Verfasst von: dawncycling | 9. Mai 2011

Wilde Kartoffeln

Bericht zum Bodensee-Brevet (400km) am 07.05.2011

Die wilden Kartoffeln, die es im Augustiner in Freiburg gibt, sind wirklich eine ausgesprochen leckere Angelegenheit. Ob am Vorabend eines Brevets beim gemütlichen Randonneursplausch mit einem Steak und Kräuterbutter oder direkt nach dem Brevet mit der feurigen Salsa. Wer sie noch nicht probiert hat, sollte dies unbedingt mal nachholen!

Und so kam es, dass ich am Vorabend zum 400er die (lustige) Bedienung im Augustiner fragte bis wann man am Samstagabend noch wilde Kartoffeln bestellen kann. Als Antwort erhielt ich dann die Information, dass die Küche um 23:00 Uhr schließen würde. Bei 400 Kilometern und deutlich über 4000 Höhenmetern sind 15 Stunden Bruttozeit schon ein Wort. Aber da man ja Ziele braucht lies mich der Gedanke an heiße wilde Kartoffeln im Ziel nicht mehr los…

Zum 400er bin ich mit meinem (Rad)Freund Stefan angereist und wir wollten die Strecke gemeinsam fahren. Am ersten Berg hatte ich (wie schon beim 300er vor einer Woche) Schwierigkeiten vorne dranzubleiben. Aber mit einem vollem 3-Liter Camelbak auf dem Rücken und einer halben Speisekammer in der Lenkertasche hatte ich auch ganz schön was auf den Berg hochzukurbeln. Ich hatte genügend Vorräte dabei um den ganzen 400er, ohne unterwegs etwas einkaufen zu müssen, durchfahren zu können. Durch meine Angst vor einem Energieloch, wie im letzten Jahr beim 400er, hatte ich es mit den Vorräten aber wahrscheinlich eher etwas zu gut gemeint 😉

Irgendwie kam ich dann gerade noch mit der ersten Gruppe über den Berg und konnte mich an der schönen Abfahrt erfreuen. Zu acht wühlten wir uns durch Schaffhausen und ließen es nach Konstanz trotz Gegenwind ganz gut laufen. Ab Konstanz bin ich dann mit Stefan alleine weitergefahren. Die anderen wollten in Konstanz noch einen Supermarkt-Stop einlegen.

Der Bodan-Rück und die fiesen Hügel vor Beuron kosteten wieder viele Körner. Aber Cola und Kuchen im Hotel Pelikan in Beuron füllten die leeren Speicher wieder auf. Gerade als wir aufbrachen kam die nächste Gruppe angerauscht. Dank des prächtigen Rückenwindes ließen wir dann zu zweit unsere Räder über die Alb rollen und flogen förmlich dem Schwarzwald entgegen. Wir harmonierten gut zusammen und wechselten uns mit unseren Höhen- bzw. Tiefpunkten schön gleichmäßig ab.

Im Anstieg nach Freudenstadt wollte mein Körper scheinbar schon mal Platz für die wilden Kartoffeln in Freiburg schaffen, denn ich musste meinen Mageninhalt unfreiwillig im Straßengraben zurücklassen. Bisher hatte ich so was noch nie erlebt und ich vermute, dass es an den hohen Temperaturen lag. Es ging mir dann auch schon gleich wieder etwas besser und wir konnten weiterfahren. Nun überlegte ich krampfhaft bis Freudenstadt, was ich wohl am besten mit einem angeschlagenen Magen essen sollte, um für das letzte Stück nach Freiburg wieder genügend Energie zu haben. Ich wollte nicht noch einmal an gleicher Stelle so ein Energieloch wie vor einem Jahr erleben.

Mit größter Anstrengung drückte ich an der Tankstelle eine Laugenbrezel und einen Amarant-Riegel mit einer Fanta in mich rein. Essen kann nach 300 Kilometern echt anstrengend sein! Als wir uns startklar machten kam wieder die Verfolgergruppe von hinten angefahren. Walter half mir noch ganz zufällig mit einer säurebinden Tablette gegen Magenbeschwerden aus. Ich fragte mich im Nachhinein ob ich zu diesem Zeitpunkt wirklich so elend ausgesehen habe oder ob dies reiner Zufall war 🙄

Als wir weiterfuhren war es genau acht Uhr. Also noch drei Stunden Zeit um wilde Kartoffeln im Augustiner bestellen zu können. Bei rund 90 Kilometern ist das eigentlich eine ganz machbare Größe, wenn da nicht dieser letzte „Brocken“ im Weg stünde. Auf der Abfahrt nach Wolfach ließen wir es richtig krachen. Am Fuße des Anstieges zum Landwassereck wurde mir wieder ganz dunkel vor den Augen. Dieses Mal lag es zum Glück aber nur an der zunehmenden Dämmerung und so zog ich meine Leuchtweste an um von den Autos besser gesehen zu werden. Den Anstieg krochen wir gemeinsam im kleinsten Gang hoch. Das Ding ist schon fies – da kann man sagen was man will! Aber es waren ja nur noch 40 Kilometer und meine Gedanken drehten sich schon um in der Friteuse schwimmenden Kartoffelteilen.

Auf der folgenden Abfahrt lief Stefan zur Hochform auf und drückte auf seine Pedale dass mir fast schwindelig wurde. Im Gegensatz zum letzten Jahr hatte ich noch genügend Körner zum mitfahren und war froh mich in Freudenstadt zum essen gezwungen zu haben!

Nach Waldkirch hatte sich Stefan dann leergefahren und ich leuchtete ihm dann den Weg über die kurvigen Radwege. An einer roten Ampel in Freiburg meinte er dann um Punkt 23:00 Uhr zu mir, dass im Moment wohl gerade die Friteuse abgeschaltet wird. Gebremst durch einige weitere Ampeln und das Late-Night Shopping Angebot in der Freiburger Innnenstadt erreichten wir um elf nach elf dann als erste den Augustiner.

Wie befürchtet war die Friteuse leider schon außer Betrieb aber mit einem Flammkuchen hatten wir schnell eine brauchbare Alternative gefunden!

Am Ende war nicht nur ich sondern auch mein Garmin platt. Dieser verabschiedete sich mit einem Komplettabsturz und konnte nur unsanft durch das entfernen der Batterien wieder geweckt werden. Leider ging dabei meine Trackaufzeichnung verloren…

Dieses Jahr haben es geschätzte 15 Fahrer geschafft vor 24:00 Uhr das Ziel zu erreichen. Das viele davon an bzw. über ihrem Limit gefahren sind war deutlich zu sehen.

Ich bin heilfroh, dass der Augustiner am Sonntag nach dem 600er Brevet erst ab 11:30 Uhr geöffnet hat. Wer weiß wohin das sonst wieder führen würde 😉

PS: Ich werde dem Wirt vom Augustiner mal meine Idee unterbreiten, bei der nächsten Kollektion der ARA-Breisgau Trikots als Sponsor einzusteigen. Der Aufdruck „Wilde Reiter“ müsste dazu lediglich in „Wilde Kartoffeln“ umformuliert werden 😀

Track:
GPSies - 400er Brevet Freiburg 2011

Aufzeichnung:

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Responses

  1. […] lange dahin und raubte mir die letzten Energiereserven. Hatte ich letztes Jahr bei der Ankunft noch auf Wilde Kartoffeln gehofft so mussten wir dieses Mal darum bangen, dass der Augustiner noch für ein Bier geöffnet […]


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