Verfasst von: dawncycling | 1. Mai 2011

Wilder Ritt zum Klötzli-Buckel

Bericht zum Belchen-Brevet (300km) am 30.04.2011

Brevets zu fahren ist echt eine spannende Angelegenheit! Vieles ist nicht planbar und die Dinge ergeben sich meist „im Fluss“ während des Brevets. Der Belchen-Brevet 2011 war ein besonders spannender Brevet wo bei mir fast alles anders gelaufen ist als vorgenommen. Meine Gefühlswelt war auf einer ständigen Berg- und Talfahrt und ich erlebte auf der 300km langen Reise ins Jura die „höchsten Höhen“ und die „tiefsten Tiefen“.

300_1

Da ich in den Tagen vor dem Brevet merkte, dass mein vorösterlicher Infekt noch nicht ganz weg war bzw. wieder etwas zurückkam, wollte ich den Brevet eigentlich ganz locker auf Sparflamme fahren. Also hab ich das Rad auf „gemütlich“ umgerüstet. D.h. Nabendynamo, Licht und Lenkertasche dran.

Dass ich nach dem Start am ersten Mini-Hügel nach Sölden im Bummeltempo einen um ca. 20 Schläge höheren Puls als normal hatte stürzte mich gleich ins erste Tief. Wie soll das nur weitergehen wenn ich schon am ersten Hügel im Entwicklungsbereich bin? Am ersten richtigen Berg wurde ich dann nach ganz hinten durchgereicht und fragte mich warum meine Formkurve nach unten anstatt nach oben zeigt. Oben angekommen waren noch viele Fahrer mit pinkeln / umziehen beschäftigt. Da ich unbedingt nicht auf der Abfahrt abgehängt werden wollte machte ich nur meine Jacke zu und fuhr sofort weiter.

Das dieser kleine Vorsprung bis kurz vor Bad Säckingen (erste Kontrolle) reichte verblüffte mich dann doch. So entstand aus der Not heraus der Gedanke, dass ich diesen Brevet in meinem eigenen Tempo weiterfahren möchte. Auf dem Weg zum Schweizer Belchen bildete sich an den drei Wellen davor wieder eine neu gemischte Gruppe. Den Anstieg zum Schweizer Belchen fand ich im Vergleich zum letzten Jahr um einiges härter. Da sich die Straße aber nicht verändert hatte lag dies wohl an mir. An der Schönheit dieses Anstieges hat sich auf jeden Fall nichts geändert! Das Wort „Traumsträsschen“ hat sich dieser Anstieg auf jeden Fall verdient!

An der Kontrolle am Berghaus Oberbölchen war die Spitzengruppe noch beim Nudelessen. Da ich kräftemäßig an den Anstiegen keine Chance hatte mit ihnen mitzuhalten musste ich tief in die Trickkiste greifen und den „Spaghetti-Trick“ anwenden. Also anstatt dem gemütlichen Nudelbuffet wurde nur das letzte belegte Brötchen aus der Lenkertasche gegessen und dann ging es auch schon wieder (alleine) weiter.

Dann folgte für mich das absolute Highlight! Das schöne Jura-Tal mit kräftigem Rückenwind ganz ohne Eile und Druck. Ich fand ganz schnell in meinen eigenen Rhythmus und genoss jede Pedalumdrehung.

Mitten in dem längeren Anstieg zur dritten Kontrolle nach Souboz wurde ich von den zwei schnellsten der Spitzengruppe eingeholt. Die Himmelsleiter war für mich wieder der Höhepunkt der ganzen Strecke! Dieses Mal bekamen wir in Souboz von Klötzli-Junior (?) unseren Stempel und stürzten uns in die Bilderbuchabfahrt nach Delémont. Dort versorgten wir uns in einem Supermarkt am Bahnhof mit Cola & Wasser.

Da nun das Rheintal mit gefürchtetem Gegenwind bevorstand wurde ich, trotz erheblicher Schwäche an den letzten drei Hügeln, in der Gruppe geduldet und meine Mitfahrer Jochen & Clemens warteten auf mich. Und das wohl zu Recht! Denn das Rheintal begrüßte uns mit heftigem Nord-Ost Wind wo man jeden Mann brauchen konnte. Dieser Wind war heftiger als all die schönen Jura Anstiege, die wir zuvor überwunden haben. In der Ebene hatte ich noch einige Körner und mobilisierte alle Reserven, dass wir diesen „unschönen“ Streckenabschnitt so schnell wie möglich hinter uns brachten. Der Weg bis zum (verhassten) AKW Fessenheim zog sich wie ein oder zwei Ewigkeiten. Mir ging zusehends die Energie aus und ich brauchte dringend was zum Essen.

Der Liter Cola und das Mars an der Esso Tanke (letzte Kontrolle) bewirkten aber fast das Gegenteil. Nach dem weiterfahren frierte es mich und mein Kreislauf war völlig im Keller. Also sagte ich meinen zwei Mitfahren, dass ich alleine ins Ziel fahren wollte. Mit nur noch 25km/h dümpelte ich so über die Radwege bis zum Augustiner, wo ich um 19:32 Uhr ankam.

Es war wirklich eine erstaunliche Wendung auf diesem Brevet die ich erlebte! Am Anfang machte ich mir noch Gedanken wie ich meine PBP Quali retten kann und am Ende war ich wieder vorne mit dabei. Dies war aber nur möglich da ich meine Standzeit auf ~40 Minuten beschränkte. Diese taktische Erkenntnis werde ich auf jeden Fall auf den Weg nach Paris mitnehmen!

Die Strecke war auch bei der zweiten Befahrung ein absolutes Highlight! Das Jura rockt wirklich!

Track:
GPSies - 300er Brevet Freiburg 2011

Aufzeichnung:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: