tag 1 (17.05.2012)

Aufzeichnung:

Tag 2 – Bis die Bremsen glühen
Von St. Johann bis Tuttlingen

Ich hatte den Handy-Wecker auf 5:00 Uhr gestellt und musste mich nach dem Aufwachen überwinden, aus dem schönen warmen Schlafsack rauszukriechen. Es war recht frisch und als ich zur „Tür“ rausschaute merkte ich, dass es leicht regnete. Also Bestand kein Grund zur Eile und ich hatte mich nochmal kurz hingelegt. Nachdem ich mich dann aber doch aufgerafft hatte zog ich mich so warm wie möglich an, verpackte alle Sachen und aß einen Powerbar Riegel als erstes Bikepacker Frühstück 😉

Der HW1 war auf diesem Abschnitt sehr angenehm zu fahren. Schöne flowige Singeltrails ohne viele Wurzel. Nach 12 Kilometern kam mit Holzelfingen der erste Ort und ich hoffte auf eine offene Bäckerei. Als ich einen Schüler danach fragte meinte er nur, dass die letzte Bäckerei im Ort Pleite gemacht hatte. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mit knurrendem Magen weiterzuradeln. Es ging steil hoch zum Schloss Lichtenstein und weiter an der Nebelhöle vorbei. In Genkingen fand ich dann nach 27 Kilometern endlich eine offene Bäckerei, die ich dann im ganz großen Stil plünderte!

Die Trails wurden wieder wurzelig und es gab auch wieder einige steile Schiebepassagen. Seit meinem Aufbruch an diesem Tag war der Singletailanteil, bis auf die paar Ortsdurchfahrten, extrem hoch (~70%). Ich hatte das Gefühl, dass der ganze HW1 ein einziger langer Singletrail ist! Der Höhepunkt kam dann rund um den Dreifürstenstein. Extrem wurzelige Trails die direkt am Albtrauf entlang verlaufen. Das Wahnsinns-Panorama konnte ich aber nicht richtig genießen, da ich die ganz Zeit mit voller Konzentration fahren musste um nicht von der Alb zu purzeln. Mit Starrgabel und Gepäck sind solche Trails kein Zuckerschlecken.

Die Wurzel-Trails gingen immer weiter und so langsam merkte ich, dass mit meinen Bremsen was nicht in Ordnung war. Die Vorderbremse machte schon eine Weile sehr fürchterliche Geräusche. Aber immerhin hatte sie noch ihre normale Bremskraft. Als ich dann merkte ich, dass die Hinterbremse keinerlei Bremskraft mehr hatte und ölig war, wurde mir recht mulmig. So konnte ich auf keinen Fall weiterfahren und beschloss einen Radladen zu suchen.

Da es in Jungingen keinen Radladen gibt musste ich nach Hechingen radeln. Als ich den Laden gefunden hatte musste ich noch bis 14:30 Uhr warten, da er wegen der Mittagspause noch geschlossen hatte. Ich nutzte die Wartezeit zu einem ausführlichen Mittagessen. Pünktlich zur Öffnung war ich wieder am Radladen und überrumpelte den Besitzer wohl ein wenig. Hatte er sonst wohl eher mit den Stadträdern der Hechinger Einwohner zu tun war von meinem „Gefährt“ sichtbar überrascht. Es war eine sehr nette und sympathische Begegnung und er fragte mich ob ich schon mal was von der Grenzsteintropy gehört hätte und ob das nichts für mich wäre 😀

Ich liebe solche persönlichen Begegnungen auf einer Tour und sende hier nochmal ein Dankeschön an Radsport Veloce in Hechingen für die spontane Hilfe. Mit vier neuen Bremsbelägen ging es dann nach einer Stunde weiter. Er konnte mir aber auch nicht sagen, woher das Öl an der Hinterradbremse kam und ob es wieder kommt.

Um die verlorene Zeit etwas gut zu machen wollte ich zunächst auf dem Radweg nach Balingen rollen und dort wieder die Alb bzw. den HW1 erklimmen. Was für eine Wohltat nach dem „Wurzel-Inferno“ der letzten Stunden mal wieder mal schön zu rollen. Und so kam es dann, dass mich in Balingen ein Radweg-Schild mit der Aufschrift „Tuttlingen 48km“ (ver-)lockte. In einem mental schwachen Moment bin ich dann dieser verlockenden Versuchung, mein Tagesziel doch noch zu erreichen, erlegen und blieb auf dem Radweg 😉

Der Hohenzollern-Radweg war aber auch sehr schön. Statt von der Alb runter schaute man hier halt von unten nach oben – auch eine schöne Perspektive. Um nach Tuttlingen zu gelangen muss man aber auch auf diesem Weg die Alb erklimmen bzw. überqueren und erreicht fast 1000m Höhe.

Wenn man sich so viel bewegt hat man einen eigentlich immer Hunger. Also suchte ich mir in Tuttlingen erst mal ein nettes Restaurant um meinen Magen zu füllen. Da ich mir aber noch einen Schlafplatz bei Helligkeit zu suchen wollte musste schon bald wieder aufbrechen. Ich hatte vor den HW2 noch so lange nachzufahren, bis ich eine brauchbare „Unterkunft“ entdecken sollte. Wieder im Wald traf ich eine Frau die ihre Hunde ausführte und fragte sie, ob sie in der Nähe eine offene Waldhütte kannte, in der man übernachten könnte. Sie war von meiner Anfrage zunächst sichtlich verblüfft, aber nach etwas nachdenken fiel ihr die Grillhüte am Christkindleseck ein. Die Hütte war wirklich eine prima Unterkunft und man hatte eine schöne Sicht über Tuttlingen.

Distanz: 132,1 km
Höhenmeter: 2588 m
Brutto-Fahrzeit: 13:04
Netto-Fahrzeit: 9:20

Track:
MTB Alb Tag 2 (18.05.2012)

Aufzeichnung:

Tag 3 – Freudentränen / Blut geleckt
Von Tuttlingen bis Aalen

Der Handy-Wecker klingelte wie am Vortag um 5:00 Uhr und die Früh-Temperatur war an diesem Morgen sogar recht angenehm. Ich packte meine Sachen in die Taschen ein und kaute etwas Studentenfutter gegen den Dauerhunger. Danach ging es los vom Christkindleseck wieder auf den HW2 – meinem geplanten Rückweg.

Nach einem Stück im Wald und ein paar Hügeln verlief der Weg entlang der jungen Donau. Es war zwar noch recht nebelig, aber die Landschaft war atemberaubend spektakulär! Ich näherte mich dem Kloster Beuron und beschloss dort was zum Frühstücken zu suchen. Vom 400er Brevet von ARA Breisgau war mir das Hotel Pelikan als Kontrollstelle bekannt, welches ich deshalb zielstrebig ansteuerte. Da es dort Frühstück erst ab 8:00 Uhr gab nutzte ich die halbe Stunde Wartezeit zum Trinkflasche füllen und um mein Handy zu laden. Das Hotel ist ein recht verschlafenes Renterhotel, der Kaffee und das Frühstück waren aber sehr gut – und notwendig!

Gut gefrühstückt ging der HW2 ab dem Kloster Beuron sehr steil bergauf. Oben gab es dann ein paar nette Trails bevor es auch schon wieder genau so steil ins Tal ging. Bergauf wie bergab für mich beides (fast) nicht fahrbar. Dieses Spiel wiederholte sich noch ein paar Mal und es wurde dabei immer wärmer. Mir floss der Schweiß so dass ich meine beschlagene Radbrille, um noch was sehen zu können, an den Helmgurt hängte. Nach dem Korbfelsen brachte mich ein elend langes und steiles Bergauf-Schiebstück an meine Grenzen. Als ich dann auf einmal merkte, dass meine Radbrille nicht mehr am Helmgurt baumelte bekam ich eine Krise. Erst dachte ich, ich lass die Brille in Frieden ruhen doch dann entschloss ich mich sie doch suchen zu gehen. Also hab ich mein Rad an den nächsten Baum gelehnt und bin Fuß bergab gespurtet. Die Gedanken, dass mir hier jetzt noch jemand im Wald das völlig unbeaufsichtigte Rad klaut, versuchte ich zu unterdrücken. Zirka 50 Höhenmeter tiefer fand ich zum Glück die leicht verkratzte Brille wieder und auch mein Rad war nach dem Wiederaufstieg noch an Ort und Stelle. Und ähnlich wie schon am Vortag brachte dieses Detail für mich das Fass zum überlaufen. Ich hatte jetzt echt keine Lust mehr mein Rad zu schieben. Außerdem ist der HW2 an dieser Stelle eine echte „Verschwendung“! Man hat (fast) keine Aussicht und sieht nur Bäume. Bäume hab ich aber auch zu Hause im Stromberg und muss dazu nicht so weit anreisen. Also nahm ich die nächste Straße hinab nach Hausen in Tal und beschloss ab hier den Donauradweg zu fahren.

Auf dem Radweg waren einige Reiseradler unterwegs und auf der Donau paddelten etliche Gruppen mit Kanus dahin. Die Landschaft war so unbeschreiblich schön und die Stimmung so bezaubernd friedlich, dass ich plötzlich derart ergriffen war, dass mir ein paar Freudentränen in die Augen schossen. Was für ein Privileg, dass ich bei diesem schönen Wetter hier sein durfte! Was für ein Privileg, dass ich das Leben in dieser Intensität erleben und mit dieser Ausdauer an den „großen Rädern“ drehen darf! Zu keinem Zeitpunkt bedauerte ich den HW2 verlassen zu haben.

Ich hatte, wie schon am ersten Tag, wieder so ein seltsames „Biker-High“ und ich fühlte mich auf einmal so mit den Reiseradlern verbunden, dass ich am liebsten einen davon umarmt hätte. Aber nach zwei Tagen radeln ohne zu duschen hätte der mich auf Grund meines „Puma-Geruches“ wahrscheinlich direkt in die Donau geworfen. Also hielt ich mich diesbezüglich zurück 😉

In Siegmaringen kam wieder einmal Hunger auf, aber ich radelte lieber noch ein Stück weiter da es mir dort zu voll & laut war. Das passte für mich nicht in die friedliche Stimmung des letzten Streckenabschnittes. In Scheer fand ich dann ein nettes Ausflugslokal. Zum Essen trank ich erst mal zwei Bier, da ich jetzt (eigentlich) vorhatte den weiteren Weg als „Genussradeltour“ zurückzulegen. Ich will hier niemanden zum Alkohol verleiten, aber ich muss an dieser Stelle mal ein „Gerücht“ wiederlegen! Nämlich stimmt es ganz und gar nicht, dass Bier während des Radelns müde bzw. schlapp macht. Aus eigener Erfahrung kann ich nun berichten, dass Bier eine sehr erfrischende und belebende Wirkung hat! Denn nach dem Essen lief es auf einmal fast wie von selbst! Das Donautal war jetzt nicht mehr eng und felsig sondern wurde langsam breiter. Ich radelte ohne große Anstrengung locker und zügig vor mich hin.

Jetzt ist es so, dass wenn man als Randonneur auf einmal merkt, wie man plötzlich Strecke macht, dann ist es ungefähr so, wie wenn ein Hai im Ozean auf einmal Blut wittert. Ich entwickelte einen großen Spaß daran gegen den böigen Ostwind anzukämpfen und die Ortschaften flogen gerade so an mir vorbei. Und da ich nun einmal Blut geleckt hatte, war für mich eine Rückkehr auf den Wanderweg nicht mehr vorstellbar.

Die Reiseradler, die ich vor kurzem noch umarmen wollte, waren nun auf einmal meine (unfreiwilligen) „Motivationshilfen“. Als bunte Punkte erschienen sie vor mir am Horizont. Ich saugte mich zunächst an sie ran um sie dann im nächsten Moment in meinen Luftwirbeln zurückzulassen. Ich wunderte mich wie man seinen halben Kleiderschrank am Rad spazieren fahren kann und dann trotzdem noch ein Hotel zum Übernachten benötigt 😉

Da ich jetzt endgültig wieder im „Randonneur-Modus“ angelangt war, begann ich natürlich schon mal auszurechnen wie weit ich heute noch fahren könnte. Und ich war baff, dass es mir sogar noch reichen könnte um zurück nach Aalen zu meinem Auto zu kommen. Einerseits bedauerte ich es, dass ich dadurch nicht noch einmal im Freien schlafen könnte, aber andererseits war ich durch die Sonnenmilch und den Straßenstaub inzwischen so „eingesaut“, dass ich mich so in keinen Schlafsack mehr hätte legen wollen.

Nach einem Getränkestopp in Ulm um ca. 17:00 Uhr wechselte ich vom Donau-Radweg auf den Hohenlohe-Ostalb-Weg. Den GPS-Track dazu hatte ich schon vorsorglich auf meinem Garmin gespeichert. Ich war wirklich über mich selbst erstaunt, wie ich nach zwei sehr anstrengenden Rad-Tagen noch so eine konstante Leistung abrufen konnte. Seit dem Mittagessen in Scheer war ich die ganze Zeit mit einem Schnitt zwischen 25 und 30 km/h unterwegs. Und daran sollte sich auch bis Aalen nichts mehr ändern!

Es war ein angenehm warmer Abend und die Landschaft wurde auf einmal wieder sensationell schön! Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Ostalb derart lieblich ist. So kurbelte ich das schöne Lonetal bergab und dann nach einem kleinen Hügel die Brenz entlang bis nach Heidenheim.

Eigentlich hatte ich inzwischen schon keine Energie mehr, aber das ausgerechnete Ziel vor 21:00 Uhr in Aalen zu sein motivierte mich nicht mit der Leistung nachzulassen. Und tatsächlich schaffte ich dies auch noch – es hatte aber wirklich meine allerletzten Reserven gekostet.

Distanz: 239,5 km
Höhenmeter: 1762 m
Brutto-Fahrzeit: 14:58
Netto-Fahrzeit: 11:40

Track:
MTB Alb Tag 3 (19.05.2012)

Aufzeichnung:

Strecken-Fazit:

Der HW1 ist durch seinen sehr hohen Singletrailanteil eine faszinierende Strecke. Im Prinzip ist davon sehr vieles fahrbar und macht Spaß. Allerdings nimmt der fahrbare Anteil bei Nässe drastisch ab da alles sehr rutschig wird. Die Anstiege sind wanderwegstypisch oft sehr steil und winden sich in engen Kurven den Berg hinauf. Mit Gepäck am Rad ist hier der Quälfaktor sehr hoch.

Zum HW2 kann ich nicht viel sagen, da ich ja nur ein sehr kurzes Stück darauf unterwegs war. Im oberen Donautal ist er meiner Meinung nach aber eine recht sinnfreie Verschwendung. Ich würde auf diesem Abschnitt jederzeit wieder das Donautal vorziehen. Aber der Rest würde mich schon noch interessieren. Daher ist nicht ausgeschlossen, dass ich ihn noch mal in Südrichtung unter die Räder nehme.

Schlaf-Ausrüstung:

Meru Kolibri Schlafsack von Globetrotter ~820 Gramm
Therm-A-Rest NeoAir Isomatte ~550 Gramm
Black Diamond Hooped Bivy (Biwaksack) ~700 Gramm

Das alles passt zusammen in die Rolle die vorne am Lenker befestigt ist. Die erste Nacht (~5 Grad) war diese Kombination optimal. In der zweiten Nacht (~10 Grad) war es schon fast ein Tick zu warm. Wenn es noch wärmer ist, würde ich mich mit dem Schlafsack auf den Bivy drauflegen.

Gepäcktransport:

Die Bikepacking Taschen von Revelate Designs sind genial durchdacht und funktionieren absolut tadellos in der Praxis. Vorne hatte ich die Rolle mit der Schlaf-Ausrüstung und daran eine Tasche mit Kleinkram. Im „Gas-Tank“ war der Foto immer griffbereit und ein paar Riegel für Zwischendurch. Meine Wechselkleidung war in der großen Tasche an der Sattelstütze. Zwei Ersatzschläuche und Werkzeug waren in der Abus Tasche im Rahmen-Dreieck. Zusätzlich hatte ich noch einen kleinen Bike-Rucksack auf dem Rücken in dem alles drin war was ich tagsüber brauchte: Geldbeutel, Handy, Handschuhe, Windweste etc. So musste ich unterwegs nie die große Tasche aufmachen und hatte immer alles Notwendige griffbereit.

Hygiene:

Meine größte Sorge bei einer Mehrtagestour ohne Dusche waren Sitzprobleme gewesen. Daher war mein Hintern das mit Abstand am besten gepflegte Körperteil. Mit Penaten-Baby-Feuchttüchern wurde immer wieder alles gereinigt. Statt Sitzcreme verwende ich seit letztem Jahr, wegen der desinfizierenden Wirkung, nur noch Teebaumöl. Und als wichtigen Tipp hab ich in einem Bericht zum Tour Divide Race von Kurt Refsnider gelesen, dass man nicht in seiner Radhose schlafen sollte. Daher hatte ich eine Unterhose für die Nacht im Gepäck. Zu guter Letzt hatte ich für jeden Tag eine frische Radhose dabei. Und das alles hatte zusammen super funktioniert und ich hatte keinerlei Sitzprobleme! Yes!

 

Verfasst von: dawncycling | 7. Mai 2012

Keine Routine!

Die meisten Tage eines Jahres laufen voller Routine ab. Arbeiten, Familie, Haushalt und Radfahren haben ihre feste Ordnung. Und auch beim Langstreckenradeln kann sich nach ein paar Jahren so etwas wie Routine einstellen und man ist in der Lage einen Brevet routiniert und unbekümmert zu fahren. Es gibt aber auch Tage die so viel Unvorhergesehens enthalten, dass sie wie ein Paukenschlag jegliche Routine durchbrechen. Letztes Wochenende (5. und 6. Mai), wo ich eigentlich am 400er Brevet in Freiburg teilnehmen wollte, war solch ein lauter Paukenschlag an dem es so viel Unerwartetes gab, dass ich mich danach erstmal wieder an der Routine des Alltages erholen muss. Aber alles der Reihe nach:

Die Anreise nach Freiburg zum Vogesen-Brevet lief noch völlig routiniert ab. Etwas früher von der Arbeit gehen, das Auto packen und durch den Freitag-Nachmittags-Verkehr nach Freiburg kämpfen. Ich war gerade auf dem Campingplatz angekommen um eines der schnuckeligen Holzhütten zu beziehen als mein Handy in der Hosentasche kurz vibrierte und eine eingehende Nachricht signalisierte. Es war eine E-Mail von ARA-Breisgau mit dem Betreff „Vogesen-Brevet fällt aus“. Urban und Walter hatten erst an diesem Nachmittag ein Schreiben vom Landratsamt zugestellt bekommen welches die Durchführung des Brevets unter Androhung von Strafen untersagte. Was für ein Timing und was für eine Sch… !

Nachdem ich meine Sachen ausgeladen hatte ging ich erstmal zum Augustiner zur „Krisensitzung“. Ein Freiburger Randonneur bestellte sich gleich einen Schnaps als er von der Absage erfuhr aber ich blieb erstmal beim Weizenbier. Alles debattieren nützte nichts und die Lage war klar: Es wird keine Brevet-Veranstaltung geben und die Brevetkarten werden nicht ausgegeben.

Da aber sehr viele Randonneure bereits angereist waren fanden sich am nächsten Morgen trotzdem recht viele zum Randonneur-Frühstück im Augustiner ein. Die Stimmung war aber sehr gedrückt. Die meisten radelten, jeder für sich und ohne gemeinsame Abfahrt, nach dem Frühstück zu der Stelle bei Hartheim wo sich beim 300er Brevet der tödliche Unfall ereignet hatte. Manche legten Blumen nieder oder zündeten Kerzen an. Die Unfallstelle ist ein nahezu gerades Stück Straße wo man sehr weit den Straßenverlauf ohne Sichtbehinderung einsehen kann. Es ist schwer nachvollziehbar wie man hier übersehen werden kann…

Da ich die zwei Übernachtungen schon gebucht und mir den Tag frei genommen hatte wollte ich jetzt aber nicht schon nach Hause fahren und entschloss mich trotz der Absage für mich etwas Rad zu fahren. Da ich mich in dieser Gegend aber nicht gut auskannte und auf dem Navi nur die Strecke des Vogesen-Brevets gespeichert hatte entschied ich mich, dass ich mir die Strecke ja mal ansehen könnte 😉

Da ich scheinbar nicht der einzige mit diesem Gedanken war traf ich unterwegs noch ein paar andere Randonneure und wir entschlossen uns spontan die Strecke gemeinsam zu fahren. Man hätte also fast denken können dass wir auf einem routinemäßigen Brevet unterwegs sind, wäre da nicht die fehlende Stempelkarte und diese seltsame Stimmung gewesen. Herrschte sonst immer eine gewisse Euphorie war dieses Mal die Stimmung sehr gedämpft und alle fuhren recht zurückhaltend.

Der Vogesen-Brevet wäre auch ohne die Absage alles andere als Routine gewesen. Zum einen ist die Strecke ganz neu und sie hätte dieses Jahr ihre Brevet-Erstbefahrung erlebt. Zum anderen verspricht auch das Höhenprofil alles andere als Routine. Mit insgesamt 4500 Höhenmetern hat die Strecke so viele Höhenmetern wie an anderen Startorten ein 600er Brevet. Erschwerend kommt hinzu, dass zwei Drittel der Höhenmeter bereits auf der ersten Hälfte der Strecke liegen.

Bereits der erste Berg zog sich viel länger als erwartet. Das mag aber auch nur mir so vorgekommen sein und Schuld daran konnten auch die evtl. zu reichlichen „Krisen-Weizenbier“ vom Vorabend gehabt haben.

Der Col Amic lief dagegen schon viel besser. Traumhafte Landschaft, sehr gut rollender Asphalt und eine moderate Steigung machen diesen Berg zu einem wahren „Butterberg“.

Vogesen02

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Etwas verwundert nahmen wir zur Kenntnis, dass gerade die Absperrungen für eine Autorennen aufgebaut wurden. Ich überlegte noch, dass wohl wenig später die Strecke gesperrt würde und man als Radler nicht mehr hätte durchfahren dürfen. Als ich diesen Gedanken nach der Abfahrt schon fast wieder vergessen hatte standen wir am Col du Hundsrück dann genau vor diesem Problem. Auch hier wurde das Autorennen vorbereitet aber die Strecke war bereits gesperrt. Wir versicherten uns zunächst beim Renn-Chef, dass auf den nächsten Bergen kein Autorennen stattfand und nahmen dann eine ca. 10 Kilometer längere Umfahrung.

Danach folgte mit dem Ballon Alsace der erste lange Berg (621hm). Er kostete bei allen viele Körner so dass die Bäckerei in Giromagny gerade recht kam um neue Energie zu tanken. Gerade als wir wieder losfuhren setzte ein Gewitter mit Starkregen ein. Ruckzuck waren alle unter den Vordächern der nächstgelegenen Häuser verteilt und wir warteten bis der Regen nachließ.

Vogesen03

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Mit dem Ballon Servance (668hm) folgte danach der Höhepunkt der Strecke. Ein wahrlich traumhaftes Sträßlein führt auf ihn hinauf. Da (fast) autofrei herrschte eine sehr friedliche bzw. meditative Atmosphäre. Mit seiner sehr konstant hohen Steigung (geschätzt zwischen 10 und 12 %) war der Asntieg aber auch sehr hart. Die Abfahrt hatte es dann auch in sich, denn der Belag ist sehr wellig und bei manchen Wellen meinte man fast abzuheben. Unten angekommen erreichten wir das zauberhafte Land der 1000 Seen. Die sehr schöne Landschaft entschädigte etwas die Quälerei der letzten Stunden.

Nach einem Blick auf die Uhr war ich recht schockiert zu sehen, dass wir für die erste Hälfte der Strecke wohl knapp 10 Stunden brauchen würden. Ich konnte mich nicht daran erinnern auf einem Brevet mal so lange für 200 Kilometer gebraucht zu haben.

Weitere Wellen und Gegenwind machten uns zu schaffen so dass wir in Fougerolles erstmal in einem Döner-Imbiss was Warmes essen wollten. Es war unbeschreiblich wie wir alle platt waren und noch die Hälfte der Strecke vor uns sahen. Das war keine Routine das war ein kollektiver Ausnahmezustand!
Da ich kleidungstechnisch etwas falsch kalkuliert hatte lieh ich mir von einem Mitfahrer noch ein weiteres Unterziehhemd, welches er als Wechselkleidung mitgeführt hatte. Ich hatte nämlich schon die ganze Zeit leicht gefroren und Respekt vor der kommenden, vermutlich recht langen, Nachtfahrt.

Vor Remiremont war noch eine weiterer Berg zu überwinden der eigentlich recht klein war sich aber anfühlte wie ein großer. Wir warteten stets auf die langsamsten und blieben als Gruppe zusammen. Dann ging es leicht wellig weiter und es war bereits dunkel geworden. Es begann auch zu regnen und je nasser meine Handschuhe wurden, desto kälter und unbeweglicher wurden meine Finger. Auf der Abfahrt nach St. Die des Vosges konnte ich wegen den unbeweglichen Fingern nicht einmal mehr schalten.

In St. Die wartete mit dem Snack Ida ein weiterer Döner-Imbiss auf uns. Französische Döner-Imbisse sind einerseits sehr skurril und unbedingt sehenswert und können einem je nach Situation wie eine Oase in der Nacht erscheinen 😉

Nach diversem Süßkram und einem Tee fror ich nicht mehr so arg und als „Joker“ zog ich mir noch dünne Neopren Handschuhe an. Darin schwitzt man zwar etwas von innen aber die Finger bleiben zumindest schön warm und beweglich.

Scheinbar ließen es sich noch mehrere Randonneure nicht nehmen die Strecke trotz Absage für sich selbst zu fahren, denn unsere Gruppe wuchs auf über 15 Fahrer an. In dieser großen Gruppe war es nach der Weiterfahrt dann recht kurzweilig. Die Straßen waren trocken und ich spürte mal wieder so etwas wie „Fahrspass“ in mir. Der letzte Anstieg erwies sich als so was von flach, dass ich richtig überrascht war als wir am Schild der Passhöhe ankamen.

Unterwegs hatte ich noch gewitzelt, dass dies sicherlich noch nicht alle „Überraschungen“ auf dieser Tour waren, und ich sollte leider recht behalten. In der Abfahrt ins Rheintal rannten auf einmal drei aufgescheuchte Rehe in die Gruppe und ein Mitfahrer kam zu Sturz als er auf den stark bremsenden Vordermann auffuhr. Zum Glück waren die Sturzfolgen aber relativ glimpflich und wir konnten zügig weiterfahren.

Dagegen war der kräftige Gegenwind und der Regen im Rheintal schon fast so was wie Brevet-Routine. Das letzte Stück zog sich endlos lange dahin und raubte mir die letzten Energiereserven. Hatte ich letztes Jahr bei der Ankunft noch auf Wilde Kartoffeln gehofft so mussten wir dieses Mal darum bangen, dass der Augustiner noch für ein Bier geöffnet hatte.

Um kurz vor vier Uhr waren wir dann endlich wieder am Augustiner und wir bekamen tatsächlich auch noch ein Bier. Alle Anwesenden waren sich einig: Was für eine atemberaubend schöne und zur gleichen Zeit sehr heftige Strecke – Was für ein epischer Ritt bei widrigen Wetterbedingungen!

Nachdem der Augustiner seine Türen geschlossen hatte, ließen wir die Tour noch ganz gediegen in der gegenüber liegenden Tankstelle bei ein paar „Zäpfle“ ausklingen und begrüßten so den neuen Tag.

Aber leider wartete noch eine weitere üble Überraschung auf mich. Als ich meine Geldbörse, nach einem kurzen Schläfchen auf dem Campingplatz, aus meiner Lenkertasche holen wollte war sie nicht mehr dort. Ich hatte mir an der Tankstelle noch was zu essen gekauft und danach verlor sich jegliche Erinnerung was ich mit der Geldbörse gemacht hatte. Hatte ich sie einfach liegengelassen oder wurde sie geklaut? Als ich nochmals mit dem Auto an der Tankstelle war, war leider keine Geldbörse abgegeben worden. Es war zwar nicht mehr viel Geld darin aber dafür meine ganzen Papiere und Bankkarten. Zu meinem Glück hatte ich noch ein paar lose Geldscheine gefunden um meinen leeren Tank im Auto zu füllen und wieder nach Hause zu kommen.

Zu meiner großen Freude ist meine Geldbörse am Tag danach wieder aufgetaucht! Urban hatte sie „versehentlich“ an der Tankstelle eingesteckt.

Lieber Urban: Wie machst du das nur? Erst bastelst du diese wunderschöne Monster-Strecke zusammen die einen an die eigenen Grenzen und darüber hinaus bringt, danach verleitest du einen durch deine verschmitzte schwarzwälder Art zu ausgelassenem Biergenuss und zum Schluß steckst du noch meine Geldbörse ein. Und irgendwie bin ich dir am Ende sogar noch dankbar dafür, dass du die Routine meines Alltages so kräftig durcheinandergebracht hast. Und wegen der Sache mit der Geldbörse freue ich mich beim nächsten Brevet schon auf deine Einladung zu einigen Andechser Doppelbock 😉

Track:

Aufzeichnung:

Verfasst von: dawncycling | 16. April 2012

Belchenbrevet 2012

Bericht zum Belchen-Brevet (300km) am 14.04.2012

Nachdem ich den 200er Brevet auf Grund einer fiesen Virusattacke leider ausfallen lassen musste, war die Spannung und Vorfreude auf den 300er bei mir umso größer. Auch ohne die Absicht mich dieses Jahr für einen Superbrevet qualifizieren zu wollen gehören die Brevets im Frühjahr für mich zu den Highlights eines Jahres.

Die „Prüfung“ (Brevet = Prüfung) begann beim Belchenbrevet dieses Jahr schon vor dem eigentlichen Start. Der Wetterbericht sagte länger andauernden Regen und Temperaturen von unter 10° Grad voraus. Wenn man bei solchem Wetter mehrfach auf knapp 1000 Meter Höhe rauf fährt stellt das schon einen gewissen „Prüfungsstress“ an den Tagen davor dar. Trotzdem fanden sich geschätzte 60 Starter im Augustiner ein und erwiesen sich als der harte Kern der Freiburger Randonneure. Die letzten Prognosen versprachen immerhin einen trockenen Vormittag und der Himmel sah in Freiburg beim Start auch noch recht freundlich aus.

Am Start

Bei meiner dritten Befahrung dieser schönen Strecke kam schon so etwas wie Routine auf. Das Navi wurde kaum noch benötigt und die länge der Anstiege war zum Einteilen der Kräfte auch noch in Erinnerung. Wie bisher schon jedes Jahr erwiesen sich die Autofahrer auf dem Abschnitt zwischen Bad Säckingen und Sissach zu den nervigsten der ganzen Freiburger Serie. Auffällig häufiges hupen bzw. sehr dichtes überholen ist mir auf diesem, zum Glück relativ kurzen, Stück bisher jedes Jahr in Erinnerung geblieben. Eine richtige Wohltat war dagegen der Anstieg hinauf zum Bölchenhaus. Die Anspannung wanderte blitzschnell vom Kopf in die Beine und die Welt war wieder in Ordnung 😉

Aufstieg zum Belchen

Dieses Jahr verspürte ich keine Lust auf eine all zu große Hetzerei und hielt meinen Puls bergauf meistens im „Wohlfühlbereich“. Nach einem Teller Spaghetti im Bölchenhaus ging es zu fünft weiter. Es war zwar noch trocken, aber die Wolken wurden so langsam immer dichter.

Aufstieg zum Belchen

In der Abfahrt nach Moutier begann es dann das erste Mal leicht zu regnen. Zwei schweizer Mitfahrer, die von hinten auf uns aufrollten, empörten sich, dass sie die zweite Hälfte der Strecke jetzt im Regen fahren müssten. Ich hatte eine eher positive Sichtweise und war eigentlich froh, dass wir zumindest die erste Hälfte der Strecke trocken geblieben waren!

Im Anstieg nach Souboz, dem eigentlichen Highlight der gesamten Strecke, zerfiel das Fahrer-Feld in Kleinstgruppen bzw. Einzelfahrer. Ich machte mich nach der Kontrolle zusammen mit Tom und Tobias auf den Weg nach Delémont wo wir uns zunächst in einem Supermarkt mit Cola und Donuts versorgten. Es war eine sehr angenehme Gruppe und wir hatten eine prima Stimmung als es dann die letzten „Wellen“ durchs Sundgau ging.

Himmelsleiter 2012

Als wir im Rheintal unten ankamen konnte ich meine Finger nicht mehr wirklich bewegen, da meine Handschuhe inzwischen komplett nass waren und die Temperaturen die ganze Zeit bei ca. 6° Grad lagen. Ich hatte zum Glück noch trockene Handschuhe in der Lenkertasche und versuchte sie bei vollem Tempo zu wechseln. Dies gestaltete sich als etwas schwierig, da mir die trockenen Handschuhe etwas zu klein und nur schwer anzuziehen sind. Was für eine Wohltat als es mir schließlich gelang und meine Finger wieder warm und beweglich wurden.

Unsere Gruppe war inzwischen auf sieben Fahrer angewachsen und Walter motivierte uns im belgischen Kreisel zu fahren. Der Kreisel war zwar nicht wirklich schneller und auch nicht bei allen Fahrern harmonisch. Er hatte aber einen großen Vorteil: Man musste die ganze Zeit konzentriert fahren und dieses öde Stück Strecke verging so zumindest gefühlt etwas schneller. Ein böig-kühler Nordwind mit leichtem Regen wehte uns dabei die ganze Zeit ins Gesicht.

Nach der letzten Kontrolle steigerte sich der Regen noch etwas und spülte uns förmlich wieder nach Freiburg. Um 20:25 Uhr waren wir dann im Ziel und die Heiz-Pilze im Augustiner waren ein beliebter Unterstand. Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass die Wilden Kartoffeln im Ziel eine sehr leckere Sache sind?

Souboz im Regen

Zu meinem tiefsten Bedauern hab ich erfahren, dass einer der Mitfahrer auf dem letzten Stück nach Freiburg tödlich verunglückte. Eine Auto hatte ihn von hinten erfasst und er starb noch an der Unfallstelle. Mein Mitgefühl und meine Gedanken sind bei seinen Angehörigen.

Dieser Horrorunfall lässt mich innehalten und ich frage mich ob ich es gegenüber meiner Familie verantworten kann, dass ich mich diesem erhötem Risiko für die Ausführung meines Hobbies aussetze? Weiterhin stelle ich mir die Frage was man wohl tun kann um dieses Risiko weiter zu minimieren. Im Vergleich zu der technischen Entwicklung bei den Fahrrad Frontlampen hat sich in den letzten Jahren bei den Rückleuchten fast nichts getan. Ich werde hier wohl – und wenn es auch nur zu meiner eigenen Beruhigung dient – weiter aufrüsten und ggf. mit zwei Rückleuchten fahren.

 

Track:
GPSies - 300er Brevet Freiburg 2011

Aufzeichnung:

Verfasst von: dawncycling | 10. April 2012

Osterausflug zu den Hohloh-Gnomen

Inzwischen ist es schon zu einer kleinen liebgewonnenen Tradition geworden an Ostern eine (knackige) Radtour nach Kaltenbronn zu machen. Der Hohloh bzw. der Schwarmiss Pass gehören mit knapp 1000 Metern Höhe zu den höchstgelegenen Zielen im Nordschwarzwald. Bin ich die ersten Jahre mit dem Rennrad die „Kaltenbronner Wand“ im Morgengrauen hochgefahren, so hab ich letztes Jahr das erste Mal, das damals neue, MTB verwendet. Allerdings hatte ich damals aus Zeitmangel 8km vor dem Ziel wieder umdrehen müssen.

Dieses Jahr wollte ich den Hohlohturm aber auf jeden Fall mit dem MTB sehen und hab auch für den Rückweg eine andere Route als den Hinweg ausgearbeitet. Entgegen meiner Gewohnheit bin ich am Ostersamstag um kurz vor 7:00 Uhr erst nach dem Sonnenaufgang in Maulbronn gestartet. Da es bei uns vor dem Ostersonntag noch keine hartgekochten Ostereier gibt, musste mir dieses Jahr ein Honigbrötchen die notwendige Startenergie geben.

Die Strecke beginnt sehr wellig da zunächst einige Täler zu queren sind. Verglichen mit diesen Wellen ist der eigentliche Anstieg in den Schwarzwald richtig einfach zu fahren – niemals steil und schön gleichmässig. Das Wetter war eher trüb, kühl und leicht feucht. Bei solch „totem Wetter“ radle ich eigentlich ziemlich gerne da man da prima seine Gedanken ohne Ablenkungen schweifen lassen kann. Als kurz vor Dobel das erste mal leichter Schneegriesel vom Himmel fiel wurde dieser friedliche Zustand etwas gestört. Nach einer Weile hatte ich mich aber daran gewöhnt und begann sogar Gefallen an den surrealen Bildern vor meinen Augen zu finden. Kurz vor Kaltenbronn lockerte der Himmel dann etwas auf und einzelne Sonnenstrahlen verirrten sich durch die Schneegriesel-Wolken:

Schneegriesel vor Kaltenbronn

Falls es Gnome, Elfen und andere Fabelwesen gibt, so wird man sie ziemlich sicher rund um den Hohlohturm bei Kaltenbronn finden können. Dazu sollte man allerdings unbedingt die Straße verlassen und ihren Spuren in den Wald folgen.

Hohlohturm 2012

Nach dem Hohlohturm folgte ich deshalb den Gnom-Spuren zu einer beeindruckenden Hochmoor-Landschaft. Der Wildsee hinter Kaltenbronn ist der größte Hochmoorkolk Deutschlands und steht seit über 60 Jahren unter Naturschutz. Die Moorlandschaft wird von einem durch den Schwarzwaldverein angelegten Bohlenweg durchzogen (Länge 1,7 Kilometer). Die Bohlen sind nur am Anfang des Weges neu und wurden schon nach einem kurzen Stück extremst rutschig. Da zwischen den Bohlen auch immer wieder größere Lücken klafften, in die man leicht das Vorderrad „einfädeln“ konnte, kann es nur an der Gunst der Gnome gelgen haben, dass ich da ohne Sturz drüber fahren konnte. Bei feuchter Witterung oder bei vielen Fußgängern sollte man den Bohlenweg besser nicht mit dem Rad befahren. Ob mit oder ohne Rad ist dies auf jeden Fall ein sehr lohnendes Ausflugsziel!

Steg über den Wildsee

Der Rückweg war verglichen mit diesen intensiven Eindrücken am Hohlohturm eher ereignislos. Ich freute mich an dem einen oder anderen schönen Trail den ich unwissentlich mittels der Routingfunktion dieses Dienstes vorher am PC bei der Streckenplanung eingebaut hatte. Gegen Ende verzehrte das wellige Gelände meine restliche Energie und ich kam kaputt aber zufrieden wieder in Maulbronn an.

Pünktlich zu diesem Osterausflug hatte ich zwei neue Taschen von Eric aus Alaska erhalten: Einen „Gas Tank“ und einen „Mountain Feedback“. Beide Taschen sind der Hammer! Den Feedback hatte ich mit einer Packung Studentenfutter gefüllt und konnte so jederzeit ein paar Nüsse essen. Zusammen mit meinem selbstgebauten 1,5 Liter „Sugar Tank“ am Rad hat die Ernährung so gut funktioniert, dass ich erst nach der Tour bemerkt habe, dass ich ganz vergessen hatte eine Pause zu machen 😉

HOHLOH01

HOHLOH02

Track:

Aufzeichnung:

Verfasst von: dawncycling | 4. Februar 2012

Eiszeit

Die Medien haben zur Zeit fast kein anderes Thema als das Kältehoch „Cooper“. Man fragt sich fast ob die Zeitungen wohl leer wären, wenn es wärmer wär 😉

Schon lange hatte ich geplant an diesem Wochenende zum Project Pitchfork Konzert nach Karlsruhe zu radeln und mich mit zwei alten Freunden zu treffen. Also hab ich die Gelegenheit genützt um Fahrer und Material einem Kältetest zu unterziehen.

Freitag ging es Nachmittags zur wärmsten Zeit des Tages bei -5° Grad und schönstem Sonnenschein mit dem gepacktem Rad los.

Ich hatte mir extra vorher noch Bar Mitts bestellt, da die Hände bei mir in der Vergangenheit immer unbefriedigend warm gehalten wurden und ich am Ende immer steife Finger hatte. Die Bar Mitts sind aus dickem Neopren und sind in Sekunden montiert. An den Händen hatte ich dann noch leichte Winterhandschuhe (Assos Early Winter). An den Füßen hatte ich MTB Schuhe (Shimano SH-MT91) mit MyCoal Zehenwärmer. Da ich wegen den Zehenwärmer schon mal fast Brandblasen an den Füßen hatte, hab ich sie unter die Einlegesohle geklebt.

Nach der ersten Stunde hatte ich mich halbwegs an die Temperatur gewöhnt. Die Finger waren dermassen warm dass sie sogar ein wenig in den Bar Mitts schwitzte. Als ich das Rheintal in der Abenddämmerung erreichte fiel die Temperatur drastisch ab und die Finger wurden jetzt doch etwas steif und auch die Zehen wurden leicht taub. Ein warmer Tee und eine heiße Suppe brachten nach 78 KM wieder alle Körperteile auf Normaltemperatur.

Am Abend rockten die Pitchies das Substage und ich hatte eine schöne Zeit mit meinen Freunden!

Zum Glück hatte mein Freund Udo, bei dem ich übernachtet habe, kein Aussenthermometer. Ich weiß nicht ob ich mich sonst am Samstag um 8:30 Uhr wieder aufs Rad gesetzt hätte. Ich habe den Materialeinsatz im Gegensatz zur Anreise weiter erhöht: Statt einem Unterhemd hatte ich nun drei an und an den Händen hatte ich die wärmeren Röckl Handschuhe an. Die Zehenwärmer klebte ich dieses Mal oben auf die Einlegesohle.

Temperaturen unter -10° Grad haben schon was unheimliches und respekteinflößendes aber ich kam ganz gut auf Betriebstemperatur und wagte es sogar das erste mal dieses Jahr den Nordschwarzwald zu „streicheln“. Dort war es in den Tälern noch mal deutlich kälter, so dass mir sogar die feuchte Atem-Luft auf der Brille festfrohr.

Wenn ich Produkttester wäre würden die Bar Mitts von mir 10 von 10 Punkten erhalten! Sie sind so einfach zu handhaben und erzeugen ca. 10° Gard zusätzliche Wärme. Bis 0° Grad soll man laut diesem Testbericht sogar ohne Handschuhe fahren können. Ich hatte auf der Rückfahrt dank der dickeren Handschuhe keine steifen Finger und auch die Zehenwärmer funktionierten diesesmal besser. Meine Betriebstemperatur konnte ich überraschend die ganzen vier Stunden halten, war aber trotzdem froh als ich nach 92 KM wieder zu Hause war. Das Aussenthermometer zeigte zu diesem Zeitpunkt immer noch -7,5° Grad und daher wird die Durchschnittstemperatur der Tour wohl bei -10° Grad gelegen haben.

Fazit: Man kann mit dem richtigen Material und genügend Kleidungslagen auch bei -10° Grad länger radeln. Aber der Spaßfaktor ist dabei nicht wirklich vorhanden. Ich hab das mehr aus Abenteuerlust und Neugier gemacht. Als Dauerlösung werde ich bei solchen Temperaturen weiterhin den Ergometer vorziehen.

Hinweg:

Rückweg:

Verfasst von: dawncycling | 26. August 2011

Broken Dreams

Bericht zu Paris-Brest-Paris 2011

PBP ist das „Cœur de Randonnée“ welches mich 2007 so fasziniert hat, dass ich 2008 mit dem Brevet fahren angefangen habe. Nun vier Jahre später bin ich tatsächlich selbst dabei. Und die Veranstaltung ist real noch faszinierender als ich sie mir vorgestellt hatte. Am Samstag beim Bike-Check bekam man einen ersten Eindruck der internationalen Atmosphäre und der Dimension des Events. Auf unserem Campingplatz in Versailles war über die Hälfte der Plätze an Randonneure vergeben und es lag eine deutliche Anspannung in der Luft. Viele schraubten noch an ihren Rädern rum oder drehten eine letzte Trainingsrunde.

Ich hatte mich für die 80 Stunden Gruppe angemeldet und meine Startzeit war Sonntags um 16:00 Uhr. Da die 1200 Starter dieser Gruppe in 400er Gruppen mit ca. 20 Minuten Zeitversatz gestartet werden sollte stellte sich mir die Frage, wann ich mich denn für den Start aufstellen sollte. Da ich Lust darauf hatte mit der ersten Gruppe loszufahren und es ja egal ist ob man auf dem Campingplatz oder in der Start-Warteschlange wartet reihte ich mich schon um 13:00 Uhr ein. Mein Freund Stefan war auch schon da. Es war 34° Grad heiß und wer clever war hatte sich eine zusätzliche Trinkflasche für die Wartezeit mitgebracht. Gegen 15:30 Uhr standen wir dann vor der Startlinie umsäumt von unzähligen Zuschauern.

Nach dem, um ein paar Minuten verzögerten, Start ging es gleich richtig flott los. Dass die ersten Kilometer wie bei einem kurzen Radrennen gefahren werden hatte ich schon zuvor gelesen, dass wir aber gleich mit 40km/h losfuhren überraschte mich doch. Nach drei Stunden in der Sonne rumstehen hatte ich meine Schwierigkeiten mit diesem Tempo. Nach einer Weile hatte ich aber meinen Rhythmus gefunden. Da der Wind von rechts vorne kam und jeder nur Windschatten lutschen wollte befand sich das Feld oft komplett auf der linken Straßenseite. Die Begleit-Motorräder scheuchten die Fahrer immer wieder auf die rechte Straßenseite zurück. Ich hatte kein Bock auf dieses doofe Spiel und fuhr deshalb lieber demonstrativ am rechten Straßenrand im Wind.

Die mit 140km längste Etappe zur ersten Verpflegungsstelle lies bei allen die Getränkevorräte zur Neige gehen. Die Franzosen riefen immer wieder „Eau, eau, eau“ wenn man Straßenrand Leute standen und hofften eine Flasche Wasser abgreifen zu können. Auch mein Vorrat an 3 Litern im Camelbak und 1 Liter in der Trinkflasche, welche eigentlich für 200km geplant waren, waren am Ende restlos leer.

Nach dem Auffüllen ging es auch schon gleich weiter. Eine Weile fuhr ich mit einer sehr angenehm fahrenden Gruppe Dänen. Wir kreiselten zusammen im belgischen Kreisel durch die beginnende Nacht. Immer wieder holten wir andere ein und so wurde unsere Gruppe immer größer. An die meisten Details der Nacht kann ich mich nicht mehr richtig erinnern. Ich war aber stets mit größeren recht flotten Gruppen unterwegs. Am Morgen in Loudéac freute ich mich sehr Stefans Rad an der Kontrolle zu sehen. Und tatsächlich traf ich ihn dann auch noch beim Essen an. Gemeinsam machten wir uns wieder auf den Weg. Es begann dann etwa für eine Stunde etwas zu regnen, was aber nicht weiter störte.

Nach der Kontrolle in Carhaix erklommen wir gemeinsam den Roc’h Trévezel. Das Tempo war recht gemütlich denn wir merkten die flotten 500km schon etwas in den Beinen. Dass es sich nach der Abfahrt noch ca. zwei Stunden bis Brest hinzieht war mir aus diversen Berichten bekannt und so war ich darauf vorbereitet. Irgendwann fuhr uns die dänische Gruppe auf. Auch ihnen waren die gefahrenen Kilometer anzumerken aber sie fuhren immer noch sehr schön gleichmäßig. Die Brücke vor Brest erreichten wir kurz vor 15:00 Uhr. Das war über eine halbe Stunde schneller als ich mir in meiner, eh sehr optimistisch gehaltenen, Marschtabelle vorgesehen hatte.

Am Anstieg zur Kontrolle nach Brest zeichneten sich das erste Mal Probleme bei mir ab. Ich fühlte mich platt und konnte den anderen nicht mehr folgen. Mein Kreislauf war im Keller und ich musste mich in der Verpflegungsstelle erst mal fünf Minuten auf den Boden legen. Als wir uns was Warmes zu essen holten war mir in der Warteschlange so schwach und schwindelig, dass ich mich fast nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Nach etwas Reis und Nudeln legte ich mich nochmal fünf Minuten auf den Boden. Nach einer Weile sammelte ich meine Gedanken und motivierte mich für die Weiterfahrt.

So ging es mit Stefan wieder zurück in Richtung Paris. Doch ich war immer noch völlig im Eimer. Mein sonst hervorragend arbeitender Dieselantrieb war nicht wiederzuerkennen. An den kleinsten Steigungen pochte mein Herz so deutlich spürbar, als wolle es herausspringen. Und meine Atmung war kurzatmig wie bei einem Fisch auf dem Trockenen. Ich fuhr ab sofort vor Stefan her, in dem Tempo, welches ich gerade noch fahren konnte. Ich musste aber sobald es nur ein wenig steiler wurde auch immer mal kurz anhalten um durchzuatmen. Nun war es an der Zeit sich eine Krisen-Strategie zurechtzulegen. Als einzige Lösung erschien mir ein paar Stunden zu schlafen. Umdrehen nach Brest war ausgeschlossen. Die Variante mit dem Biwaksack im Wald zu schlafen bestand ebenso wie ein Hotel zu suchen. Wir entschieden uns aber es bis zur nächsten Kontrolle in Carhaix zu schaffen und dort zu schlafen.

Ich konnte meinen Zustand nicht einordnen und hatte so was noch auf keinem anderen Brevet erlebt. Die einzige Erklärung schien mir die erste Hälfte der Strecke doch zu schnell angegangen zu sein. Zu wenig gegessen zu haben konnte ich mir nicht vorstellen, da ich schon deutlich mehr Carbo-Pulver getrunken hatte als vorgesehen. Außerdem hatte ich auch unterwegs immer wieder was gegessen. Trotzdem versuchte ich mit einem Gel und vielem Trinken aus dem Camelbak weitere Energie aufzunehmen.

Vor dem Anstieg zum Roc’h Trévezel hatte ich auch noch einen Platten. Wenn es mal dick kommt, dann richtig. Mein lieber Freund Stefan wechselte mir den Schlauch und ich sollte mich ausruhen. Den Anstieg schaffte ich dann mit einigen weiteren Verschnaufpausen. Kurz vor dem Gipfel begann es zu regnen. Auf einmal fuhr Stefan an mir vorbei und schaute mich an. Er meinte er wollte auch mal mein Gesicht sehen, weil mich alle Zuschauer an der Strecke so entsetzt anstarren würden!

Auf der Abfahrt wurde mir dann durch den Regen noch richtig kalt, die Müdigkeit setzte das erste Mal ein und leicht schwindelig wurde mir auch noch. Also anstatt das sich die Lage zumindetstens ein klein wenig stabilisieren würde, geriet sie nun völlig außer Kontrolle. Ich konnte mich nicht daran erinnern schon mal so auf dem Rad gelitten zu haben. Ich hatte für mich die Grenze des Erträglichen überschritten und befand mich nun in einer Art Überlebensmodus. Mir war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass hier auch keine drei Stunden Schlaf mehr was ändern könnten und mein Entschluss in Carhaix aufzuhören stand quasi fest. Wenn es nur noch 100km bis Paris wären hätte die Sache eventuell anders ausgesehen, aber ich hatte ja noch über 500km zu fahren.

Die Strecke wurde wieder hügeliger und Carhaix schien einfach nicht näher zu kommen. Alleine am letzten Anstieg zur Kontrolle (~70hm) musste ich noch mindestens drei Verschnaufpausen einlegen. Als ich dann endlich an der Kontrolle war, schloss ich mein Rad an und machte beide Taschen ab. Schließlich richtete ich mich auf einen längeren Aufenthalt ein. Nach dem Abstempeln zog ich meine Radschuhe aus und legte ich mich an der erstbesten Ecke im Verpflegungsraum auf den Fußboden. Zum ersten Mal kam mein Mini-Biwaksack, den ich mir noch vor PBP gekauft hatte, zum Einsatz. Mir wurde schön warm und so schlief ich erst mal.

Als ich wieder wach wurde kamen gerade einige andere Freiburger Randonneure aus der 84 Stunden Gruppe an. Meine Aussage, dass ich aussteigen wollte führte zu Verwunderung. Mir war es aber auch nicht möglich gewesen, die letzten 85km verbal zu beschreiben noch konnte ich eine passende Erklärung dafür liefern. Alle wohlgemeinten Worte konnten keine Änderung meiner Entscheidung mehr herbeiführen. Denn schon auf den paar Schritten zum Klo spürte ich mein pochendes Herz und meine Kurzatmigkeit wieder.

In der Nacht fuhr Stefan dann alleine weiter. Ich wusste nicht, was ich ohne ihn auf der letzten Etappe gemacht hätte. Ich gab ihm noch meinen restlichen Vorrat an Carbo-Pulver mit auf den Weg. Ich legte mich dann in ein ruhigeres Nebenzimmer und schlief nochmal etwas. Noch bevor es hell wurde gab ich meine Stempelkarte ab um die Entscheidung unumkehrbar zu machen.

Bei der ersten Helligkeit fuhr ich den letzten Kilometer zum Bahnhof. Und da merkte ich das erste Mal, dass ich starke Sitzbeschwerden hatte und fuhr komplett im Stehen. Am Bahnhof musste ich dann noch eine Radtasche kaufen und das Rad darin verpacken. Denn im TGV dürfen wie im ICE keine Räder transportiert werden. Diese demütigende Handlung mussten bis zur Abfahrt des Zuges sechs weitere Radler vollziehen. Die Rückfahrt im TGV war wegen sehr vielen Passagieren recht stressig aber zum Glück auch recht zügig.

Als ich dann wieder am Campingplatz angekommen war, konnte ich erstmals den Grund meines Leistungs-Einbruches rekonstruieren. Unter der Dusche stellte ich fest, dass ich einen großen eitrigen Abszess am Hintern hatte. Ich hatte zwar vor dem Start noch geduscht, aber irgendwie haben sich da Bakterien in meiner Hose gesammelt die ich 600km plattgeritten habe.

Dadurch waren auch endlich meine Symptome erklärbar. Mein Körper ist vor Brest dazu übergegangen die eitrige Entzündung zu bekämpfen und dafür alle Energie zu verwenden! Deshalb blieb zum Radfahren nix mehr davon übrig. Da mir bisher nach 600km immer der Hintern wehgetan hat, hab ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gespürt, dass es stärkere Sitzbeschwerden als sonst sind.

Zunächst war ich sehr froh, dass ich die Signale meines Körpers richtig erkannt und die einzig richtige Entscheidung gefällt hatte. Ich will nicht wissen wie das ausgesehen hätte, wenn ich weitergefahren wäre. Erst die folgenden Tage machte sich eine tiefe Traurigkeit breit meinen Traum nicht erreicht zu haben.

Fazit: Wie schon länger bekannt und befürchtet sind (eitrige) Sitzprobleme meine persönliche Schwachstelle beim Lanstreckenradeln. Mit dem Luftsattel hab ich zwar schon das meiste in den Griff bekommen. Aber man lernt ja nie aus und so bin ich nun über eine schmerzhafte Erfahrung reicher. Dass dies ausgerechnet bei PBP war macht mich schon traurig. Zukünftig werde ich wohl Feuchttücher oder ähnliches mitnehmen und mich alle 200km im Sitzbereich reinigen. Ein anderer Tipp war mal eine Hose OHNE Polster zu testen. Denn das Polster saugt sich mit der Zeit voller Bakterien. Es gibt also genug auszuprobieren in den vier Jahren bis zum nächsten PBP. Auf den ersten 600km hatte ich trotzdem viel Spaß gehabt und konnte das Ereignis PBP genießen.

Aufzeichnung:

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