Verfasst von: dawncycling | 2. Juli 2016

Hagel, Rotlicht & Männer in Müllsäcken

Bericht zur SUPER RANDONNÉE PREALPINA
25.6.-26.6.2016

Superrandonnée?

Eine Superrandonnée ist eine spezielle Form von einem Langstreckenbrevet mit eigenen Regeln. Um als Superrandonnée zu gelten, muss eine Strecke 600 Kilometer aufweisen und dabei mindestens 10 000 Höhenmeter beinhalten. Die Zeitvorgabe richtet sich nach den Höhenmetern – die Prealpina mit 618 Kilometern und 12 674 Höhenmetern ist bei der Randonneurs-Version in einer Zeit von maximal 55 Stunden zu bewältigen. Superrandonnées werden nicht als Brevets, sondern als Permanente angeboten. Der Nachweis der Streckenabsolvierung erfolgt nicht wie sonst üblich durch Stempel in die Brevetkarte, sondern durch Gipfel-Fotos an markanten Punkten, die genau vorgegeben sind.

Meiner Meinung nach stellen die Superrandonnées die Königsdisziplin des Langstreckenradelns dar, da man neben ausreichender körperlicher Fitness auch sehr viel gesammelte Erfahrung auf der Langstrecke mitbringen sollte, um diese Herausforderung erfolgreich zu absolvieren. Unterwegs ist man komplett autark und muss alle auftretenden Schwierigkeiten selbst bewältigen – ohne Netz und doppelten Boden.

Wenn man als Randonneur zu den „Schwerstabhängigen“ unter den Radfahrern gehört, dann sind die Superrandonnées der richtig harte „Stoff“ der besonders heftig reinknallt!

Profile

Die Planung

Schon kurz nachdem ich im Internet über die Seite der SR Prealpina gestolpert war, stand für mich fest, dass ich diese Strecke unbedingt fahren möchte. Durch etliche Urlaube am Lago Maggiore kannte ich die Gegend schon ein wenig und war von der Schönheit der Landschaft dort stets begeistert.

Um den finanziellen Overhead für diese Aktion (Anfahrt, Übernachtung, etc.) in Grenzen zu halten, suchte ich schon frühzeitig nach Mitfahrern. Nach einigem hin und her waren dann schlussendlich meine Begleiter gefunden: Der Superrandonnée Nimmersatte Tobias – er ist die „Belchen Satt“ SR schon vier Mal gefahren. Mit ihm bin ich letztes Jahr bei PBP den Großteil gemeinsam gefahren. Und Marco, der wohl zum Radfahren geboren wurde (Born2Bike). Er war bei PBP 2015 mit ~47h der drittschnellste deutsche Teilnehmer gewesen.

Als Termin wählte ich ein Wochenende dicht an der Sommer-Sonnenwende, um möglichst wenig in der Dunkelheit unterwegs sein zu müssen. Mit der Startzeit um 5:00 Uhr Morgens und unserem selbst gesteckten Ziel die Strecke unter 40 Stunden zu bewältigen käme man also mit nur einer einzigen kurzen Nachtfahrt aus.

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Der lockere Anfang

Um Punkt 5:00 Uhr waren wir mit „German Pünktlichkeit“ zum Start an der Piazza Mazzini in Castano Primo erschienen. Auch Fulvio, der Organisator der Superrandonnée, war schon da und machte das erste Kontrollfoto von uns dreien. Er erklärte uns noch, dass auf dem ersten Abschnitt eine Brücke abgerissen wurde und wie wir diese umfahren können.

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Die Strecke beginnt mit einem angenehm flachen Einrollen in direkter Richtung auf die Berge zu. Und auch die ersten fünf Anstiege weisen noch keine fiesen Steilstücke auf.

Da wir alle erfahrenen Langstreckenradler sind, verabredeten wir schon im Vorfeld, dass es keine festen Verabredungen für eine gemeinsame Gruppenfahrt gibt. Lediglich bis zum ersten Kontrollfoto wollten wir auf jeden Fall zusammen bleiben. Alles andere sollte sich nach dem Motto „alles kann – nichts muss“ ergeben. Bei so einem Vorhaben ist es sehr wichtig seinen eigenen Rhythmus zu finden und sich durch Verabredungen nicht gehetzt oder gebremst zu fühlen.

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Die Dramaturgie beginnt

Die Wetteraussichten sahen im Vorfeld gar nicht so schlecht aus. Am ersten Tag sollte es (mit einer geringen Wahrscheinlichkeit) etwas regnen, aber die Temperaturen sollten stets im angenehmen Bereich bleiben. Und für den zweiten Tag sollte es weitestgehend trocken bleiben. Als wir morgens vor dem Start aufwachten, bemerkten wir in der Ferne Blitze und hatten auf dem Regenradar gesehen, dass ein Gewittergebiet über unsere Strecke zog. Unterwegs sahen wir durch umgestürzte Bäume und Äste auf der Straße dann auch wie wild das Gewitter gewesen sein musste. Aber wir waren noch guten Mutes, dass wir von sowas verschont bleiben und zwischen den Wolken durchfahren könnten.

Den zweiten (längeren) Anstieg aus Biella raus zum Bielmonte begann ich noch mit Marco. Tobias fuhr etwas zurückhaltender. Wie Tobias mir später mitteilte, brauche ich wohl immer zu Anfang eine Phase des Austobens bevor ich „zur Vernunft komme“ – er mag dabei schon etwas Recht haben…

Als dann entgegenkommende Autofahrer mit der Lichthupe und entgegenkommende Radfahrer mit wilden Gesten uns zu verstehen geben wollten, dass wir umkehren sollten, bemerkten wir die Unwetterwand die sich direkt vor uns aufbaute. Aber da wir ja eine Mission zu erfüllen hatten, wurde dies nicht mal in Gedanken in Betracht gezogen!

Kurz darauf begann es dann auch schon zu regnen und wir stoppten um die Regenkleidung anzuziehen. Wegen der recht ordentlichen Vorhersagen hatte ich nur eine Regenjacke dabei. Marco hatte noch ein kurze Regenhose mit, um die ich ihn diesem Moment etwas beneidet habe. Sie mitzunehmen hätte kaum Zusatzgewicht bedeutet. Der „Matarialpoker“ ist bei einer Langstrecke immer eine spannende Sache. Ach ja, Tobias hatte gar keine Regenkleidung dabei ツ

Der Regen steigerte recht schnell seine Intensität und die ersten Sturzbäche flossen über die Straße. Weiter oben kam dann noch (etwas) Hagel hinzu. Nach dem Kontrollfoto bemerkten wir dann aber, dass wir nochmal glimpflich davongekommen waren. Denn auf der Abfahrt war die Straße teilweise komplett mit kirschkerngroßen Hagelkörnern bedeckt bzw. vereist. Weil auch sehr viele Steine und Geröll auf die Straße gespült wurden, war die Abfahrt extrem bescheiden zu fahren. Als bekennendes Abfahrtsweichei also genau mein Ding ツ

Unten in Coggiola war die Lage dann noch etwas wilder. Zuerst hatte ein Erdrutsch die Straße auf ca. 50 Metern mit Erde und Geröll bedeckt und weiter unten dann musste ich durch einen 25cm tiefen „See“ auf einer Brücke fahren.

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Nur höhere Gewalt kann uns stoppen

Nachdem ich wieder auf Marco aufgefahren war, begannen wir unmittelbar mit dem Aufstieg zur Alpe Noveis. Doch schon bald darauf stoppte uns ein Auto, um uns zur Umkehr zu bewegen, da die Auffahrt den kompletten Tag wegen einer Auto-Rallye gesperrt sein sollte. Was für ein Mist! Erstmal ließen wir uns davon nicht stoppen sondern fuhren weiter. Doch schon bald kamen die nächsten Ordnungskräfte. Wir versuchten mit Händen und Füssen unser Anliegen klar zu machen. Wir konnten kein italienisch und die kein englisch. Ich fragte nach Wanderwegen etc. um einen Ausweg zu finden und nicht wegen so einem Mist zu scheitern. Wir verständigten uns dann darauf die Räder zu schieben und bei allen kommenden Autos die Straße zu räumen.

Als wir nur noch ca. 2 KM vom Gipfel entfernt waren kam uns Stefano entgegen. Er war auch Teilnehmer Superrandonnée und ca. sieben Stunden vor uns gestartet. Er konnte gut Englisch und erklärte uns, dass oben kein Durchkommen war. Er hatte mit Fulvio telefoniert und sich mit ihm verständigt, dass wir diesen Anstieg umfahren sollten.

Zurück im Tal in Coggiola telefonierte Stefano erneut mit Fulvio und wir warteten, bis Tobias auftauchte. Wenn er alleine in diese Situation gefahren wäre, hätte er nicht die ganzen Infos, die wir schon hatten. Und er kam dann auch schon bald angefahren und wir erzählten ihm alles.

Zum Glück war die Alpe Noveis kein Pass in ein anderes Tal und ließ sich sehr einfach umfahren! An den nächsten Anstiegen konnte ich Marcos Tempo nicht mehr halten und fuhr alleine meinen Rhythmus weiter. Der Regen hatte aufgehört und die Anstiege ließen sich flüssig treten.

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In Omegna nach 210 KM hatte ich eine Pause geplant um was Richtiges zu essen. Bei einem Chinesen wurde ich fündig und kurz nachdem ich mein Rad abgestellt hatte, begann es wieder zu regnen. Das war wirklich ein optimales Timing bei einem Teller Nudeln einen Schauer auszusitzen.

Als ich noch etwas aus meinen Radtaschen holte, kam dann Tobias angefahren. Er hatte nicht ganz so viel Glück mit dem Regen-Timing und war nochmals nass geworden. Er gesellte sich zu mir und bestellte auch einen Teller Nudeln.

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Es wird steiler

Nach der Pause war der Regen für diesen Tag vorüber und die Sonne kam warm und kräftig zum Vorschein. Mit dem Anstieg zum Mottarone waren aber auch die einfachen Anstiege vorüber und es wurde steiler. Unrhythmisch aber mit traumhaft schönen Aussichten ging es lang nach oben.

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Auch der nächste Anstieg nach Piancavallo war endlos lang, steil und unrhythmisch. Wir waren inzwischen beide etwas angeschlagen und es lief nicht mehr rund. Ich bin den ganzen Tag über nicht in ein richtiges Flow-Gefühl gekommen und trat ziemlich stupide und gequält vor mich hin.

Oben kurz hinter Piancavallo war dann eine sehr skurrile riesengroße Klinik mitten im Wald. Nur durch steile kleine Sträßlein erreichbar, wirkte das Ganze etwas deplatziert und recht unheimlich wie aus dem Horror Film Shining.

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In der Abfahrt enthält der offizielle Track einen Fehler und will uns auf einem Wanderweg weiter nach unten führen. Wir nahmen die Straße, was mit einem doofen Gegenanstieg „belohnt“ wurde.

Unten am Lago Maggiore wollten wir dann vor der bevorstehenden Nacht nochmal was essen und fanden im Touri-Örtchen Cannobio eine geeignete Pizzeria an der Uferpromenade.

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Plötzlich gingen die Lichter aus (bzw. nicht an ツ)

Der Versuch meine Lupine Piko nach dem Essen an den Akku anzuschließen (tagsüber hatte ich mit dem Akku mein Handy geladen) endete in einer akuten Schockstarre! Denn statt zu leuchten blinkte sie nur jämmerlich einen Error-Code und ging wieder aus. Wir versuchten es zunächst mit dem Akku von Tobias aber auch damit das gleiche Blinken. Bei der weiteren Untersuchung fiel mir Wasser hinter der Scheibe auf. Sie war also während des Unwetters einfach abgesoffen. Was ein Epic Fail für eine Lampe dieser Preisklasse! Und da ich mich komplett auf die Qualität der Lupine verlassen hatte, war natürlich keine Ersatz-Frontbeleuchtung in meinem Gepäck.

Nun ist es gar nicht so einfach in einem erschöpften und müden Zustand vernünftige Entscheidungen zu treffen. Wäre ich alleine gewesen wäre mir nur eine Hotelübernachtung bis zum Sonnenaufgang übrig geblieben. Da aber Tobias bei mir war, suchten wir gemeinsam nach einer Lösung.

Da ich aber zu mindestens zwei Rücklichter dabei hatte, schmiedeten wir den Plan, dass ich das Lupine Rotlicht, was sich recht hell stellen lässt, als Frontlicht verwende. Der nächste Anstieg war einer der einfachsten der ganzen Strecke. Vor allem die Abfahrt war nicht steil und sollte so einigermaßen zu bewältigen sein. Wir wollten uns so bis unserem „Depot“ bei KM 370 durchschlagen und dort ein wenig schlafen. Danach wollten wir noch im Dunkeln den Aufstieg zur Alpe di Neggia angehen um dann zum Sonnenaufgang oben zu sein und die Abfahrt im Hellen fahren zu können.

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Eigentlich funktionierte der Plan ganz gut, wenn ich nicht so müde gewesen wäre und Probleme hatte dicht bei Tobias zu bleiben. In der Abfahrt reichte das Rücklicht nämlich nicht für eine sichere Fahrt bei höherem Tempo aus. So entschieden wir uns in der Abfahrt nach Locarno einen kurzen Stopp einzulegen um mal die Augen zu schließen. Und in der Tat helfen in solchen Momenten fünf Minuten mit geschlossenen Augen aus um wieder konzentriert fahren zu können. So erreichten wir dann ohne weitere Probleme Locarno und dann so gegen 1:00 Uhr unser „Depot“ auf der anderen Seite des Sees.

Männer in Müllsäcken

Unser „Depot“ hatten wir in der ersten Kehre des Anstieges zur Alpe di Neggia während unserer Anreise mit dem Auto eingerichtet. Jeder hatte sich Verpflegung und Ersatzteile seiner Wahl in einen Müllsack gepackt. Diese Müllsäcke haben wir dann dort versteckt.

Die Nacht war mit ~19 Grad zwar halbwegs warm, doch friert man in einem erschöpften und durchgeschwitzten Zustand sehr schnell, wenn man auf dem blanken Asphalt liegt. Daher entleerten wir unsere Verpflegungs-Müllsäcke, um darin zu mindestens etwas Wärme zu finden. Es glich einer unlösbaren Aufgabe einen 180cm Mann in einen 120l Müllsack zu falten. Und so lagen wir da auf dem Parkplatz in der ersten Kehre zur Alpe di Neggia und versuchten leicht bibbernd zu schlafen. Ein vorbeifahrendes Auto machte, nachdem es uns entdeckte, auch sofort kehrt um nach dem Rechten zu sehen. Scheinbar hatte der Fahrer noch nie in Müllsäcken schlafende Radfahrer gesehen. Ich winkte ihm, dass alles in Ordnung war und er zog von dannen.

Wie es dann möglich war, in diesem Zustand fast zwei Stunden zu schlafen, ist mir im Nachhinein ein großes Rätsel, aber ich musste Tobias um 3:00 Uhr daran erinnern, dass wir weiter wollten. Also schnell noch die letzten Leckereien aus dem Vorräten gefrühstückt und dann ging es auch schon wieder bergauf.

Die Alpe di Neggia ist von den Steigungsprozenten und von der Länge her einer der härtesten Brocken der Strecke. Aber da die Steigung die ganze Zeit nahezu konstant ist, war sie viel angenehmer zu fahren als befürchtet.

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Nach dem Lampenausfall war ich moralisch leicht durch den Wind. Und es kamen immer weitere Nadelstiche in der Gestalt von seltsamen Gemeinheiten hinzu. Da war die Flasche Fresubin, die ich an meinen Rahmen geklebt hatte und die plötzlich nicht mehr ganz dicht war. Alles war dann extrem klebrig und roch nach Waldbeeren. Dann hatte sich in Locarno meine Kette dermaßen in den Umwerfer verwickelt, dass ich befürchten musste sie nicht mehr frei zu bekommen. Als ich mich dann im Anstieg zur Alpe di Neggia in einer Kehre beim „in den Wald kacken“ noch in Brennnesseln setzte, witterte ich so langsam eine ziemlich üble Verschwörung von finsteren Mächten ツ

In dem frühmorgendlichen Delirium haben Tobias und ich uns auch noch aus den Augen verloren. Keiner wusste, ob der andere vor oder hinter einem war. In den Abfahrten ist es mit der Müdigkeit immer am Schlimmsten, da dort der Puls in den Keller fährt. Und so musste ich in der Abfahrt von der Alpe di Neggia nochmals einen kurzen Powernap machen, um nicht unkonzentriert im Graben zu landen. Unten am See traf ich dann zum Glück bald wieder auf Tobias.

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Plötzlich war die Luft raus

Die finsteren Mächte versuchten weiter mich vom Erreichen meines Ziels abzuhalten. Dieses Mal in der Form eines platten Hinterreifens. Aber es war nicht nur ein einfacher Platten, sondern der Mantel war aufgeschlitzt und der Schlauch schaute raus. Alles andere wäre für diese Tour auch nicht angemessen gewesen ツ

Was ein Glück, dass ich seit den Erlebnissen beim diesjährigen 200er Brevet Mantelflicken von ParkTool mit mir führe. Und so ließen sich die Finsterlinge auch ein weiteres Mal vertreiben und es ging mit frischer Luft weiter!

Gegen 10:00 Uhr vor dem Aufstieg nach Lanzo d’Intelvi hatten wir schon wieder Hunger und fanden ein Bistro wo wir Lasagne bekamen. Erneut regnete es, während wir Pause machten und im Trockenen futterten.

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Nur nicht unterkriegen lassen

Nach der Pause lief es bei mir so langsam wieder besser. Die Müdigkeit war weg und die Sonne machte das Fahren recht angenehm. Körperlich war bei mir alles so weit im Lot. Unsere Bergauffahrten waren zwar keine Glanzstücke mehr, aber für ~500 KM in den Beinen lief der Dieselantrieb noch ganz flüssig.

Unsere Laune wurde von der Aussicht, dass wir trotz der ungeplanten pannenbedingten Pausen das Ziel unter 40 Stunden erreichen sollte weiter beflügelt. Aber die finsteren Mächte versuchten es in Luino ein letztes Mal die Oberhand zu gewinnen: wieder war mein Hinterrad platt. Da es mein letzter Schlauch war, untersuchte ich den Reifen sehr genau und fand nichts. Als letzte Reserven hatte ich jetzt noch Flicken dabei. Nehmt euch in Acht ihr gemeinen Finsterlinge- mit einem Randonneur treibt man keine so üblen Spiele!

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Der letzte Berg, der Passo Cuvignone, war ein völlig unerwarteter Hammer. Auf einer sehr schmalen Straße ging es in unzähligen Kehren steil bergauf. Gegen Ende wurde er dazu immer steiler (~13%). Man hätte meinen können er wolle uns nicht ziehen lassen. Auch die Abfahrt war stressig, da vom vielen Bremsen inzwischen die Hände ziemlich schmerzten.

Flach fahren können wir!

Man könnte meinen, dass wir nach 600 KM in den Beinen die Sache gemütlich auslaufen lassen würden. Weit gefehlt! Im Rausch der Endspurt-Euphorie bretterten wir mit einem 30er Schnitt in Richtung Castano Primo. Die finsteren Mächte waren scheinbar endgültig niedergerungen, oder etwa doch nicht? Nur 15 KM vor Castano Primo setzten sie uns dann noch eine, auf den ersten Blick nicht umfahrbare, Baustelle in den Weg. Unseren Mitfahrer Marco haben sie hier mit dieser Nummer ein paar Stunden zuvor so richtig dran gekriegt – er ist hier einen 30 KM Umweg gefahren. Wir haben jedoch die Umleitungsschilder richtig erkannt und sind nicht auf diesen fiesen Trick reingefallen.

Das wir dann trotz all dieser trickreichen Fallen und Hindernissen Castano Primo erreichten, muss die Finsterlinge dermaßen erzürnt haben, dass sie in rasender Wut über unseren Triumph ein unglaubliches Gewitter über unseren Köpfen entluden. Noch nie zuvor bin ich direkt durch ein so heftiges Gewitter gefahren und hab solch einen lauten Donner erlebt. 4 KM vor Castano Primo wartete Fulvio (der Organisator) auf uns und winkte uns dann in eine Bar um uns zu einem Bier einzuladen.

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Schlussstrich

Unterm Strich war die Prealpina Superrandonnée ein faszinierendes Abenteuer epischen Ausmaßes. Noch nie zuvor hatte ich so viele (ernsthafte) Pannen & Defekte. Aber durch Kameradschaft und Erfahrung ließen sich all diese Probleme lösen. Und das macht das Erlebte im Rückblick umso größer – nach all den Schwierigkeiten am Ende als Sieger dazustehen!

Eine Superrandonnée ermöglicht es einem ein landschaftliches Gebiet sehr intensiv zu erfahren. Durch die niedrige Geschwindigkeit hat man genügend Zeit die Landschaft in allen Zügen zu genießen. Und die SR Prealpina ist landschaftlich der absolute Traum – ich denke das kommt auf den Bildern sehr gut rüber und muss nicht weiter mit Worten beschrieben werden.

Materialtechnisch hab ich wieder einiges gelernt. Das mit den zwei Ersatzschläuchen + CO2 Kartuschen + Flicken + Mantelflicken hat sich als notwendig erwiesen. Zukünftig werde ich bei Abenteuern dieses Ausmaßes sowohl für vorne und hinten eine Backup-Beleuchtung mit mir führen. Egal wie hochwertig ein Produkt auch ist, es gibt immer wieder Ausnahmen, wo auch diese versagen.

Ich hoffe, dass auch Tobias „der Glücksritter“ durch meine Pannenserie die Erleuchtung erlangt hat, dass es sehr riskant ist nur mit 1 Licht vorne, 1 Licht hinten, 1 Schlauch und ohne Regenjacke in den Alpen 600 KM radfahren zu gehen  ツ

Danke Tobias & Marco für dieses unvergessliche „Männerwochenende“ – es war mir eine große Freude mit Euch ツ

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Links

Die Strecke mit allen Kontrollpunkten:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=odfpgmcdcgwqdmag

Flickr Fotoalbum mit vielen weiteren Bildern:
https://flic.kr/s/aHskDbxykd

Aktivitäten auf Strava:
Tilo: https://www.strava.com/activities/622010593
Tobias: https://www.strava.com/activities/621914877
Marco: https://www.strava.com/activities/621497944

Offizielle Seite des Veranstalters:
https://sites.google.com/site/ciclofachiro2/home/super-randonnee-prealpina

Facebook Seite des Veranstalters:
https://www.facebook.com/SUPER-RANDONNEE-PREALPINA-1475170459387639

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Responses

  1. Hi, Glückwunsch.
    Der Bericht macht Lust, diesen Brevet auch mal zu fahren.
    Mal sehen, bislang habe ich noch kein Ziel für 2017….

    gruss aus dem hohen Norden

    MOTTA

  2. Einer der „Superrentner“ vom Berlin 1000er gratuliert Tobias. Leider bin ich nun wirklich zu „Alt“ für solche Unternehmungen.

    Hans-Hermann


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