Verfasst von: dawncycling | 22. Mai 2012

Auf dr Alb ond om d‘ Alb ond om d‘ Alb rom

Da ich schon eine Weile von der Bikepacking-Idee angesteckt bin, war es am verlängerten Himmelfahrts-Wochenende mal wieder Zeit für eine mehrtägige Tour im Gelände. Und da ich den Schwarzwald letztes Jahr schon abgeradelt bin wollte ich deshalb dieses Jahr, die mir noch fast unbekannte, Schwäbische Alb erkunden bzw. umrunden. Dabei wollte ich aber nicht rumbummeln sondern die Grenzen des sportlich und fahrtechnisch machbaren für mich ausloten. Deshalb war mein Plan den Hauptwanderweg 1 (HW1) von Aalen bis Tuttlingen und dann wieder zurück den Hauptwanderweg 2 (HW2) zu radeln. Da ich von der Strecke keinerlei Ahnung hatte sparte ich mir die Mühe einer detaillierten Tourenplanung. Ich hatte ja alles notwendige (Übernachtungs-)Gepäck dabei und war somit weitgehend „Self-Supported“. Lediglich auf Kocher und ähnliches hatte ich komplett verzichtet und wollte stattdessen immer Essen gehen.

Den Start der Tour musste ich auf Grund von viel Regen und Schneefall bis auf 600 Metern Höhe (im Mai!) um einen Tag nach hinten verschieben. Meine Aufregung bzw. Anspannung steigerten sich vor der Tour, da ich die fahrtechnischen Anforderungen nicht abschätzen konnte und nicht wusste ob ich mein Rad mit dem ganzen Gepäck über die Trails bekommen würde. Ich reiste am Vorabend mit dem Auto nach Aalen und schlief die Nacht im Auto.

Tag 1 – AlbExtrem
Von Aalen bis St. Johann

Da ich mir für den ersten Tag viel vorgenommen hatte klingelte der Wecker schon um 3:30 Uhr und eine halbe Stunde später startete ich dann mit der Lampe am Rad. Direkt hinter dem Parkplatz ging der HW1 gleich mit einem Bergauf-Singletrail los. Ich startete recht behutsam um nicht am Anfang gleich zu überziehen. Wenn man denkt, „diesen läppischen Anstieg kann ich doch (noch) hochdrücken“, kann man sich mit Gepäck ruckzuck die Beine sauerfahren. Meine Devise war deshalb: Hauptsache die Räder drehen sich. Ob schiebend oder fahrend war mir zweitranging – in der Ruhe liegt die Kraft 😉

Alles war vom Regen am Vortag noch triefend nass und am Wegrand konnte ich tatsächlich noch Schneereste sehen. Die Treppe von der Ruine Rostenstein bei Heubach ins Tal ist eigentlich für Radfahrer verboten, da ich aber so früh unterwegs war machte ich mir darüber keine Gedanken. Aber ich musste fast komplett bergab schieben und würde anderen dazu raten diese Stelle zu umfahren.

Der sehr steile Anstieg nach dem Schloss Weißenstein war der Knüller. Der Boden war so nass, dass ich echte Probleme hatte mein Rad bergauf zu wuchten ohne dabei auszurutschen. Nachdem dies geschafft war begannen dann die eigentlichen Albtrauf-Singletrails direkt an der Kante entlang. Da die Wurzeln aber sehr rutschig waren musste ich recht vorsichtig fahren bzw. schieben. Zwei Mal bin ich auch beim fahren auf einer Wurzel abgerutscht und hingefallen. Es ist dabei nix weiter passiert – dies lies mich aber noch mehr schieben als zuvor.

Mein nächstes Ziel war das Hofgut Reußenstein zum Mittagessen. Der Weg dahin zog sich aber elend in die Länge und die Trails wurden immer rutschiger. Der Schiebeanteil steigerte sich enorm und meine Kräfte schwanden dahin. Als ich gegen 12:00 Uhr dann am Hofgut angekommen war machte ich deshalb erst mal eine längere Pause.

Nach der Essenspause wurde es schön sonnig und halbwegs warm. Meine Kräfte kamen zurück und ich fühlte mich super. Meine Anspannung hatte sich gelöst und ich war endlich auf bzw. in meiner Reise angekommen. Da ja Vatertag bzw. Himmlfahrt war, waren auch etliche Wanderer unterwegs. Und da hatte ich auf einmal so ein seltsames „Biker-High“, dass ich mich plötzlich ganz arg mit den Wanderern um mich rum verbunden fühlte. Wir waren alle auf demselben Weg unterwegs und genossen gemeinsam das schöne Wetter. Fast wäre es so weit gekommen, dass ich aus purer Freude irgendeinen Wanderer umarmen wollte, ich konnte mich aber geradeso noch im Griff halten 😀

Im Vorfeld hatte ich mich längere Zeit gefragt wie es wohl ist, wenn man als Mountainbiker auf dem Trail Wanderern begegnet. Ich hatte auf der gesamten Tour nur positive Begegnungen erlebt und wurde nie blöd angemacht! Dass es sich dazu gehört langsam zu machen bzw. abzusteigen wenn man Wanderern auf einem schmalen Pfad begegnet sollte aber klar sein. Und ein Gruß und ab und an mal ein zwei freundliche Worte gehörten für mich auch dazu. Wie man anderen begegnet so wird einem auch selbst begegnet!

Auf der Burg Teck war vor lauter Feiertagsausflüglern die Hölle los und ich wechselte auf die Straße und wählte die schnelle Flucht nach Owen ins Tal. Der Anstieg nach Erkenbrechtsweiler war in der Mittagssonne hammerhart. Vorbei war das schöne „Biker-High“ und es war wieder quälendes schieben angesagt. Am Wasserfall im Wald hinter Bad Urach gab es nochmal frische Getränke an einem Kiosk um dann mein Rad die steile Rampe in Richtung St. Johann zu wuchten.

Um ~18:00 Uhr war ich am Gasthof im Gestüt in St. Johann angekommen und stärkte mich als erstes Mal. Danach steuerte ich meinen Schlafplatz ganz in der Nähe an. Dort hat der Schwäbische Albverein ein Wetterschutzgewölbe restauriert. Den Tipp dazu hab ich aus einem Internetforum bekommen – vielen Dank dafür! Was für eine geniale Unterkunft mit einem traumhaften Ausblick beim Einschlafen.

 

Distanz: 127,9 km
Höhenmeter: 3925 m
Brutto-Fahrzeit: 13:59
Netto-Fahrzeit: 11:45

Track:
MTB Alb Tag 1 (17.05.2012)

Aufzeichnung:

Tag 2 – Bis die Bremsen glühen
Von St. Johann bis Tuttlingen

Ich hatte den Handy-Wecker auf 5:00 Uhr gestellt und musste mich nach dem Aufwachen überwinden, aus dem schönen warmen Schlafsack rauszukriechen. Es war recht frisch und als ich zur „Tür“ rausschaute merkte ich, dass es leicht regnete. Also Bestand kein Grund zur Eile und ich hatte mich nochmal kurz hingelegt. Nachdem ich mich dann aber doch aufgerafft hatte zog ich mich so warm wie möglich an, verpackte alle Sachen und aß einen Powerbar Riegel als erstes Bikepacker Frühstück 😉

Der HW1 war auf diesem Abschnitt sehr angenehm zu fahren. Schöne flowige Singeltrails ohne viele Wurzel. Nach 12 Kilometern kam mit Holzelfingen der erste Ort und ich hoffte auf eine offene Bäckerei. Als ich einen Schüler danach fragte meinte er nur, dass die letzte Bäckerei im Ort Pleite gemacht hatte. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mit knurrendem Magen weiterzuradeln. Es ging steil hoch zum Schloss Lichtenstein und weiter an der Nebelhöle vorbei. In Genkingen fand ich dann nach 27 Kilometern endlich eine offene Bäckerei, die ich dann im ganz großen Stil plünderte!

Die Trails wurden wieder wurzelig und es gab auch wieder einige steile Schiebepassagen. Seit meinem Aufbruch an diesem Tag war der Singletailanteil, bis auf die paar Ortsdurchfahrten, extrem hoch (~70%). Ich hatte das Gefühl, dass der ganze HW1 ein einziger langer Singletrail ist! Der Höhepunkt kam dann rund um den Dreifürstenstein. Extrem wurzelige Trails die direkt am Albtrauf entlang verlaufen. Das Wahnsinns-Panorama konnte ich aber nicht richtig genießen, da ich die ganz Zeit mit voller Konzentration fahren musste um nicht von der Alb zu purzeln. Mit Starrgabel und Gepäck sind solche Trails kein Zuckerschlecken.

Die Wurzel-Trails gingen immer weiter und so langsam merkte ich, dass mit meinen Bremsen was nicht in Ordnung war. Die Vorderbremse machte schon eine Weile sehr fürchterliche Geräusche. Aber immerhin hatte sie noch ihre normale Bremskraft. Als ich dann merkte ich, dass die Hinterbremse keinerlei Bremskraft mehr hatte und ölig war, wurde mir recht mulmig. So konnte ich auf keinen Fall weiterfahren und beschloss einen Radladen zu suchen.

Da es in Jungingen keinen Radladen gibt musste ich nach Hechingen radeln. Als ich den Laden gefunden hatte musste ich noch bis 14:30 Uhr warten, da er wegen der Mittagspause noch geschlossen hatte. Ich nutzte die Wartezeit zu einem ausführlichen Mittagessen. Pünktlich zur Öffnung war ich wieder am Radladen und überrumpelte den Besitzer wohl ein wenig. Hatte er sonst wohl eher mit den Stadträdern der Hechinger Einwohner zu tun war von meinem „Gefährt“ sichtbar überrascht. Es war eine sehr nette und sympathische Begegnung und er fragte mich ob ich schon mal was von der Grenzsteintropy gehört hätte und ob das nichts für mich wäre 😀

Ich liebe solche persönlichen Begegnungen auf einer Tour und sende hier nochmal ein Dankeschön an Radsport Veloce in Hechingen für die spontane Hilfe. Mit vier neuen Bremsbelägen ging es dann nach einer Stunde weiter. Er konnte mir aber auch nicht sagen, woher das Öl an der Hinterradbremse kam und ob es wieder kommt.

Um die verlorene Zeit etwas gut zu machen wollte ich zunächst auf dem Radweg nach Balingen rollen und dort wieder die Alb bzw. den HW1 erklimmen. Was für eine Wohltat nach dem „Wurzel-Inferno“ der letzten Stunden mal wieder mal schön zu rollen. Und so kam es dann, dass mich in Balingen ein Radweg-Schild mit der Aufschrift „Tuttlingen 48km“ (ver-)lockte. In einem mental schwachen Moment bin ich dann dieser verlockenden Versuchung, mein Tagesziel doch noch zu erreichen, erlegen und blieb auf dem Radweg 😉

Der Hohenzollern-Radweg war aber auch sehr schön. Statt von der Alb runter schaute man hier halt von unten nach oben – auch eine schöne Perspektive. Um nach Tuttlingen zu gelangen muss man aber auch auf diesem Weg die Alb erklimmen bzw. überqueren und erreicht fast 1000m Höhe.

Wenn man sich so viel bewegt hat man einen eigentlich immer Hunger. Also suchte ich mir in Tuttlingen erst mal ein nettes Restaurant um meinen Magen zu füllen. Da ich mir aber noch einen Schlafplatz bei Helligkeit zu suchen wollte musste schon bald wieder aufbrechen. Ich hatte vor den HW2 noch so lange nachzufahren, bis ich eine brauchbare „Unterkunft“ entdecken sollte. Wieder im Wald traf ich eine Frau die ihre Hunde ausführte und fragte sie, ob sie in der Nähe eine offene Waldhütte kannte, in der man übernachten könnte. Sie war von meiner Anfrage zunächst sichtlich verblüfft, aber nach etwas nachdenken fiel ihr die Grillhüte am Christkindleseck ein. Die Hütte war wirklich eine prima Unterkunft und man hatte eine schöne Sicht über Tuttlingen.

Distanz: 132,1 km
Höhenmeter: 2588 m
Brutto-Fahrzeit: 13:04
Netto-Fahrzeit: 9:20

Track:
MTB Alb Tag 2 (18.05.2012)

Aufzeichnung:

Tag 3 – Freudentränen / Blut geleckt
Von Tuttlingen bis Aalen

Der Handy-Wecker klingelte wie am Vortag um 5:00 Uhr und die Früh-Temperatur war an diesem Morgen sogar recht angenehm. Ich packte meine Sachen in die Taschen ein und kaute etwas Studentenfutter gegen den Dauerhunger. Danach ging es los vom Christkindleseck wieder auf den HW2 – meinem geplanten Rückweg.

Nach einem Stück im Wald und ein paar Hügeln verlief der Weg entlang der jungen Donau. Es war zwar noch recht nebelig, aber die Landschaft war atemberaubend spektakulär! Ich näherte mich dem Kloster Beuron und beschloss dort was zum Frühstücken zu suchen. Vom 400er Brevet von ARA Breisgau war mir das Hotel Pelikan als Kontrollstelle bekannt, welches ich deshalb zielstrebig ansteuerte. Da es dort Frühstück erst ab 8:00 Uhr gab nutzte ich die halbe Stunde Wartezeit zum Trinkflasche füllen und um mein Handy zu laden. Das Hotel ist ein recht verschlafenes Renterhotel, der Kaffee und das Frühstück waren aber sehr gut – und notwendig!

Gut gefrühstückt ging der HW2 ab dem Kloster Beuron sehr steil bergauf. Oben gab es dann ein paar nette Trails bevor es auch schon wieder genau so steil ins Tal ging. Bergauf wie bergab für mich beides (fast) nicht fahrbar. Dieses Spiel wiederholte sich noch ein paar Mal und es wurde dabei immer wärmer. Mir floss der Schweiß so dass ich meine beschlagene Radbrille, um noch was sehen zu können, an den Helmgurt hängte. Nach dem Korbfelsen brachte mich ein elend langes und steiles Bergauf-Schiebstück an meine Grenzen. Als ich dann auf einmal merkte, dass meine Radbrille nicht mehr am Helmgurt baumelte bekam ich eine Krise. Erst dachte ich, ich lass die Brille in Frieden ruhen doch dann entschloss ich mich sie doch suchen zu gehen. Also hab ich mein Rad an den nächsten Baum gelehnt und bin Fuß bergab gespurtet. Die Gedanken, dass mir hier jetzt noch jemand im Wald das völlig unbeaufsichtigte Rad klaut, versuchte ich zu unterdrücken. Zirka 50 Höhenmeter tiefer fand ich zum Glück die leicht verkratzte Brille wieder und auch mein Rad war nach dem Wiederaufstieg noch an Ort und Stelle. Und ähnlich wie schon am Vortag brachte dieses Detail für mich das Fass zum überlaufen. Ich hatte jetzt echt keine Lust mehr mein Rad zu schieben. Außerdem ist der HW2 an dieser Stelle eine echte „Verschwendung“! Man hat (fast) keine Aussicht und sieht nur Bäume. Bäume hab ich aber auch zu Hause im Stromberg und muss dazu nicht so weit anreisen. Also nahm ich die nächste Straße hinab nach Hausen in Tal und beschloss ab hier den Donauradweg zu fahren.

Auf dem Radweg waren einige Reiseradler unterwegs und auf der Donau paddelten etliche Gruppen mit Kanus dahin. Die Landschaft war so unbeschreiblich schön und die Stimmung so bezaubernd friedlich, dass ich plötzlich derart ergriffen war, dass mir ein paar Freudentränen in die Augen schossen. Was für ein Privileg, dass ich bei diesem schönen Wetter hier sein durfte! Was für ein Privileg, dass ich das Leben in dieser Intensität erleben und mit dieser Ausdauer an den „großen Rädern“ drehen darf! Zu keinem Zeitpunkt bedauerte ich den HW2 verlassen zu haben.

Ich hatte, wie schon am ersten Tag, wieder so ein seltsames „Biker-High“ und ich fühlte mich auf einmal so mit den Reiseradlern verbunden, dass ich am liebsten einen davon umarmt hätte. Aber nach zwei Tagen radeln ohne zu duschen hätte der mich auf Grund meines „Puma-Geruches“ wahrscheinlich direkt in die Donau geworfen. Also hielt ich mich diesbezüglich zurück 😉

In Siegmaringen kam wieder einmal Hunger auf, aber ich radelte lieber noch ein Stück weiter da es mir dort zu voll & laut war. Das passte für mich nicht in die friedliche Stimmung des letzten Streckenabschnittes. In Scheer fand ich dann ein nettes Ausflugslokal. Zum Essen trank ich erst mal zwei Bier, da ich jetzt (eigentlich) vorhatte den weiteren Weg als „Genussradeltour“ zurückzulegen. Ich will hier niemanden zum Alkohol verleiten, aber ich muss an dieser Stelle mal ein „Gerücht“ wiederlegen! Nämlich stimmt es ganz und gar nicht, dass Bier während des Radelns müde bzw. schlapp macht. Aus eigener Erfahrung kann ich nun berichten, dass Bier eine sehr erfrischende und belebende Wirkung hat! Denn nach dem Essen lief es auf einmal fast wie von selbst! Das Donautal war jetzt nicht mehr eng und felsig sondern wurde langsam breiter. Ich radelte ohne große Anstrengung locker und zügig vor mich hin.

Jetzt ist es so, dass wenn man als Randonneur auf einmal merkt, wie man plötzlich Strecke macht, dann ist es ungefähr so, wie wenn ein Hai im Ozean auf einmal Blut wittert. Ich entwickelte einen großen Spaß daran gegen den böigen Ostwind anzukämpfen und die Ortschaften flogen gerade so an mir vorbei. Und da ich nun einmal Blut geleckt hatte, war für mich eine Rückkehr auf den Wanderweg nicht mehr vorstellbar.

Die Reiseradler, die ich vor kurzem noch umarmen wollte, waren nun auf einmal meine (unfreiwilligen) „Motivationshilfen“. Als bunte Punkte erschienen sie vor mir am Horizont. Ich saugte mich zunächst an sie ran um sie dann im nächsten Moment in meinen Luftwirbeln zurückzulassen. Ich wunderte mich wie man seinen halben Kleiderschrank am Rad spazieren fahren kann und dann trotzdem noch ein Hotel zum Übernachten benötigt 😉

Da ich jetzt endgültig wieder im „Randonneur-Modus“ angelangt war, begann ich natürlich schon mal auszurechnen wie weit ich heute noch fahren könnte. Und ich war baff, dass es mir sogar noch reichen könnte um zurück nach Aalen zu meinem Auto zu kommen. Einerseits bedauerte ich es, dass ich dadurch nicht noch einmal im Freien schlafen könnte, aber andererseits war ich durch die Sonnenmilch und den Straßenstaub inzwischen so „eingesaut“, dass ich mich so in keinen Schlafsack mehr hätte legen wollen.

Nach einem Getränkestopp in Ulm um ca. 17:00 Uhr wechselte ich vom Donau-Radweg auf den Hohenlohe-Ostalb-Weg. Den GPS-Track dazu hatte ich schon vorsorglich auf meinem Garmin gespeichert. Ich war wirklich über mich selbst erstaunt, wie ich nach zwei sehr anstrengenden Rad-Tagen noch so eine konstante Leistung abrufen konnte. Seit dem Mittagessen in Scheer war ich die ganze Zeit mit einem Schnitt zwischen 25 und 30 km/h unterwegs. Und daran sollte sich auch bis Aalen nichts mehr ändern!

Es war ein angenehm warmer Abend und die Landschaft wurde auf einmal wieder sensationell schön! Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Ostalb derart lieblich ist. So kurbelte ich das schöne Lonetal bergab und dann nach einem kleinen Hügel die Brenz entlang bis nach Heidenheim.

Eigentlich hatte ich inzwischen schon keine Energie mehr, aber das ausgerechnete Ziel vor 21:00 Uhr in Aalen zu sein motivierte mich nicht mit der Leistung nachzulassen. Und tatsächlich schaffte ich dies auch noch – es hatte aber wirklich meine allerletzten Reserven gekostet.

Distanz: 239,5 km
Höhenmeter: 1762 m
Brutto-Fahrzeit: 14:58
Netto-Fahrzeit: 11:40

Track:
MTB Alb Tag 3 (19.05.2012)

Aufzeichnung:

Strecken-Fazit:

Der HW1 ist durch seinen sehr hohen Singletrailanteil eine faszinierende Strecke. Im Prinzip ist davon sehr vieles fahrbar und macht Spaß. Allerdings nimmt der fahrbare Anteil bei Nässe drastisch ab da alles sehr rutschig wird. Die Anstiege sind wanderwegstypisch oft sehr steil und winden sich in engen Kurven den Berg hinauf. Mit Gepäck am Rad ist hier der Quälfaktor sehr hoch.

Zum HW2 kann ich nicht viel sagen, da ich ja nur ein sehr kurzes Stück darauf unterwegs war. Im oberen Donautal ist er meiner Meinung nach aber eine recht sinnfreie Verschwendung. Ich würde auf diesem Abschnitt jederzeit wieder das Donautal vorziehen. Aber der Rest würde mich schon noch interessieren. Daher ist nicht ausgeschlossen, dass ich ihn noch mal in Südrichtung unter die Räder nehme.

Schlaf-Ausrüstung:

Meru Kolibri Schlafsack von Globetrotter ~820 Gramm
Therm-A-Rest NeoAir Isomatte ~550 Gramm
Black Diamond Hooped Bivy (Biwaksack) ~700 Gramm

Das alles passt zusammen in die Rolle die vorne am Lenker befestigt ist. Die erste Nacht (~5 Grad) war diese Kombination optimal. In der zweiten Nacht (~10 Grad) war es schon fast ein Tick zu warm. Wenn es noch wärmer ist, würde ich mich mit dem Schlafsack auf den Bivy drauflegen.

Gepäcktransport:

Die Bikepacking Taschen von Revelate Designs sind genial durchdacht und funktionieren absolut tadellos in der Praxis. Vorne hatte ich die Rolle mit der Schlaf-Ausrüstung und daran eine Tasche mit Kleinkram. Im „Gas-Tank“ war der Foto immer griffbereit und ein paar Riegel für Zwischendurch. Meine Wechselkleidung war in der großen Tasche an der Sattelstütze. Zwei Ersatzschläuche und Werkzeug waren in der Abus Tasche im Rahmen-Dreieck. Zusätzlich hatte ich noch einen kleinen Bike-Rucksack auf dem Rücken in dem alles drin war was ich tagsüber brauchte: Geldbeutel, Handy, Handschuhe, Windweste etc. So musste ich unterwegs nie die große Tasche aufmachen und hatte immer alles Notwendige griffbereit.

Hygiene:

Meine größte Sorge bei einer Mehrtagestour ohne Dusche waren Sitzprobleme gewesen. Daher war mein Hintern das mit Abstand am besten gepflegte Körperteil. Mit Penaten-Baby-Feuchttüchern wurde immer wieder alles gereinigt. Statt Sitzcreme verwende ich seit letztem Jahr, wegen der desinfizierenden Wirkung, nur noch Teebaumöl. Und als wichtigen Tipp hab ich in einem Bericht zum Tour Divide Race von Kurt Refsnider gelesen, dass man nicht in seiner Radhose schlafen sollte. Daher hatte ich eine Unterhose für die Nacht im Gepäck. Zu guter Letzt hatte ich für jeden Tag eine frische Radhose dabei. Und das alles hatte zusammen super funktioniert und ich hatte keinerlei Sitzprobleme! Yes!

 

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Responses

  1. Was für (entschuldigt) geile Fotos. Wie werden die retuschiert? Schärfen und farben intensivieren? Oder gehört mehr dazu?
    Klasse! Evi

  2. […] musste ich schmunzeln, da ich auch schon meine diesjährige Alb-Solotour auf einem Flußradweg habe ausklingen lassen. Auf dem Weg nach Pforzheim wurden wir von einigen zum […]

  3. […] den Erfahrungen aus einem schon sechs Jahren zurückliegenden ersten Ausflugs in die Welt des Bikepackings (damals war das für viele noch ein Fremdwort) stand für mich fest auch dieses Mal wieder mit […]


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