Verfasst von: dawncycling | 1. Juni 2010

Sahnestück mit Regenguss

Bericht zum Jura-Berevet (600km) am 29.05.2010

Normalerweise nimmt die Teilnehmeranzahl im Laufe einer Brevetserie mit steigender Streckenlänge ab. Aber diese Regel scheint bei ARA Breisgau irgendwie ausser Kraft zu sein, denn mit wieder fast 70 Startern waren zum angekündigten „Sahnestück“ der Brevetserie sogar mehr Teilnehmer als beim 400er Brevet gemeldet.

Nach dem schon gewohnt üppigen Frühstück im Augustiner bei dem es dieses Mal sogar Brezeln und Laugenbrötchen gab ging die große Truppe zunächst im „geschlossenen Verband“ auf ihre lange Reise ins ferne Jura. Und auch nach dem offiziellen Ende des Verbandes wurde das Feld nicht wirklich kleiner, da es bis zur ersten Kontrolle in Porrentruy nahezu flach war. Für viele war das die verlockende Gelegenheit mit nur geringem Kraftaufwand im Sog des Fahrerfeldes mitgezogen zu werden.

Nach der ersten Kontrolle kam dann der erste längere Anstieg und gleichzeitig der Einstieg in eine traumhafte Landschaft. Auf der folgenden Abfahrt verlor ich meine Mitfahrer aus den Augen, weil ich wieder mal den Berg nicht runterkam. Auf der einsamen Straße durch das sehr schöne Doubs-Tal kam aber schon die nächste Gruppe und wir begannen gemeinsam den Anstieg hinauf nach Maîche. Dieses Mal war ich mit Norbert einer Meinung, dass dieser Anstieg ein richtig schöner Rollerberg ist. Nach einer tollen Abfahrt hinab zur Doub ging es auch schon wieder zum längeren Anstieg hinauf nach La Chaux des Fonds. Oben hatte ich schon wieder sämtliche Mitfahrer aus den Augen verloren und war etwas verwirrt durch eine Unklarheit zwischen Streckenplan und GPS-Track. Nach ein paar Minuten warten kamen dann meine Begleiter vom 400er (Norbert und Michl) mit einem weiteren Mitfahrer angeradelt und wir fuhren gemeinsam weiter die steile „Autobahn“ hinauf zur Kontrolle auf dem „Col de la Vue des Alpes“.

Irgendwie hatte ich aber keine optimale Tagesform und kam schon seit dem Start nicht ganz in den „gewohnten Tritt“. Wahrscheinlich war die leichte Erkältung die mich die Woche vor dem Brevet beschäftigt hatte noch nicht ganz aus meinem Körper verschwunden. Daher war mir klar, dass es so keine Wiederholung der 400er Besetzung geben konnte.

Im Restaurant an der Kontrolle traf ich dann Gerd und Jochen die dort Pause machten. Da ich auch eine Pause benötigte sagte ich Norbert und Michl, dass sie ohne mich weiterfahren sollten. Witzigerweise entwickelte sich mit den beiden auf der restlichen Strecke ein heiteres Hase & Igel Spiel und wir sollten uns noch des Öfteren wieder sehen. Bei der Pause kam dann noch Ralph hinzu und so gingen wir zu viert weiter auf unsere Reise durchs Jura. Durch völlig einsame und traumhaft schöne Hochtäler radelten wir in Richtung Pontarlier. Den längeren Anstieg kurz vor Pontarlier musste ich beim Studium des Höhenprofils vor dem Brevet wohl übersehen haben 😉

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Nach Pontarlier folgte ein welliger Abschnitt mit vielen für Frankreich typischen kerzengeraden Straßen. Dass es angenehmer ist, solche Straßen, wo man jede Welle schon kilometerweit vorher sieht, besser in der Nacht fährt sollten wir dann bei unserem Rückweg von Versoul feststellen.

Um 20:15 Uhr erreichten wir dann Champagnole wo wir eine längere Pause machen wollten. In der angegebenen Brasserie war man auf uns Radler nicht wirklich vorbereitet und der Kontrollstempel musste erst noch herbeigeschafft werden. Nebenan bestellten wir Pizza die uns die nötige Grundlage für die bevorstehende Nacht liefern sollte (die Pizza war sehr lecker!). Als wir gerade am Essen waren kamen Norbert und Michl angeradelt die in Pontarlier eine längere Pause gemacht hatten. Nach ihrem Stempel fuhren sie dann auch gleich weiter.

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Nachdem wir uns fertig für die Nacht gemacht hatten folgte ein recht gemütlicher Teil hinab nach Salins les Bains. Danach kamen wir ins „Land der Kaugummihügel“. Drei bis vier Hügel die nicht wirklich steil sind, sich dafür aber ewig in die Länge ziehen. Bei meinen morgendlichen Radtouren in der Dämmerung bin ich es gewohnt unterwegs viele Wildtiere zu sehen. Rehe, Hasen, Füchse und Mäuse gehören da zum Standardprogramm. Aber was da auf dem ersten der Kaugummihügel in unserem Scheinwerferlicht die Straße überquerte war mir noch nie begegnet: ein Luchs! Deutlich an seinen spitzen Ohren erkennbar huschte er direkt vor uns über die Straße. Kurz nach dieser Begegnung der besonderen Art trafen wir Bernhard am Straßenrand der bisher zusammen mit Norbert und Michl unterwegs war. Ihm war das Tempo der beiden zu hoch und er fuhr lieber mit uns weiter. Seine Begleitung währte aber auch nur bis zum nächsten Hügel bei dem wir ihn aus den Augen verloren. Wie ich im Nachhinein mitbekommen habe, hat er kurze Zeit später den Brevet abgebrochen und sich abholen lassen.

Pünktlich, wie es schon Tage vorher auf den Wetterseiten im Web zu sehen war, setzte ab 24:00 Uhr der Regen ein. Bei der nächsten Kontrolle holten wir uns an einer geschlossenen Bäckerei einen Kontrollaufkleber und ich zog mir meine Überschuhe und Neopren-Handschuhe an. Plötzlich tauchten aus der Dunkelheit auf einmal Norbert und Michl aus der gegensätzlichen Richtung auf um sich ihren Aufkleber abzuholen. Wiederum fuhren sie aber vor uns weiter.

Nachdem wir die beiden dann an einem Getränkeautomat in einem der Orte auf der Strecke überholten machten wir noch mal kurz unter einem Dach in einem Industriegebiet eine kleine Verpflegungspause. Danach erwischte es zunächst mich mit einem Ausfall der Edelux Frontbeleuchtung. Nach ein wenig hin- und herschalten ging die Lampe dann aber zum Glück wieder. Kurz drauf erwischte dann Jochen, der ebenfalls eine Edelux hat, das gleiche Problem. Bei ihm schlugen dann aber alle Versuche fehl die Lampe wieder zum Leben zu erwecken. Bei einer Lampe dieser Preisklasse sollte man eigentlich etwas mehr Regendichtigkeit erwarten können! Aber wir waren ja zu viert und so lässt sich so ein Ausfall ganz gut überbrücken. Kurz nach diesem ungeplanten Stopp kamen von hinten wieder Norbert und Michl. Da sie aber an den Steigungen schneller waren überholten sie uns aber recht bald wieder.

Als wir um kurz nach drei Uhr im nun strömenden Regen Versoul erreichten trafen wir die beiden wieder. Norbert verkündete seinen Unmut, dass es hier um diese Zeit unmöglich ist einen Stempel für die Kontrollkarte aufzutreiben und dass er dann halt ohne Stempel weiterfährt. Auch wir vier irrten eine Weile suchend durch die Stadt. Der GPS-Track führte uns zunächst nur zu einem dunklen Parkplatz. Schließlich hatten wir aber riesiges Glück noch eine Musik-Kneipe zu finden in der die Musiker gerade ihr Equipment ins Auto verstauten. Der Wirt gab uns einen Stempel und servierte uns sogar heißen Cafe und Cola. Dazu gab es noch zwei Stücke Pizza die ich seit unserer Champagnole in der Lenkertasche hatte. Es war einer dieser skurrilen Momente die das Brevetfahren für mich zu etwas ganz Besonderen machen!

Um vier Uhr gewährten wir dem Wirt dann seinen Nachtschlaf und machte uns wieder auf in den Regen. Mit gefülltem Bauch und Rückenwind ging es auf leicht ansteigenden Straßen in Richtung Osten. Zu meiner gewohnten Frühsportzeit ging es mir recht gut und ich kurbelte mit viel Spaß der Helligkeit entgegen. Als es hell wurde bekam man den „ergiebigen Landregen“ dann endlich mal zu Gesicht. Ein schöner Anblick war es aber nicht 😉

So langsam ging aber die Energie wieder zur Neige und wir hofften bald eine offene Bäckerei zu finden. Wir mussten uns aber noch bis Giromagny gedulden bis wir erlöst wurden. Und einen warmen Kaffee haben wir dort leider auch nicht bekommen. Der Himmel hatte nun auch alle Schleusen geöffnet und es schüttete richtig. Als wir dann die letzten Wellen hinter uns gelassen hatten fuhren wir dann flach durchs Rheintal. Zu meiner Überraschung legte sich der Regen zeitweise und man konnte sogar die Sonne hinter den Wolken erkennen.

Inzwischen war ich aber richtig leer und der Weg bis zum Rhein kam mir vor wie eine Ewigkeit. Als wir dann endlich an der letzten Kontroll-Tankstelle waren kamen dann zu meiner Überraschung wieder Norbert und Michl von hinten angeradelt. Ich hatte sie eigentlich weit vor uns erwartet und weiß nicht an welcher Stelle wir sie wieder überholt hatten. Gemeinsam machten wir uns auf die verbleibenden 25km wo wir, inzwischen schon fast wieder trocken, nochmal kräftig beregnet wurden.

Da der Augustiner um 10:15 Uhr noch nicht geöffnet hatte holten wir unserem letzten Stempel nach einer Netto-Fahrzeit von knapp über 22,5 Stunden an der Tankstelle gegenüber. Danach waren wir wohl alle froh endlich warm/heiß duschen zu dürfen.

Fazit: Es war eine traumhafte Reise in ferne und mir noch völlig unbekannte Landschaften die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Das anspruchsvolle Höhenprofil (6400 Höhenmeter) und die zehn Stunden Regen machten dies zu meinem bisher anspruchvollsten Brevet. Ich hab mich durch etliche „Hängephasen“ beissen müssen und war am Ende wirklich überrascht wieder mit der ersten Gruppe anzukommen.

Vielen Dank an Urban und Walter die wirklich eine sehr schöne und anspruchsvolle Brevetserie organisiert haben! Auch das ganze „Drumrum“ mit Augustiner und Campingplatz sind absolut stimmig. Ich hab mich bei diesem Brevet schon fast wie zu Hause gefühlt. Eventuell könnte man aber nächstes Jahr das „ARA Breisgau Schönwetter-Hoch“ so verlängern, dass es nicht wie beim 400er und 600er bereits um 24:00 Uhr endet 8)

GPSies - Jura - Brevet 2010 (600km)

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Responses

  1. Ein sehr spannender Bericht!
    Ich hoffe, nächstes Jahr auch den 600er fahren zu können. Bei dem Wetter dieses Jahr bin ich allerdings doch nicht so traurig es verpasst zu haben. Das muss richtig hart gewesen sein. Grüße,
    Gregor

  2. Servus,
    netter Blog und interessante Berichte.
    Schöne Randonneursgrüße aus Pucking/Oberösterreich
    http://thomasbravo.wordpress.com/


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