Verfasst von: dawncycling | 4. Juli 2011

Ü-Tour zum Feldberg

Zwischen dem 600er Brevet und PBP liegen dieses Jahr mehr als zwei lange Monate (Warte-)Zeit. Nach einem erholsamen Urlaub auf Sardinien wurde es höchste Zeit die Beine mal wieder etwas länger kreisen zu lassen damit sie nicht einzurosten. Seit ich mein MTB im Januar bestellt hatte schmiedete ich schon Pläne für eine längere MTB Tour mit Gepäck. Als Fan der Tour Divide und der Bikepacking Szene hab ich mein MTB schon in Hinsicht auf diesen Verwendungszweck ausgesucht. Als Mitfahrer für solch eine Tour hab ich frühzeitig meinen Freund Stefan gewinnen können der eigentlich immer mit dabei ist, wenn es was schönes & langes zum radeln gibt 😉

Da der Schwarzwald vor unserer Haustür liegt und ein ideales MTB Gebiet ist konkretisierte sich die Zielsetzung für unsere Tour schon recht bald: Von Pforzheim zum Feldberg und wieder zurück in maximal 48 Stunden!

Für die Planung der Strecke suchte ich mir zunächst möglichst viele bestehende Tracks zusammen. Das waren zum einen die Wanderwege West-, Mittel- und Ostweg. Dann die Radwege „Schwarzwaldradweg“ und „Bike Crossing Schwarzwald“. Dazu kamen noch zwei gefundene Tracks von mehrtägigen Trans Schwarzwald Touren mit dem MTB. Diese sieben Tracks wurden dann so lange durch den Fleischwolf gedreht, bis ein Hinweg im westlichen und ein Rückweg im östlichen Teil des Schwarzwaldes rauskamen die meinen Vorstellungen entsprachen. Die Eckdaten waren ~440 Kilometer mit ~10.000 Höhenmetern. Die Frage wie sich die einzelnen Abschnitte fahren lassen, lässt sich bei der Planung am PC logischerweise nicht erahnen. Daher war mir schon vorab klar, dass die Streckenführung, ähnlich einem Ü-Ei, etliche Überraschungen für uns bereithalten wird.

Start war am Freitag dem 1. Juli um 9:15 Uhr am Kupferhammer in Pforzheim. Über Neuenbürg und Dobel ging es zunächst zum Holohturm entlang des Westweges. Stefan war mit seinem bewährtem 26er MTB mit Starrgabel, Gepäckträger und zwei großen Packtaschen unterwegs. Ich auf meinem Zion 29er, welches inzwischen Bikepacking-tauglich aufgerüstet wurde: Nabendynamo mit Lampe, Lenkeraufsatz und Taschen von Eric aus Alaska.

Auf den ersten steinigen Trails bemerkte ich, dass meine Fronttaschen den Vorderreifen berührte, wenn die Gabel einfederte. Also blockierte ich meine Federgabel – Stefan hatte ja auch keine. Nach der Querung des Murgtals bei Schwarzenbach wartete die erste größere Überraschung auf uns. Die Tracklinie ging sehr steil einen Berg hoch wo man nur mit sehr viel Fantasie einen Weg erahnen konnte. Schiebend und tragend brachten wir unsere Räder nach oben. Dieser Teil des Tracks musste wohl aus einer der „gefundenen“ Trans Schwarzwald Touren gestammt haben.

Bei Obertal wechselte unsere Strecke bis zum Feldberg auf den Schwarzwaldradweg. Damit waren weitere Überraschungen erstmal ausgeschlossen. Nach Kniebis folgte bis Wolfach ein über 30 Kilometer langer und sehr einsamer Abschnitt im Wald. In Wolfach wurde der aufkommende Hunger mit reichlich Pasta und Pizza gestillt.

Nach Haslach (bzw. Mühlenbach) ging es eine schöne Panoramastraße hinauf zum Landwassereck. Das Landwassereck hab ich vor einigen Wochen zusammen mit Stefan schon beim 400er Brevet in anderer Richtung überquert. Aber auch von Haslach aus ist das Ding – zumindest am Ende – verdammt steil. Meine Erkenntnis des Abends war, dass man auch mit ~4km/h noch Rad fahren kann ohne das man runterfällt 😀

Wir wollten noch soweit in die Dunkelheit „reinfahren“ wie wir Lust dazu hatten und uns dann eine Waldhütte zum schlafen suchen. Aber im Gegensatz zum Nordschwarzwald ist die Anzahl der Hütten im südlichen Teil recht spärlich. Zum Glück hatte ich vorab schon ein paar mögliche Hütten rausgesucht und als Waypoints ins GPS geladen (auf GPSies sieht man sie bei der Ansicht „OSM Fahrrad“ in den höheren Zoomstufen). Unsere Wahl fiel auf eine Grillhütte die etwas abseits unseres Tracks auf dem Brend (Hausberg der Stadt Furtwangen) liegt. Relativ platt erreichten wir die Hütte nach rund 185 Kilometern gegen 23:00 Uhr. Die Hütte erlebte dann einen lückenlosen Übergang von einer feuchtfröhlichen Grillfeier zu einem Nachtlager für müde Radfahrer. Stefan kochte sich auf dem noch brennenden Feuer eine Tütensuppe und ich verkroch mich so schnell wie möglich in den wärmenden Schlafsack. Der Himmel war sternenklar und die Temperaturen waren fast winterlich. Nachts sollte es bis auf fünf Grad abkühlen – ein guter Test für Schlafsack und Isomatte.

Unser Plan war es vier Stunden zu schlafen und dann weiterzufahren. Als ich wach wurde war es allerdings schon wieder hell. Der Blick auf die Uhr sagte mir dass es schon 5:00 Uhr war. Somit hat mich „Langschläfer-Stefan“, der zum Weckdienst eingeteilt war, doch glatt um den Frühsport in den Sonnenaufgang gebracht. Er hatte das Handy beim ersten klingeln wieder stummgeschaltet in der Meinung, dass es eine Snooze Funktion besitzt. Die hatte es aber nicht…

Dafür zauberte Stefan dann aber eine Espressokanne inkl. Kocher aus seinen Packtaschen und kochte uns einen wärmenden Espresso. Damit war die Welt wieder in Ordnung 😀

Auf der Fahrt nach Neustadt über die „Kalte Herberge“ war mir sehr kalt und ich bereute es keine warmen Handschuhe mitgenommen zu haben. Nach einem Frühstück in Neustadt ging es entlang des Titisees zum Feldberg. Den Feldberg-Turm erreichten wir um 9:00 Uhr ziemlich genau nach 24 Stunden Gesamtzeit. Somit waren wir – trotz längerer Schlafpause – noch gut in unserem Zeitplan.

Im Gegensatz zum Hinweg war mir auf unserem Rückweg kein Abschnitt bekannt. Ich war sehr darauf gespannt wie sich der Streckenmischmasch fahren lässt. Vom Schluchsee bei Unteraha nach Fischbach wartete auch schon die nächste Überraschung auf uns. Ein Trail den man in der anderen Richtung als „flowige Abfahrt“ bezeichnen könnte. In unserer Richtung war er mit Gepäck nicht fahrbar und musste komplett geschoben werden. Als Ausgleich für die lange Schiebepassage gönnten wir uns dann die Abfahrt auf der Straße nach Bonndorf.

Nach der Querung der Wutachschlucht kamen wir wieder an Neustadt vorbei und fuhren ein kurzes Stück wieder auf unserem Hinweg. Dieses Mal bogen wir an der „Kalten Herberge“ aber Richtung Furtwangen ab. In Furtwangen sollte ein Döner-Teller die notwendige Energie für den weiteren Weg liefern. Wir hatten inzwischen den Plan im Kopf, nicht noch eine weitere kalte Nacht im Freien zu verbringen, sondern wir wollten bis Pforzheim durchfahren.

Bis Freudenstadt wiederholte sich jetzt mehrfach der gleiche Ablauf: Sehr steil ging es aus den Orten im Tal (Furtwangen, Triberg, Schramberg und Alpirsbach) nach oben auf rund 1000 Meter Höhe. So steil, das es zumindest aus Triberg und Schramberg nur schiebend zu bewältigen war. Oben ging es schön durch den Wald bis es zum nächsten Ort wieder ins Tal ging. Der Ostweg erhöhte unseren Trail-Streckenanteil und abschnittsweise war der Weg nicht immer klar zu erkennen. Rückblickend gab es mehr positive als negative Streckenüberraschungen und die Anstiege waren auch nicht mehr so lang wie auf dem Hinweg.

Fahre ich auf den Brevets mental meist sehr konzentriert so war es bei dieser Tour fast das Gegenteil. Ich hatte immer nur den nächsten Streckenabschnitt im Blick und alles andere war unwichtig und „verschwommen“. Hatten wir nicht genügend Kraft oder Lust so fuhren wir einfach langsamer. War ein Anstieg zu steil so wurde geschoben. Aber immer ging es Umdrehung für Umdrehung bzw. Schritt für Schritt voran. Das war ein sehr schöner Zustand!

In Freudenstadt beschlossen wir nach Pforzheim die Straße zu nehmen. Zum einen waren wir inzwischen relativ kaputt und zum anderen ist es recht schwierig im Gelände längere Zeit bei Dunkelheit dem GPS nachzufahren. Der Wechsel in den (gewohnten) Randonneur-Modus funktionierte fliessend. Den Kopf ausschalten, die Arme in den Lenkeraufsatz und einfach treten, treten, treten. Bis Besenfeld war es eklig wellig und dann folgte eine unendlich lange Abfahrt nach Calmbach. Mir war so kalt, dass ich meine Finger fast nicht mehr bewegen konnte. Stefan half mir zum Glück mit seinen warmen Handschuhen aus.

Als wir um kurz nach 23:00 Uhr wieder am Kupferhammer waren hatten wir unser selbst gestecktes Ziel von 48 Stunden um mehr als 10 Stunden unterboten. Die Tour war ein richtig tolles Erlebnis welches man nicht so häufig erlebt. Ich bin mir aber schon fast sicher, dass ich in Zukunft noch die eine oder andere Bikepacking Tour mit dem MTB machen werde!

Die komplette Strecke:
GPSies - Feldberg 2011

Aufzeichnung Freitag:

Aufzeichnung Samstag:

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Responses

  1. Ich bin kompett beeindruckt von deinem Bericht und deiner Homepage, auf die ich durch Zufall gestoßen bin. Wenn ich mir das alles so durchlese, frage ich mich schon, ob ich solch eine Tour mit meinem MTB wagen soll?? Geplant ist sie jedenfalls schon….Ob nun 38 oder 48 Stunden, dafür braucht man echt gute Kondi….echt toll!!

    werde wieder reinschauen, bis dahin
    viele Grüße Marco

  2. […] Himmelfahrts-Wochenende mal wieder Zeit für eine mehrtägige Tour im Gelände. Und da ich den Schwarzwald letztes Jahr schon abgeradelt bin wollte ich deshalb dieses Jahr, die mir noch fast unbekannte, […]

  3. […] Mitfahrer konnte ich frühzeitig meinen Freund Stefan gewinnen, mit dem ich schon letztes Jahr eine längere Radtour im Gelände gemacht hatte. Ansonsten war die Resonanz aber so gering, dass sich kein weiterer Mitfahrer […]


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