Verfasst von: dawncycling | 2. Juli 2016

Hagel, Rotlicht & Männer in Müllsäcken

Bericht zur SUPER RANDONNÉE PREALPINA
25.6.-26.6.2016

Superrandonnée?

Eine Superrandonnée ist eine spezielle Form von einem Langstreckenbrevet mit eigenen Regeln. Um als Superrandonnée zu gelten, muss eine Strecke 600 Kilometer aufweisen und dabei mindestens 10 000 Höhenmeter beinhalten. Die Zeitvorgabe richtet sich nach den Höhenmetern – die Prealpina mit 618 Kilometern und 12 674 Höhenmetern ist bei der Randonneurs-Version in einer Zeit von maximal 55 Stunden zu bewältigen. Superrandonnées werden nicht als Brevets, sondern als Permanente angeboten. Der Nachweis der Streckenabsolvierung erfolgt nicht wie sonst üblich durch Stempel in die Brevetkarte, sondern durch Gipfel-Fotos an markanten Punkten, die genau vorgegeben sind.

Meiner Meinung nach stellen die Superrandonnées die Königsdisziplin des Langstreckenradelns dar, da man neben ausreichender körperlicher Fitness auch sehr viel gesammelte Erfahrung auf der Langstrecke mitbringen sollte, um diese Herausforderung erfolgreich zu absolvieren. Unterwegs ist man komplett autark und muss alle auftretenden Schwierigkeiten selbst bewältigen – ohne Netz und doppelten Boden.

Wenn man als Randonneur zu den „Schwerstabhängigen“ unter den Radfahrern gehört, dann sind die Superrandonnées der richtig harte „Stoff“ der besonders heftig reinknallt!

Profile

Die Planung

Schon kurz nachdem ich im Internet über die Seite der SR Prealpina gestolpert war, stand für mich fest, dass ich diese Strecke unbedingt fahren möchte. Durch etliche Urlaube am Lago Maggiore kannte ich die Gegend schon ein wenig und war von der Schönheit der Landschaft dort stets begeistert.

Um den finanziellen Overhead für diese Aktion (Anfahrt, Übernachtung, etc.) in Grenzen zu halten, suchte ich schon frühzeitig nach Mitfahrern. Nach einigem hin und her waren dann schlussendlich meine Begleiter gefunden: Der Superrandonnée Nimmersatte Tobias – er ist die „Belchen Satt“ SR schon vier Mal gefahren. Mit ihm bin ich letztes Jahr bei PBP den Großteil gemeinsam gefahren. Und Marco, der wohl zum Radfahren geboren wurde (Born2Bike). Er war bei PBP 2015 mit ~47h der drittschnellste deutsche Teilnehmer gewesen.

Als Termin wählte ich ein Wochenende dicht an der Sommer-Sonnenwende, um möglichst wenig in der Dunkelheit unterwegs sein zu müssen. Mit der Startzeit um 5:00 Uhr Morgens und unserem selbst gesteckten Ziel die Strecke unter 40 Stunden zu bewältigen käme man also mit nur einer einzigen kurzen Nachtfahrt aus.

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Der lockere Anfang

Um Punkt 5:00 Uhr waren wir mit „German Pünktlichkeit“ zum Start an der Piazza Mazzini in Castano Primo erschienen. Auch Fulvio, der Organisator der Superrandonnée, war schon da und machte das erste Kontrollfoto von uns dreien. Er erklärte uns noch, dass auf dem ersten Abschnitt eine Brücke abgerissen wurde und wie wir diese umfahren können.

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Die Strecke beginnt mit einem angenehm flachen Einrollen in direkter Richtung auf die Berge zu. Und auch die ersten fünf Anstiege weisen noch keine fiesen Steilstücke auf.

Da wir alle erfahrenen Langstreckenradler sind, verabredeten wir schon im Vorfeld, dass es keine festen Verabredungen für eine gemeinsame Gruppenfahrt gibt. Lediglich bis zum ersten Kontrollfoto wollten wir auf jeden Fall zusammen bleiben. Alles andere sollte sich nach dem Motto „alles kann – nichts muss“ ergeben. Bei so einem Vorhaben ist es sehr wichtig seinen eigenen Rhythmus zu finden und sich durch Verabredungen nicht gehetzt oder gebremst zu fühlen.

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Die Dramaturgie beginnt

Die Wetteraussichten sahen im Vorfeld gar nicht so schlecht aus. Am ersten Tag sollte es (mit einer geringen Wahrscheinlichkeit) etwas regnen, aber die Temperaturen sollten stets im angenehmen Bereich bleiben. Und für den zweiten Tag sollte es weitestgehend trocken bleiben. Als wir morgens vor dem Start aufwachten, bemerkten wir in der Ferne Blitze und hatten auf dem Regenradar gesehen, dass ein Gewittergebiet über unsere Strecke zog. Unterwegs sahen wir durch umgestürzte Bäume und Äste auf der Straße dann auch wie wild das Gewitter gewesen sein musste. Aber wir waren noch guten Mutes, dass wir von sowas verschont bleiben und zwischen den Wolken durchfahren könnten.

Den zweiten (längeren) Anstieg aus Biella raus zum Bielmonte begann ich noch mit Marco. Tobias fuhr etwas zurückhaltender. Wie Tobias mir später mitteilte, brauche ich wohl immer zu Anfang eine Phase des Austobens bevor ich „zur Vernunft komme“ – er mag dabei schon etwas Recht haben…

Als dann entgegenkommende Autofahrer mit der Lichthupe und entgegenkommende Radfahrer mit wilden Gesten uns zu verstehen geben wollten, dass wir umkehren sollten, bemerkten wir die Unwetterwand die sich direkt vor uns aufbaute. Aber da wir ja eine Mission zu erfüllen hatten, wurde dies nicht mal in Gedanken in Betracht gezogen!

Kurz darauf begann es dann auch schon zu regnen und wir stoppten um die Regenkleidung anzuziehen. Wegen der recht ordentlichen Vorhersagen hatte ich nur eine Regenjacke dabei. Marco hatte noch ein kurze Regenhose mit, um die ich ihn diesem Moment etwas beneidet habe. Sie mitzunehmen hätte kaum Zusatzgewicht bedeutet. Der „Matarialpoker“ ist bei einer Langstrecke immer eine spannende Sache. Ach ja, Tobias hatte gar keine Regenkleidung dabei ツ

Der Regen steigerte recht schnell seine Intensität und die ersten Sturzbäche flossen über die Straße. Weiter oben kam dann noch (etwas) Hagel hinzu. Nach dem Kontrollfoto bemerkten wir dann aber, dass wir nochmal glimpflich davongekommen waren. Denn auf der Abfahrt war die Straße teilweise komplett mit kirschkerngroßen Hagelkörnern bedeckt bzw. vereist. Weil auch sehr viele Steine und Geröll auf die Straße gespült wurden, war die Abfahrt extrem bescheiden zu fahren. Als bekennendes Abfahrtsweichei also genau mein Ding ツ

Unten in Coggiola war die Lage dann noch etwas wilder. Zuerst hatte ein Erdrutsch die Straße auf ca. 50 Metern mit Erde und Geröll bedeckt und weiter unten dann musste ich durch einen 25cm tiefen „See“ auf einer Brücke fahren.

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Nur höhere Gewalt kann uns stoppen

Nachdem ich wieder auf Marco aufgefahren war, begannen wir unmittelbar mit dem Aufstieg zur Alpe Noveis. Doch schon bald darauf stoppte uns ein Auto, um uns zur Umkehr zu bewegen, da die Auffahrt den kompletten Tag wegen einer Auto-Rallye gesperrt sein sollte. Was für ein Mist! Erstmal ließen wir uns davon nicht stoppen sondern fuhren weiter. Doch schon bald kamen die nächsten Ordnungskräfte. Wir versuchten mit Händen und Füssen unser Anliegen klar zu machen. Wir konnten kein italienisch und die kein englisch. Ich fragte nach Wanderwegen etc. um einen Ausweg zu finden und nicht wegen so einem Mist zu scheitern. Wir verständigten uns dann darauf die Räder zu schieben und bei allen kommenden Autos die Straße zu räumen.

Als wir nur noch ca. 2 KM vom Gipfel entfernt waren kam uns Stefano entgegen. Er war auch Teilnehmer Superrandonnée und ca. sieben Stunden vor uns gestartet. Er konnte gut Englisch und erklärte uns, dass oben kein Durchkommen war. Er hatte mit Fulvio telefoniert und sich mit ihm verständigt, dass wir diesen Anstieg umfahren sollten.

Zurück im Tal in Coggiola telefonierte Stefano erneut mit Fulvio und wir warteten, bis Tobias auftauchte. Wenn er alleine in diese Situation gefahren wäre, hätte er nicht die ganzen Infos, die wir schon hatten. Und er kam dann auch schon bald angefahren und wir erzählten ihm alles.

Zum Glück war die Alpe Noveis kein Pass in ein anderes Tal und ließ sich sehr einfach umfahren! An den nächsten Anstiegen konnte ich Marcos Tempo nicht mehr halten und fuhr alleine meinen Rhythmus weiter. Der Regen hatte aufgehört und die Anstiege ließen sich flüssig treten.

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In Omegna nach 210 KM hatte ich eine Pause geplant um was Richtiges zu essen. Bei einem Chinesen wurde ich fündig und kurz nachdem ich mein Rad abgestellt hatte, begann es wieder zu regnen. Das war wirklich ein optimales Timing bei einem Teller Nudeln einen Schauer auszusitzen.

Als ich noch etwas aus meinen Radtaschen holte, kam dann Tobias angefahren. Er hatte nicht ganz so viel Glück mit dem Regen-Timing und war nochmals nass geworden. Er gesellte sich zu mir und bestellte auch einen Teller Nudeln.

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Es wird steiler

Nach der Pause war der Regen für diesen Tag vorüber und die Sonne kam warm und kräftig zum Vorschein. Mit dem Anstieg zum Mottarone waren aber auch die einfachen Anstiege vorüber und es wurde steiler. Unrhythmisch aber mit traumhaft schönen Aussichten ging es lang nach oben.

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Auch der nächste Anstieg nach Piancavallo war endlos lang, steil und unrhythmisch. Wir waren inzwischen beide etwas angeschlagen und es lief nicht mehr rund. Ich bin den ganzen Tag über nicht in ein richtiges Flow-Gefühl gekommen und trat ziemlich stupide und gequält vor mich hin.

Oben kurz hinter Piancavallo war dann eine sehr skurrile riesengroße Klinik mitten im Wald. Nur durch steile kleine Sträßlein erreichbar, wirkte das Ganze etwas deplatziert und recht unheimlich wie aus dem Horror Film Shining.

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In der Abfahrt enthält der offizielle Track einen Fehler und will uns auf einem Wanderweg weiter nach unten führen. Wir nahmen die Straße, was mit einem doofen Gegenanstieg „belohnt“ wurde.

Unten am Lago Maggiore wollten wir dann vor der bevorstehenden Nacht nochmal was essen und fanden im Touri-Örtchen Cannobio eine geeignete Pizzeria an der Uferpromenade.

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Plötzlich gingen die Lichter aus (bzw. nicht an ツ)

Der Versuch meine Lupine Piko nach dem Essen an den Akku anzuschließen (tagsüber hatte ich mit dem Akku mein Handy geladen) endete in einer akuten Schockstarre! Denn statt zu leuchten blinkte sie nur jämmerlich einen Error-Code und ging wieder aus. Wir versuchten es zunächst mit dem Akku von Tobias aber auch damit das gleiche Blinken. Bei der weiteren Untersuchung fiel mir Wasser hinter der Scheibe auf. Sie war also während des Unwetters einfach abgesoffen. Was ein Epic Fail für eine Lampe dieser Preisklasse! Und da ich mich komplett auf die Qualität der Lupine verlassen hatte, war natürlich keine Ersatz-Frontbeleuchtung in meinem Gepäck.

Nun ist es gar nicht so einfach in einem erschöpften und müden Zustand vernünftige Entscheidungen zu treffen. Wäre ich alleine gewesen wäre mir nur eine Hotelübernachtung bis zum Sonnenaufgang übrig geblieben. Da aber Tobias bei mir war, suchten wir gemeinsam nach einer Lösung.

Da ich aber zu mindestens zwei Rücklichter dabei hatte, schmiedeten wir den Plan, dass ich das Lupine Rotlicht, was sich recht hell stellen lässt, als Frontlicht verwende. Der nächste Anstieg war einer der einfachsten der ganzen Strecke. Vor allem die Abfahrt war nicht steil und sollte so einigermaßen zu bewältigen sein. Wir wollten uns so bis unserem „Depot“ bei KM 370 durchschlagen und dort ein wenig schlafen. Danach wollten wir noch im Dunkeln den Aufstieg zur Alpe di Neggia angehen um dann zum Sonnenaufgang oben zu sein und die Abfahrt im Hellen fahren zu können.

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Eigentlich funktionierte der Plan ganz gut, wenn ich nicht so müde gewesen wäre und Probleme hatte dicht bei Tobias zu bleiben. In der Abfahrt reichte das Rücklicht nämlich nicht für eine sichere Fahrt bei höherem Tempo aus. So entschieden wir uns in der Abfahrt nach Locarno einen kurzen Stopp einzulegen um mal die Augen zu schließen. Und in der Tat helfen in solchen Momenten fünf Minuten mit geschlossenen Augen aus um wieder konzentriert fahren zu können. So erreichten wir dann ohne weitere Probleme Locarno und dann so gegen 1:00 Uhr unser „Depot“ auf der anderen Seite des Sees.

Männer in Müllsäcken

Unser „Depot“ hatten wir in der ersten Kehre des Anstieges zur Alpe di Neggia während unserer Anreise mit dem Auto eingerichtet. Jeder hatte sich Verpflegung und Ersatzteile seiner Wahl in einen Müllsack gepackt. Diese Müllsäcke haben wir dann dort versteckt.

Die Nacht war mit ~19 Grad zwar halbwegs warm, doch friert man in einem erschöpften und durchgeschwitzten Zustand sehr schnell, wenn man auf dem blanken Asphalt liegt. Daher entleerten wir unsere Verpflegungs-Müllsäcke, um darin zu mindestens etwas Wärme zu finden. Es glich einer unlösbaren Aufgabe einen 180cm Mann in einen 120l Müllsack zu falten. Und so lagen wir da auf dem Parkplatz in der ersten Kehre zur Alpe di Neggia und versuchten leicht bibbernd zu schlafen. Ein vorbeifahrendes Auto machte, nachdem es uns entdeckte, auch sofort kehrt um nach dem Rechten zu sehen. Scheinbar hatte der Fahrer noch nie in Müllsäcken schlafende Radfahrer gesehen. Ich winkte ihm, dass alles in Ordnung war und er zog von dannen.

Wie es dann möglich war, in diesem Zustand fast zwei Stunden zu schlafen, ist mir im Nachhinein ein großes Rätsel, aber ich musste Tobias um 3:00 Uhr daran erinnern, dass wir weiter wollten. Also schnell noch die letzten Leckereien aus dem Vorräten gefrühstückt und dann ging es auch schon wieder bergauf.

Die Alpe di Neggia ist von den Steigungsprozenten und von der Länge her einer der härtesten Brocken der Strecke. Aber da die Steigung die ganze Zeit nahezu konstant ist, war sie viel angenehmer zu fahren als befürchtet.

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Nach dem Lampenausfall war ich moralisch leicht durch den Wind. Und es kamen immer weitere Nadelstiche in der Gestalt von seltsamen Gemeinheiten hinzu. Da war die Flasche Fresubin, die ich an meinen Rahmen geklebt hatte und die plötzlich nicht mehr ganz dicht war. Alles war dann extrem klebrig und roch nach Waldbeeren. Dann hatte sich in Locarno meine Kette dermaßen in den Umwerfer verwickelt, dass ich befürchten musste sie nicht mehr frei zu bekommen. Als ich mich dann im Anstieg zur Alpe di Neggia in einer Kehre beim „in den Wald kacken“ noch in Brennnesseln setzte, witterte ich so langsam eine ziemlich üble Verschwörung von finsteren Mächten ツ

In dem frühmorgendlichen Delirium haben Tobias und ich uns auch noch aus den Augen verloren. Keiner wusste, ob der andere vor oder hinter einem war. In den Abfahrten ist es mit der Müdigkeit immer am Schlimmsten, da dort der Puls in den Keller fährt. Und so musste ich in der Abfahrt von der Alpe di Neggia nochmals einen kurzen Powernap machen, um nicht unkonzentriert im Graben zu landen. Unten am See traf ich dann zum Glück bald wieder auf Tobias.

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Plötzlich war die Luft raus

Die finsteren Mächte versuchten weiter mich vom Erreichen meines Ziels abzuhalten. Dieses Mal in der Form eines platten Hinterreifens. Aber es war nicht nur ein einfacher Platten, sondern der Mantel war aufgeschlitzt und der Schlauch schaute raus. Alles andere wäre für diese Tour auch nicht angemessen gewesen ツ

Was ein Glück, dass ich seit den Erlebnissen beim diesjährigen 200er Brevet Mantelflicken von ParkTool mit mir führe. Und so ließen sich die Finsterlinge auch ein weiteres Mal vertreiben und es ging mit frischer Luft weiter!

Gegen 10:00 Uhr vor dem Aufstieg nach Lanzo d’Intelvi hatten wir schon wieder Hunger und fanden ein Bistro wo wir Lasagne bekamen. Erneut regnete es, während wir Pause machten und im Trockenen futterten.

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Nur nicht unterkriegen lassen

Nach der Pause lief es bei mir so langsam wieder besser. Die Müdigkeit war weg und die Sonne machte das Fahren recht angenehm. Körperlich war bei mir alles so weit im Lot. Unsere Bergauffahrten waren zwar keine Glanzstücke mehr, aber für ~500 KM in den Beinen lief der Dieselantrieb noch ganz flüssig.

Unsere Laune wurde von der Aussicht, dass wir trotz der ungeplanten pannenbedingten Pausen das Ziel unter 40 Stunden erreichen sollte weiter beflügelt. Aber die finsteren Mächte versuchten es in Luino ein letztes Mal die Oberhand zu gewinnen: wieder war mein Hinterrad platt. Da es mein letzter Schlauch war, untersuchte ich den Reifen sehr genau und fand nichts. Als letzte Reserven hatte ich jetzt noch Flicken dabei. Nehmt euch in Acht ihr gemeinen Finsterlinge- mit einem Randonneur treibt man keine so üblen Spiele!

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Der letzte Berg, der Passo Cuvignone, war ein völlig unerwarteter Hammer. Auf einer sehr schmalen Straße ging es in unzähligen Kehren steil bergauf. Gegen Ende wurde er dazu immer steiler (~13%). Man hätte meinen können er wolle uns nicht ziehen lassen. Auch die Abfahrt war stressig, da vom vielen Bremsen inzwischen die Hände ziemlich schmerzten.

Flach fahren können wir!

Man könnte meinen, dass wir nach 600 KM in den Beinen die Sache gemütlich auslaufen lassen würden. Weit gefehlt! Im Rausch der Endspurt-Euphorie bretterten wir mit einem 30er Schnitt in Richtung Castano Primo. Die finsteren Mächte waren scheinbar endgültig niedergerungen, oder etwa doch nicht? Nur 15 KM vor Castano Primo setzten sie uns dann noch eine, auf den ersten Blick nicht umfahrbare, Baustelle in den Weg. Unseren Mitfahrer Marco haben sie hier mit dieser Nummer ein paar Stunden zuvor so richtig dran gekriegt – er ist hier einen 30 KM Umweg gefahren. Wir haben jedoch die Umleitungsschilder richtig erkannt und sind nicht auf diesen fiesen Trick reingefallen.

Das wir dann trotz all dieser trickreichen Fallen und Hindernissen Castano Primo erreichten, muss die Finsterlinge dermaßen erzürnt haben, dass sie in rasender Wut über unseren Triumph ein unglaubliches Gewitter über unseren Köpfen entluden. Noch nie zuvor bin ich direkt durch ein so heftiges Gewitter gefahren und hab solch einen lauten Donner erlebt. 4 KM vor Castano Primo wartete Fulvio (der Organisator) auf uns und winkte uns dann in eine Bar um uns zu einem Bier einzuladen.

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Schlussstrich

Unterm Strich war die Prealpina Superrandonnée ein faszinierendes Abenteuer epischen Ausmaßes. Noch nie zuvor hatte ich so viele (ernsthafte) Pannen & Defekte. Aber durch Kameradschaft und Erfahrung ließen sich all diese Probleme lösen. Und das macht das Erlebte im Rückblick umso größer – nach all den Schwierigkeiten am Ende als Sieger dazustehen!

Eine Superrandonnée ermöglicht es einem ein landschaftliches Gebiet sehr intensiv zu erfahren. Durch die niedrige Geschwindigkeit hat man genügend Zeit die Landschaft in allen Zügen zu genießen. Und die SR Prealpina ist landschaftlich der absolute Traum – ich denke das kommt auf den Bildern sehr gut rüber und muss nicht weiter mit Worten beschrieben werden.

Materialtechnisch hab ich wieder einiges gelernt. Das mit den zwei Ersatzschläuchen + CO2 Kartuschen + Flicken + Mantelflicken hat sich als notwendig erwiesen. Zukünftig werde ich bei Abenteuern dieses Ausmaßes sowohl für vorne und hinten eine Backup-Beleuchtung mit mir führen. Egal wie hochwertig ein Produkt auch ist, es gibt immer wieder Ausnahmen, wo auch diese versagen.

Ich hoffe, dass auch Tobias „der Glücksritter“ durch meine Pannenserie die Erleuchtung erlangt hat, dass es sehr riskant ist nur mit 1 Licht vorne, 1 Licht hinten, 1 Schlauch und ohne Regenjacke in den Alpen 600 KM radfahren zu gehen  ツ

Danke Tobias & Marco für dieses unvergessliche „Männerwochenende“ – es war mir eine große Freude mit Euch ツ

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Links

Die Strecke mit allen Kontrollpunkten:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=odfpgmcdcgwqdmag

Flickr Fotoalbum mit vielen weiteren Bildern:
https://flic.kr/s/aHskDbxykd

Aktivitäten auf Strava:
Tilo: https://www.strava.com/activities/622010593
Tobias: https://www.strava.com/activities/621914877
Marco: https://www.strava.com/activities/621497944

Offizielle Seite des Veranstalters:
https://sites.google.com/site/ciclofachiro2/home/super-randonnee-prealpina

Facebook Seite des Veranstalters:
https://www.facebook.com/SUPER-RANDONNEE-PREALPINA-1475170459387639

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Verfasst von: dawncycling | 9. Juni 2016

Everesting Safari

Hier mein Bericht über die Bewältigung der Everesting Challange in Form eines fiktiven Interviews:

Worum geht es beim Everesting überhaupt?

Beim Everesting geht es darum mit dem Fahrrad einen beliebigen Anstieg so lange hoch- und wieder runterzufahren bis man insgesamt 8848 Höhenmeter bewältigt hat. Dabei gibt es kein Zeitlimit, die Fahrt muss aber an einem Stück zurückgelegt werden (d.h. Schlafpausen sind nicht erlaubt). Ob man sich dazu einen hohen Alpenanstieg oder eine Auffahrt zu einer Brücke auswählt spielt keine Rolle. Je nach Anstieg ändert sich nur die Anzahl der notwenigen Wiederholungen. Und je nachdem wie steil der Anstieg ist variiert die notwendige Distanz bis man die 8848 Höhenmeter erreicht hat.

Erfunden hat das Everesting ein findiger Australier. Alle weiteren Infos gibt es auf der offiziellen Website dazu gehören die Regeln und natürlich die Hall of Fame. Und darum geht es letztendlich – die Aufnahme in die „Höllencrew mit den grauen Streifen auf ihren Trikots“.

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Warum hab ich mir das angetan?

Sehr gute Frage ツ Da ich für einen guten Bergfahrer bergauf etwas zu schwer und bergab etwas zu ängstlich bin bleibt eigentlich als einzige Erklärung mein Leidenschaft für völlig sinnbefreite Aktionen übrig, um zu sehen wie weit die persönlichen Leistungs- bzw. Leidensgrenzen reichen. Frei nach dem Motto „normales Radfahren ist langweilig“. Bereits letztes Jahr hab ich mit dem 12 Stunden Mountainbike Rennen in Kühlsheim ein Experiment jenseits des Tellerrandes der „normalen Langstrecken“ gewagt.

Ein etwas rationalerer (aber auch langweiligerer) Erklärungsversuch ist das so ein Everesting ohne großen Aufwand realisierbar ist. Einfach genügend Essen und Kleidung ins Auto laden und schon kann es losgehen. Keine Anfahrt – Keine Startgebühren – Termin ist frei wählbar.

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Welchen Anstieg hab ich gewählt und warum?

Da beim Everesting die zu erreichende Zeit keine besondere Rolle spielt und ich eh keine Rennfahrer-Ambitionen habe plante ich von Anfang an keine einsame Solofahrt sondern einen kleinen aber feinen Rad-Event wo Freunde & Bekannte aus der Region vorbeischauen können um mich ein paar Runden zu begleiten. Durch diesen Plan war klar, dass der Anstieg möglichst nahe an meinem Wohnort liegen sollte. Und da hat sich einer meiner „Hausberge“ – der Anstieg von Eibensbach auf den Stromberg angeboten. Er führt direkt am Firmengelände des bekannten Gerüstherstellers Layher vorbei und wird von den Rennradlern auch als „Layher-Buckel“ bezeichnet.

Der Anstieg ist mit ~2,5km und 150hm zwar nicht besonders lang und mit ~6,5% im Schnitt auch nicht besonders steil. Er besitzt aber ein paar Vorteile für ein Everesting: die Steigung ist recht gleichmäßig und man muss deshalb nicht zu viel die Gänge wechseln und außerdem ist der untere Wendepunkt ein Kreisverkehr wo man auch bei Verkehr sicher wenden kann.

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Und wie hat sich der Anstieg dann in der Praxis erwiesen?

Dem einzigen echten Nachteil des Anstieges hatte ich im Vorfeld kein Augenmerk geschenkt: der Abfahrt. Sie war im oberen Teil sehr rau / ruppig / wellig / mit Schlaglöchern. Da die Abfahrt der einzige Moment beim Everesting ist, wo man sich erholen kann hat sich das auf Dauer als recht zermürbend rausgestellt. Man musste auf diesem Stück stets recht konzentriert fahren und den Lenker fest in der Hand halten. Wer also ein eigenes Everesting plant sollte den Erholungsfaktor der Abfahrt auch in Betracht ziehen!

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Warum bin ich die Nacht durchgefahren?

Nun ja, bei den in letzter Zeit bewältigten Everestings ist der Trend zu verrückten Aktionen deutlich erkennbar: manche machen schon Double-Everestings, ein anderer hat als Erster ein Everesting auf einem Fixie bewältigt und ein weiterer hat das erste Everesting an einer Auffahrt zu einer Brücke mit hunderten Runden gemacht. Dagegen ist der Abendstart um ~18:00 Uhr mit anschließender Nachtfahrt ja nur eine sehr bescheidene Verrücktheit für einen erfahrenen Randonneur ツ

Außerdem hat man die landschaftlichen Sehenswürdigkeiten schon nach den ersten paar Runden genug betrachtet. Daher war die Nachtfahrt sogar eine willkommene Abwechslung wo der Anstieg total anders als tagsüber wirkte. Und die Strecke war nachts auch so gut wie autofrei und man hatte seine Ruhe. Und einen grandiosen Sonnenaufgang im Himalaya-Gebirge zu erleben ist auch mal was Besonderes ツ

Im Nachhinein betrachtet hatten wir mit dem Zeitfenster ein Riesenglück gehabt, denn es waren die einzigen 17 Stunden wo es an diesem Wochenende am Stück trocken war. Kurz nachdem ich fertig war und das Rad in Auto geladen hatte, hatte schon der Regen eingesetzt!

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Und was denkt / macht man dann die ganze Nacht immer wieder den gleichen Anstieg hochfährt?

Nun es war schon recht monoton. Die einzige Spannung war es unzählige Schnecken bei der Überquerung der Straße zu beobachten. Jede Runde waren sie (wie auch ich) ein Stück weiter. Leider hat aber scheinbar keine der Schnecken jemals den Gipfel bzw. die andere Seite der Straße erreicht, denn meistens kam dann doch mal ein Auto angefahren und beendete den Schnecken-Sprint abrupt.

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Wie hart ist ein Everesting im Vergleich zu einem Brevet?

Ich empfand es als sehr hart – sowohl körperlich als auch mental. Der für mich härteste Punkt war wohl der, dass man nie in einen „Flow-Zustand“ kam, wie ich ihn sonst von den Brevets gewohnt war. Der ständige Wechsel zwischen Auf- und Abfahrt war ein konstanter Dauerstress. Ob das bei einem längeren Anstieg mit weniger Wiederholungen besser ist weiß ich nicht.

Und auch körperlich war ich danach deutlich kaputter als z.B. nach einem 400er Brevet. Auf einer „normalen“ Strecke gibt es immer wieder mal längere Erholungsstücke wo man sich trotz körperlicher Erschöpfung wieder erholen bzw. mit geringem Kraftaufwand durchmogeln kann. So was gibt es bei einem Everesting nicht…

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Wie hat das mit der Unterstützung durch Sherpas funktioniert?

Ich hatte eine Woche vor dem Everesting eine Einladung an meine Strava-Freunde/Bekannte ins Web gestellt. In wie weit das dann aber tatsächlich funktionieren würde und wie viele vorbeischauen würden war mir im Vorfeld nicht klar – es war ein Experiment.

Und was soll ich sagen – es war dann der Hammer! Aber der Reihe nach:

– Meine wertvollste und treueste Unterstützung war meine Randonneurs-Kollegin Karin. Sie hatte zwar erst am Wochenende zuvor mit dem 600er Brevet in Treuchtlingen ihre erste Super-Randonneur Serie mit Erfolg bewältigt, aber getreu dem Motto „einem frisch gebackenem Super-Randonneur ist nichts zu schwör“ war sie vom Anfang bis zum Ende mit mir unterwegs. Bis auf die ersten zwei Runden fuhren wir aber beide unseren eigenen Rhythmus. Es war aber trotzdem sehr motivierend zu wissen, dass man nicht alleine seine Runden dreht. Und auf jeder Ab- und Auffahrt begegnete man sich ja zwangsweise immer wieder. Da sie im Gegensatz zu mir aber ein echtes Bergzieglein ist war der Unterschied zwischen uns gar nicht arg groß. Am Ende hatte sie nur vier Runden weniger als ich auf dem Tacho stehen und hätte nur noch eine starke Stunde benötigt um auch auf dem Gipfel zu stehen. Aber wie ein echter selbstloser & aufopferungsvoller Sherpa so ist, sah sie keine Notwendigkeit für weitere Anstrengungen nachdem ich den Gipfel erklommen hatte. Aber einen sehr starken Himalaya Gipfel hatte auch sie mit über 8.400 Höhenmetern auch bewältigt!

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– Abends schauten meine Family und mein Randonneur-Nachbar Wolfi mit dem Auto vorbei. Man sah sich zwar immer nur kurz oben auf dem Parkplatz, es hat mich aber trotzdem sehr gefreut.

– Zur Geisterstunde nach Mitternacht kamen dann Marco und Rainer mit dem Rad vorbei. Das war echt eine sehr coole Überraschung und hat viel Spaß gemacht. Sie blieben bis zu meinem Halbzeit-Bergfest nach 30 Runden dabei. Die nächtlichen Fachsimpeleien so gegen 2:00 Uhr über Sportlernahrung auf Langstrecken blieb mir nachhaltig in Erinnerung.

– Die nächsten Überraschungsgäste waren dann Marcel und sein Freund Jan die vor ihrem Frühstück erstmal so ~1000 Höhenmeter zum Frühsport machen wollten. Der Knüller dabei ist, dass Marcel mein Chef ist! Wie geil ist das denn? Da kommt der Chef vorbei und leistet Hilfsdienste bei der Bezwingung des Everests! Ich hab schon einen echt geilen Arbeitsplatz mit absolut coolen Chef(s)! Danke ツ

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– Gegen Ende ging es dann Schlag auf Schlag und die lückenlose Unterstützung war jederzeit gegeben. Erst kamen Günter & Martina aus Bönnigheim, dann Uwe aus Weingarten und dann Gerd aus Nussdorf. Die Unterstützung hat mir echt sehr viel geholfen und nach einer sehr zähen Phase beim Sonnenaufgang lief es wieder deutlich besser und meine Rundenzeiten waren auf den letzten 10 Runden besser als in den 20 vorangegangenen.

Als Fazit kann ich jedem der ein Everesting plant nur dazu raten möglichst viele Mitfahrer zu motivieren. Dadurch wird das stupide auf und ab deutlich erträglicher. Ob die Mitfahrer direkt bei einem sind oder ihren eigenen Rhythmus fahren spielt meiner Meinung nach keine allzu große Rolle – alleine die Tatsache dass man nicht alleine auf der Strecke ist, ist sehr motivierend!

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Wie konstant kann man so ein Everesting fahren?

Da Zahlen mehr sagen als Worte hab ich meine aufgezeichneten Daten mal ausgewertet und hübsch gruppiert:

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Man kann deutlich erkennen wie die Nachtfahrt (Runde 35-51) die Rundenzeiten nach unten drückten und wie mich die Sherpas, die am Sonntagmorgen vorbeischauten, wieder motivierten.

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Und wie war die Verpflegung?

Gegenüber normalen Langstrecken-Touren hat man ja beim Everesting ganz andere Bedingungen und Möglichkeiten. Einerseits hat man sein Auto dabei wo man sich Vorräte bunkern kann. Andererseits kommt aber auch nie an einer Einkaufsmöglichkeit vorbei wo man spontan sich was zu essen kaufen könnte. Daher musste alles geplant werden!

Neben der üblichen Sportlernahrung die im Auto bereitstand hatte ich bei einem Pizzadienst Pizzen auf 23:00 Uhr bestellt. Bis dahin waren die ersten 20 Runden bewältigt und die Lieferung im Dunkeln auf den Wanderparkplatz hatte zum Glück auch super funktioniert.

Morgens auf ca. 6:00 Uhr hatte dann Karin noch einen Knüller beigesteuert: von ihrer Mutter selbst gebackener Hefezopf und frischer Kaffee in ausreichender Menge für uns und alle Sherpas. Sehr lecker!

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Was war der witzigste Moment?

Das war definitiv in der letzten Runde als ich zum letzten Mal unten am Kreisel gewendet hatte und plötzlich ein Moped kurz  vor mir einbog und den Layher-Buckel hochtuckerte. Ich hängte mich in einem (kurzen) Anflug von Übermut an sein Hinterrad und donnerte mit ~40km/h auf einem kurzen flachen Stück auf den Anstieg zu. Meine Sherpas müssen bestimmt gedacht haben, dass ich jetzt komplett durchdrehe. Aber sobald der Anstieg etwas steiler wurde, hab ich mich dann wieder im gefühlten Schneckentempo von ihnen ziehen & schieben lassen ツ

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Gab es technische Probleme?

Probleme mit dem Rad oder Platten gab es keine. Das einzige Problemchen waren die Tücken wie moderne GPS Geräte die Höhenmeter messen. Ich bin im Vorfeld den Anstieg schon mit ein paar Wiederholungen gefahren und hab danach die gemessenen Höhenmeter durch die Anzahl der Anstiege geteilt. Dabei kamen ~150 Höhenmeter raus. Das Everesting bin ich dann mit dem Garmin Edge 520 als Tacho (mit Leistungswerten) und einem Garmin Oregon als Backup gefahren. Da die Aufzeichnung für ein Everesting das zentrale Ergebnis ist wollte ich hier kein Risiko eingehen. Als ich zu Hause das Ergebnis des Edges auf Strava hochgeladen hatte zeigte Strava mir nur irgendwas mit 8600 Höhenmetern an. Daher hab ich dann die aufgezeichnete GPX Datei des Oregons verwendet und das Ergebnis war dann mit 9065 Höhenmetern auch fast exakt so wie es mir berechnet hatte (60 x 150m = 9000m).

Ich hab dann noch etwas recherchiert und habe bei einigen anderen Everestings ähnliche Kommentare gefunden, dass sie das Ergebnis eines Edge Gerätes nicht verwenden konnten (z.B. https://www.strava.com/activities/577007208). Daher ist mein Tipp an alle die ein Everesting planen immer mit mindestens zwei Geräten aufzuzeichnen.

Im Höhenprofil der Edge Aufzeichnung erkennt man das Problem auch mit bloßem Auge ganz gut. Es besteht ein erheblicher Drift von links nach rechts und mit jeder Runde wurde der obere Wendepunkt niedriger. Bevor ich hier den Everest erreicht hätte, wäre ich sicherlich im Mariannengraben gelandet ツ

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Hier zum Vergleich das Strava Profil des Oregons:

Profile

Und wo finde ich das Ergebnis zum nachschauen?

Natürlich auf Strava, denn wenn es nicht auf Strava ist, ist es auch nicht wirklich passiert! Jeder er es noch nicht getan hat, ist herzlich willkommen einen Kudo zu hinterlassen:

https://www.strava.com/activities/599061489

EVEREST

Verfasst von: dawncycling | 4. September 2015

Cœur de Randonnée

Bericht zu Paris-Brest-Paris 2015
16.8.-19.8.2015

„Irgendetwas ist hier seltsam“ war mein erster Gedanke, als es mir nicht gelang den Zündschlüssel im Auto mit der rechten Hand umzudrehen und so den Motor zu starten. Es lag nicht an einem defekten Zündschloss sondern daran, dass meine rechte Hand leicht taub war und bei dieser Art von Drehbewegung schlicht und einfach ihren Dienst verweigerte. Aber anstatt in Sorge und Panik zu verfallen stellte sich bei mir gleich wieder dieses Dauergrinsen im Gesicht ein, welches mich schon die letzten drei Tage begleitet hatte. Kannte ich doch den Grund meiner tauben Hände ganz genau: Das intensive Studium des franz. Asphalts in allen seinen Ausprägungen über 1230 Kilometer Länge bei der 18. Austragung von Paris-Brest-Paris. Mit der zusätzlichen Hilfe der linken Hand gelang es mir dann doch noch den Motor zu starten und vom Campingplatz in Versailles aus in den verdienten Familienurlaub nach Südfrankreich zu starten.

PBP (Paris-Brest-Paris) ist das „Herz aller Wanderungen“ (Cœur de Randonnée) welches weltweit alle Langstreckenradler verbindet. Es ist sozusagen das Mekka aller Radsüchtigen, zu dem alle vier Jahre aus allen Herren Ländern gepilgert wird.

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Der Traum von PBP hatte mich, nachdem ich 2007 noch Zuschauer übers Internet war, ab 2008 selbst zu einem Wanderer (Randonneur) gemacht. Nachdem dieser Traum für mich 2011 auf Grund von Sitzproblemen (Abszess) nach rund 700 Kilometern in Carhaix zunächst geplatzt war, stand für mich fest es auch 2015 wieder zu versuchen. Mit dieser Vorgeschichte und den Erfahrungen von 2011 war meine geplante Strategie eher defensiv ausgerichtet. Ich wollte die Prüfung unbedingt bestehen und dabei so viel Spaß wie möglich haben. Ein zeitliches Ziel hatte ich mir deshalb absichtlich nicht gesetzt. Vielmehr wollte ich stets die Kontrolle über mich behalten. Erlebte ich die erste Hälfte 2011 doch eher wie einen großen Wirbel, der mich mitgerissen hatte und in dem ich mehr oder minder ohne Kontrolle umhergewirbelt wurde.

Ein nicht unwichtiger Teil der Prüfung PBP sind auch die letzten Stunden vor dem Start. Es ist ein einmaliges Schauspiel, wenn man an diesem Tag die Fahrer auf dem Campingplatz dabei beobachtet, wie sie mit ihrem Lampenfieber umgehen. Manche stehen schon morgens um 8:00 Uhr in kompletter Radmontour bereit und erhoffen scheinbar mit einem Last-Minute-Training noch was zu verbessern. Viele schrauben und optimieren noch irgendwelche Dinge am Rad. Andere trippeln einfach stundenlang im Kreis umher. Sich von dieser allgegenwärtigen Nervosität sich nicht anstecken zu lassen ist quasi unmöglich.

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Da ich ja defensiv starten wollte, wählte ich nicht den ersten Startblock sondern den dritten. Auch in der Startaufstellung stellte ich mich eher in die hinteren Reihen. Erstes Ziel war es den Abschnitt bis zur ersten Kontrolle bei KM 220 schadfrei zu überstehen. Zu Beginn bilden sich immer Riesengruppen von bis zu 100 Fahrern und ab und zu bekommt man auch einen Sturz mit. Von Mortagne bis Villaines war ich mit meinem Freund Stefan unterwegs und als ich ihn hinter Villaines zurücklies kam auf einmal Tobias Jandt von hinten angeradelt. Obwohl er eine halbe Stunde vor mir gestartet war hatte er auf Grund von zwei „Schlamassel-Missgeschicken“ (Weste verloren & Trinkflaschen an der Kontrolle vergessen) ein paar Zusatzkilometer gesammelt – man hätte meinen können er sei schon die dritte Nacht unterwegs😉

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An der zweiten Kontrolle in Fougeres gab es dann noch eine kurze Schrecksekunde für mich. Das wichtigste Gepäckstück bei einem Brevet ist das Stempelheft. Dieses hütet man wie einen Schatz und trägt es am besten in einem Brustbeutel immer ganz nahe bei sich. Nun haben die neuen offiziellen PBP Brustbeutel den Nachteil, dass das Material recht unflexibel und rutschig ist. Und so muss mir nach der erste Kontrolle der schwerwiegende Fehler unterlaufen sein, dass ich das Stempelheft unter statt in den Brustbeutel gesteckt habe. Bemerkt hatte ich dies dann erst an der zweiten Kontrolle wo es glücklicherweise immer noch zwischen Unterhemd und Brustbeutel „rumhing“. Nicht auszudenken wenn ich unterwegs verloren hätte. Leider war es seit dem vom Schweiß durchtränkt nur noch ein recht unansehnliches Häuflein Papier. Aber alles war noch erkennbar und ich hab mich an jeder der folgenden Kontrollen dafür bei den Kontrolleuren entschuldigt😉

Danach war das Bild bis Brest eigentlich recht konstant. Tobias und ich waren ein gut funktionierendes Team mit wechselnden Begleitern. Mal schleppten wir diese nur mit, mal beteiligten sie sich fair an der Arbeit. Schwamm ich 2011 bis Loudeac meist in großen Gruppen mit, so wurde dieses Mal alles selbst erarbeitet. Das gefiel mir sehr gut und ich hatte stets das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben.

Das Wetter war diesmal ein echter Traum! Komplett trocken, nahezu windfrei und nicht zu heiß. Ein besseres Radwetter konnte ich mir nicht vorstellen und die Bretagne zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Hohe Wolken gaben einem das Gefühl von Weite und das Dahingleiten auf dem Rad machte mir große Freude. Ich begann richtig tief in das Erlebnis PBP einzutauchen und genoss jeden einzelnen Kilometer.

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Obwohl ich auf dem Hinweg viel mehr als vor vier Jahren vorne im Wind gefahren war und dabei trotzdem noch Reserven übrig hatte, erreichte ich nur 15 Minuten später die Brücke in Brest als letztes Mal (nach 23h 15min).

Auf dem Stück von Brest nach Carhaix verarbeitete ich meine Leidensphase auf diesem Abschnitt vor vier Jahren. Dieses Mal fühlte ich mich immer noch gut und auch der Sitzbereich, den ich auf dem Hinweg alle 200 KM kontrolliert und gepflegt hatte, wies keine größeren Probleme auf. Dieses Mal begann Tobias ab dem Wendepunkt eine leichte Schwächephase zu bekommen. Aber mal einen Abschnitt „gepflegt rumzueiern“ tut auch ganz gut. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht erreichte ich Carhaix, mit dem Wissen hier dieses Mal nicht in den Zug zu steigen, sondern entschlossen weiter nach Paris zu radeln!

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Nachdem ich in den frühen Morgenstunden der ersten Nacht schon etwas mit der Müdigkeit zu kämpfen hatte und diese Müdigkeit zu Beginn der zweiten Nacht schnell zurückkehrte, diskutierte ich mit Tobias die möglichen Schlafoptionen. Da mir zu diesem Zeitpunkt meine Zielzeit immer noch egal war und ich das Erlebnis PBP mit all seinen Facetten aufsaugen wollte, entschied ich mich mit Tobias an der Geheimkontrolle vom Hinweg in Saint-Nicolas den offiziellen Schlafsaal aufzusuchen und dort für ca. zwei Stunden zu schlafen. Für 4€ bekam man dort ein Feldbett mit Leintuch in einer Turnhalle. Was bin ich froh, dass ich dieses einmalige Erlebnis nicht verpasst habe! Leider konnte ich, obwohl ich eigentlich müde war, nicht richtig schlafen da mein Körper immer noch völlig aufgedreht war. Aber sich zwei Stunden hinzulegen, auf dem Handy die sozialen Kontakte pflegen und ein wenig die Augen zu schließen reichten mir um wieder erholt weiterfahren zu können.

Nachts um drei Uhr erlebten wir dann die nächste Schrecksekunde als die Kunststoff-Halterung an Tobias’ Frontbeleuchtung brach (BUMM Luxos). Was für eine Zufall, dass just in diesem Moment der Hausbesitzer, von dem Haus wo wir gerade standen, leicht angeheitert nach Hause kam und eine Rolle Gaffa-Tape besorgen konnte. An der nächsten Kontrolle in Loudeac ließ er die Lampe vom Mechanik-Team etwas sicherer befestigen.

In den frühen Morgenstunden des Dienstages holten uns dann die Niederrheiner Roger Krenz und Stefan Hassel mit einigen Franzosen im Gepäck ein. Wir schlossen uns ihnen an und es machte mir Spaß ein wenig zu plaudern. Mir ging es immer noch prächtig und ich fuhr gerne und viel vorne. Der Leistungsmesser half mir dabei super das Tempo für die Gruppe angenehm zu dosieren. Zu diesem Zeitpunkt fuhren wir bergauf ~180 Watt und ließen es bergab laufen.

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Tobias bekam leider immer mehr Probleme. Da er mit leichten Halsschmerzen starten musste, quälten ihn ständig etwas Husten und die Sorge, dass sich dieser ausbreiten könnte. Nach einem weiteren „Schlamassel-Zwischenfall“ von ihm verloren wir die Niederrheiner und waren wieder zu zweit unterwegs. Da sich bei ihm nun auch noch Probleme an beiden Achillessehnen einstellten und am Berg nur noch 120 Watt drin waren konnte man nun eigentlich nicht mehr von einem flüssigen Vorankommen reden. Da wir schon über 600 Kilometer toll zusammengearbeitet hatten, wäre ich mit ihm den Brevet gerne zu Ende gefahren. Da aber der kräftemässige Unterschied zwischen uns immer grösser wurde und ich auch nicht allzu sehr in den Mittwoch reinfahren wollte, überlegten wir wie es weitergehen könnte. Als dann Michael Felber von hinten mit flottem Tritt angefahren kam, nahm ich die Gelegenheit war und schloss mich ihm an.

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Wenn mir vorher jemand erzählt hätte, dass ich bei KM 950 mit dem Endspurt anfangen würde, hätte ich ihn sicherlich ausgelacht. Was für ein tolles Gefühl wenn man zu diesem Zeitpunkt die Hügel noch mit 250 Watt hochdrückt und an vielen Mitfahren förmlich vorbeifliegt! Alle defensiven Strategien wurden jetzt beerdigt und alle Regler auf volle Fahrt gestellt. Wie verflogen war zunächst jegliche Müdigkeit und wir nahmen den schweren Streckenabschnitt um Mortagne recht flüssig unter die Räder. Natürlich begann man jetzt mit dem Rechnen, wann man wohl das Ziel erreichen könne. Eine Zeit unter 60 Stunden wollte ich nun auf alle Fälle noch erreichen.

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Die Hügel wurden nun zwar weniger, aber dafür kam die heftige Müdigkeit der dritten Nacht. Hinter Dreux mit dem Ziel schon fast vor Augen mussten wir uns für einen kurzen Nap in einen Park legen. Michael war sofort weg, ich konnte natürlich wieder nicht wirklich schlafen, aber schon das Schließen der Augen ist eine große Wohltat, die für eine bessere Weiterfahrt ausreicht.

Es war sehr kalt und ich hatte sowohl meine Weste als auch meine Jacke an. Der Asphalt rund um Dreux gehört gefühlt zum fiesesten Stück von PBP. Alle Kontaktpunkte mit dem Rad wie Hände und Sitzbereich schmerzten zunehmend und das ständige Gerüttel auf dem rauen Grobasphalt zermürbte zusehends.

Ich hatte nun den Wunsch in mir, nachdem wir tagelang nur durch „Ackerzucht und Viehbau“ geradelt waren, endlich etwas durch städtische Gebiete zu radeln. Erstens wäre es dort wärmer und zweitens auch heller. Aber stattdessen fuhren wir von einem Wald in den nächsten. Lediglich die letzten fünf Kilometer waren etwas städtisch. Als ich bis zum Ziel einen Engländer begleitete, der auf einem Fixie fuhr, wurde mir ein weiteres Mal klar, dass es immer noch eine Stufe verrückter geht.

Der Zieleinlauf ins Velodrom war nachts um drei Uhr nach 58:41 Stunden Gesamtzeit rein äußerlich eher still und ohne viele Zuschauer. Innerlich war es für mich ein sehr emotionaler Moment von dem ich lange geträumt hatte!

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Nachbetrachtung 1: Sport
Da ich meinen Tacho (Edge 500) dank externem Akku die ganze Zeit mitlaufen lassen konnte, hatte ich stets ein zeitvertreibendes Zahlenkino vor Augen. Die (nicht ganz ernst gemeinte) Frage, die sich mir während der Fahrt immer wieder stellte, war die, ob Superbrevets überhaupt Sport sind. Mit einem gemessenen Durchschnittspuls von 103 Schlägen könnte man eher an meditative Tiefenentspannung denken. An den Anstiegen gegen Ende kam mein Puls nur noch ganz selten in den dreistelligen Bereich.

Technisches Detail: Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, dass man einen Edge 500 während der Fahrt nicht laden kann, habe ich nach etwas Internetrecherche eine funktionierenden Lösung gefunden die ohne zu löten ganz einfach funktioniert. Man benötigt dazu lediglich ein speziell belegtes OTG USB Kabel und einen USB Adapter von männlich auf männlich. Damit kann man dann den Edge mit jeder beliebigen USB Stromquelle (Powerbank) während des Fahrens laden.

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Nachbetrachtung 2: Lichtseuche
Die technische Entwicklung der Fahrradbeleuchtung ist wirklich ein Segen für alle Nachtradler. Noch nie hat man so viel gesehen und war so sicher unterwegs. Aber was für ein Fluch diese „Lumenflut“ für den Gegenverkehr darstellt hatte ich in der zweiten Nacht erlebt, als mir der große 90h Block entgegenkam. Nur noch selten hab ich meinen eigenen Lichtkegel erkannt und bin die Abfahrten die meist keinerlei Markierungen bzw. reflektierenden Markierungen hatten quasi im Blindflug runtergeflogen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Streckenabschnitte, wo Hin- und Rückweg unterschiedlich verlaufen, so schätzen würde.

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Nachbetrachtung 3: Sitzprobleme
Da ich eine vielseitige Leidensgeschichte mit Sitzproblemen auf der Langstrecke hinter mir habe, möchte ich hierzu auch eine kleine Nachbetrachtung schreiben. Hatte ich letztes Jahr noch geglaubt mit dem Linola Schutzbalsam die ultimative Sitzcreme gefunden zu haben, so hatte sich diese beim letzten Vorbereitunsbrevet vor PBP als reines Gift für meine Haut erwiesen. Mein Körper muss eine heftige Allergie gegen einen der Inhaltsstoffe im letzten Jahr entwickelt haben.
Dank einem Tipp von Frank M. aus der Schweiz wurde ich auf die Eucerin Aquaphor Repair Salbe aufmerksam. Sie sieht aus wie reine Vaseline und soll aber die Hautporen nicht verschließen und so die Haut weiterhin atmen lassen. Ich hatte diese Salbe ca. alle 200 KM nachgecremt und bin damit ohne ernsthafte Sitzprobleme durchgekommen. Natürlich hat man auf dem letzten Drittel zunehmend Probleme mit Druckschmerzen vom vielen Sattelsitzen. Aber das geht wohl (fast) jedem Fahrer so und gehört einfach dazu. Ein großer Dank geht an Frank, der mir mit diesem Tipp sprichwörtlich „den Arsch gerettet hat“!

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Fazit: Ich freue mich total darüber, dass ich das Erlebnis PBP so gut genießen konnte und so viel Spaß dabei empfunden habe. Mein 1230 Kilometer anhaltendes Dauergrinsen kommt ja auf den Fotos ganz gut rüber. Es war eine gute Entscheidung gewesen ohne persönliche Zeitvorgabe und Druck zu starten und die Dinge einfach fließen zu lassen. Ich bin viel mit alten und neuen Freunden unterwegs gewesen. Die Randonneure sind wie eine große Familie und das Fahren mit anderen knüpft neue Verbindungen durch das gemeinsam Erlebte. Bis auf ein paar Taubheitsdefizite an den Kontaktpunkten zum Rad (Hände etc.) ging es mir körperlich prima. Und inzwischen gelingt es mir auch schon wieder den Zündschlüssel im Auto einhändig umzudrehen😉

Links:

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Verfasst von: dawncycling | 2. Juni 2015

400 Diables Rouges

Bericht zum 400er “Schwarzwald+” Brevet von Audax Suisse
am 30. & 31. Mai 2015

Würden alle meine Brevets so reibungslos wie meine ersten drei Brevets dieses Jahres ablaufen, so würde ich wahrscheinlich keine Brevet-Berichte mehr schreiben. Was soll man da denn auch noch groß schreiben? Man spult mit seiner gesammelten Erfahrung die Kilometer ab und erreicht routiniert das Ziel. In meiner achten Brevetsaison lief soweit auch alles nach Plan. 200, 300 und 600 Kilometer bewältigte ich flott und routiniert. Den 600er beim Karl sogar erstmalig unter 24 Stunden. Doch (zum Glück) wurde ich bei meinem vierten Brevet dieses Jahres von dieser Wolke aus Routine und Perfektion wieder auf den Boden der Langstrecken-Realität zurückgeholt. Jeder einzelne Brevet ist ein Abenteuer und eine neue Herausforderung. Mal klappt einfach alles, ein anderes Mal geht aber auch alles schief, mal will der Kopf einfach nicht usw.

Aber nun der Reihe nach im gewohnten Erzählstil😉

Zusammen mit Tobias hatte ich mich zum 400er Brevet beim nagelneuen Brevet-Startort der Schweizer „roten Teufel“ aka Diables Rouges (http://www.audax-suisse.ch) angemeldet. Trotz dem Start in der Schweiz sollte die Strecke sonst komplett durch Deutschland führen. Etwas Bodensee, ein Stück das obere Donautal entlang und dann noch ein wenig in den Schwarzwald eintauchen versprach ein abwechslungsreiches Programm. Eine gewisse Unbekannte war der angekündigte Anteil auf unbefestigten Schotterwegen – aber die Neugier hat überwogen.

Da wir nach dem Brevet noch mit dem Rad nach Hause radeln wollten sind wir mit dem Zug angereist. Beladen mit etwas zusätzlichem Gepäck um auf der Rückfahrt mit dem Schlafsack noch ein wenig Radcamping-Abenteuer genießen zu können. Das Starterfeld war mit 20 Teilnehmern sehr übersichtlich – aber so ein neuer Startort muss erst noch wachsen. Und die Schweiz scheint brevetmässig auch eher ein Diaspora Gebiet zu sein.

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Beim Lesen der superschicken Website des Veranstalters bezüglich der technischen Abnahme hatten Tobias und ich teilweise Angst ob wir überhaupt starten dürfen. Das die Schweizer Ordnung, Regeln und Gesetze lieben ist eventuell nur ein Vorurteil, aber diese technische Abnahme schien dieses Vorurteil eindeutig zu bestätigen.

Als wir dann um 20:05 Uhr losgefahren sind und vorher keiner mein Rad bzw. meine Reifen anschauen wollte war ich irgendwie ein wenig enttäuscht. Ich überlegte schon kurz ob ich ein Teil meines Startgeldes zurückverlangen sollte, da mir dieser „integrale Bestandteil“ des Brevets verwehrt blieb😉

Spaß beiseite, Thomas der Veranstalter ist ein sehr netter und relaxter Typ der die Dinge eher locker sieht. Es wäre meiner Meinung nach passender statt der „angsteinflößenden“ Regeln eher gutgemeinte Empfehlungen für eigenverantwortliche Randonneure zu geben.

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Los ging es mit kräftigem Rückenwind gen Konstanz. Der ortskundige Thomas P lotste uns über die Radwege, dass es einem fast schwindelig wurde. Nach der Fährüberfahrt von Konstanz nach Meersburg ging die rasante Fahrt auf Thomas P’s täglichem Arbeitsweg in ungebremsten Tempo weiter. Er kannte jeden Winkel und jede Kurve – das dranbleiben war nicht immer einfach.

Schon auf dem Weg nach Ravensburg spürte ich, dass in meinem Sitzbereich etwas nicht ganz stimmte. Mein Sitzfleisch fühlte sich etwas gereizt an. Das machte mich etwas nachdenklich, war ich doch auf der Suche nach dem „heiligen Gral“ des optimalen Sattels auch das Risiko eingegangen einen neuen Sattel zu testen. Sitzprobleme sind leider schon seit immer mein wunder Punkt beim Langstreckenradeln gewesen. Und nun nach noch nicht mal einem Viertel der Strecke aufkommende Sitzprobleme verhießen nichts Gutes. Der Sattel war aber (noch) nicht das spürbare Problem. Vielmehr wirkte es so als ob meine Haut meine geschätzte Linola Sitzcreme nicht mehr vertragen würde. Entweder hat mein Körper eine Unverträglichkeit dagegen entwickelt, oder der Inhalt der Tube vom letzten Jahr war nicht mehr gut gewesen. Ich versuchte den Gedanken daran, mit einem geröteten und gereizten Pavian-Hinterteil noch weitere 300km fahren zu müssen so weit wie möglich von mir fernzuhalten. Unsere Fünfergruppe lief nach anfänglicher Hektik immer besser und der Abend war mild und angenehm.

Nach den ersten Hügeln hinter Ravensburg, die mit kräftigem Druck genommen wurden, war das obere Donautal ein wahrer Sinnes-Flash! Bei Mondschein auf den gut rollenden Straßen durch die kleinen Felsentunnel zu fahren war mein persönliches Highlight der gesamten Strecke. Und auf dem kompletten Stück an der Donau von Inzigkofen bis Beuron sind wir keinem einzigen Auto begegnet!

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Hatte ich bei all den schönen Eindrücken um mich rum meine Sitzprobleme weiter ausblenden können so kamen sie doch immer wieder spürbar zurück. An der Kontroll-Tankstelle in Tuttlingen nahm ich die Gelegenheit wahr auf der Toilette mal nachzusehen was genau eigentlich schief läuft. Wie vermutet war meine Haut im Sitzbereich stark gereizt. Das einzige was ich machen konnte war, eine weitere Ladung von der Creme aufzutragen, die mir die Probleme mutmaßlich eingebrockt hat.

Nach Tuttlingen wurde es hell und wir näherten uns dem Schwarzwald. Auf einem langen Schotterabschnitt, der alten Vöhrenbacher Straße, lief es eigentlich noch ganz gut. Doch danach fing es bei mir an immer zäher zu laufen. Aus dem Hexenloch raus konnte ich den anderen am Berg nicht mehr folgen. Nach einem Liter Cola und einer längeren Pause bei einem Bäcker in Hinterzarten ging es dann wieder halbwegs.

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Im welligen Anstieg hinter Neustadt trennte sich unsere Fünfergruppe dann. Die zwei starken Fahrer Marco und Thomas fuhren normal weiter. Und wir anderen drei (Frank, Tobias und ich) nahmen etwas Tempo raus.

Auf den letzten hundert Kilometern durchs Hegau wurde dieser „kleine“ Brevet dann noch zu einer echten Prüfung für mich. Eine Sitzposition die nicht schmerzte war auf dem Sattel schon eine Weile nicht mehr zu finden. Wenn es dann noch über Schotterpassagen ging war nur noch im Stehen fahren möglich. In Blumberg, welches wir über eine >20% steile Straße erreichten, hielt ich an einer Apotheke an um mir schon mal eine Wundsalbe mitzunehmen. Und auch kräftemässig kam ich nicht mehr zurück und musste echt beißen um diese Prüfung noch zu bewältigen.

Unsere Dreiergruppe war sehr nett und unterhaltsam und so blieb, trotz aller körperlichen Probleme, zu mindestens die Stimmung stets im Spaßbereich😉

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Die Streckenwahl war insgesamt sehr gut gelungen. Viele gut ausgesuchte kleine Strassen und Radwege. Der Schotteranteil bewegte sich in einem sehr kleinen Bereich und brachte etwas Abwechslung ins monotone Treten.

Auf Grund meines wunden Hinterteils musste die geplante Rückfahrt per Rad leider in eine weitere Zugfahrt umgewandelt werden. Da Tobias und ich aber schon die Camping Ausrüstung im Gepäck hatten liesen wir uns nicht nehmen den Brevet mit einer Outdoor Übernachtung auf dem Aussichtspunkt Rosenegg ausklingen zu lassen. Das Dosenbier mit Bodenseeblick und dann boofen unter freiem Himmel war der kröndende Abschluss eines erlebnisreichen Brevets!

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Fazit:

Dieser Brevet war für mich eine kleine Lektion in Sachen Demut und Bescheidenheit. Warum die Linola Creme bei mir auf einmal solch krasse Beschwerden verursacht hat gilt es noch herrauszufinden (Siehe Nachtrag vom 18.06.2015 am Ende des Berichts!). Trotz meiner Beschwerden war der Brevet aber ein klasse Erlebnis mit vielen unvergesslichen Eindrücken. Es lebe das Abenteuer auf der Langstrecke – nichts ist planbar – der Weg ist das Ziel!

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Nachtrag vom 18.06.2015

Bei der Suche nach dem Ursache meiner Sitzbeschwerden hatte ich direkten E-Mail Kontakt mit Linola. Ein Dermatologe riet mir dazu die Verträglichkeit in einer Ellenbogenkehle zu testen. Die andere Ellenbogenkehle blieb dabei zum Vergleich ohne Creme. So hab ich an einem Tag drei Mal meine Sitzcreme aufgetragen. Das Ergebnis war sehr krass und eindeutig: ich hab im letzten Jahr eine deutliche Allergie gegen den Linola Schutzbalsam entwickelt! Ich werde versuchen über einen Hautarzt herrauszufinden welches die schuldige Einzelsubstanz ist – das wird aber noch eine Weile dauern.

LinolaFail

 

Nachtrag vom 17.09.2015

Ich habe nun einen Kontakt-Allergietest in der Hautklinik Heilbronn durchgeführt um rauszufinden, warum ich solche Probleme mit dem Linola Schutzbalsam hatte. Dabei hat man herausgefunden, dass der Auslöser der Stoff Benzylalkohol sein muss, der in der Linola als Konservierungsstoff / Lösungsmittel verwendet wird.

Ich muss dabei ein wahrer „Glückspilz“ sein, denn die Allergie ist äusserst selten (0,59 %). Aber wahrscheinlicher ist dieser Konservierungsstoff / dieses Lösungsmittel nicht dafür gedacht, über sehr viele Stunden auf einem sensiblen Stück Haut „einmassiert“ zu werden. Dazu hab ich das gefunden: „Die Mehrzahl der beschriebenen kontaktallergischen Reaktionen wurden durch wiederholte Anwendung insbesondere von Feuchtigkeitscreme mit Benzylalkohol als Inhaltsstoff veursacht“. Quelle

Verfasst von: dawncycling | 28. Oktober 2014

Six Rivers

Dies ist ein Bericht zu einer 686 km Bikepacking-Solo-Radtour vom 24.-26.10.2014 die mich entlang von Saar / Blies / Glan / Rhein / Main / Neckar führte. Der komplette Streckenverlauf ist hier anzuschauen.

Streckenplanung (die graue Theorie)

Die Inspiration zu der Strecke hatte ich im Rennrad-News.de Forum gefunden. Mir gefiel die Idee, von zu Hause aus mir noch unbekanntes Terrain zu erkunden, ziemlich gut. So habe ich mir zunächst im Internet die GPS-Tracks von der Fernstrecke Paris-Stuttgart, dem Saarkanal-Radweg und dem Blies-Glan-Radweg rausgesucht. Dann hab ich diese Tracks dann passend zusammengeschnitten, durch Verbindungsstücke ergänzt und nach eigenen Ideen nach und nach verändert.

Die Integration von (unbekannten) Radwegen in eine langstreckentaugliche Strecke ist immer ein heikler Punkt. Zum einen kommt man auf Radwegen meist nicht so flüssig wie auf der Straße voran und zum anderen kann die Wegbeschaffenheit nicht immer für dünne Rennradreifen geeignet sein. Aus diesem Grund habe ich den Blies-Glan-Radweg vorsichtshalber nur als Orientierung genutzt und die im Tal verlaufenden (Bundes-)straße gewählt.

Für den Rückweg von Bingen nach Hause hab ich mit etwas neuem in Sachen Streckenplanung experimentiert: der Routenplaner von Strava. Das Besondere am Strava Routenplaner ist die Tatsache, dass er auf den hochgeladenen Trainingseinheiten anderer Strava User basiert. Das klingt von der Idee her sehr vielversprechend und weckt die Hoffnung auf eine funktionierende „Auto-Routing“ Funktion für Radfahrer.

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Streckenerfahrung (die Praxis)

Der Rhein-Marne-Kanal ab Brumath und der Saarkanal bis Sarreguemines sind beides alte Treidelwege (Bedeutungen: ein Weg entlang an Flüssen, der dazu dient Schiffe von Hand, oder mit Tieren flussaufwärts zu ziehen). Die Wege sind komplett asphaltiert und waren der pure Radelgenuss. Fast jeden Kilometer passiert man dabei eine kleine Schleuse, was die Fahrt sehr abwechslungsreich werden ließ.

Die Bundesstraße entlang der Blies war dagegen, wegen sehr dichtem Verkehr, eine kleinere Fehlplanung – hier wäre der Radweg sicher die bessere Option gewesen. Der Verkehr ließ dann zum Glück hinter Homburg entlang der Glan deutlich nach und das Tal rollte richtig gut!

Den größten planungstechnischen Fehler hatte ich mir an dem Verbindungsstück von der Glan an den Rhein geleistet. Da es am PC nur „leicht wellig“ aussah, plante ich den kürzesten Weg auf kleinen Nebenstraßen nach Bingen. Wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass das dort eine Weinbaugegend ist und diese scheinbar harmlosen Hügel in Wirklichkeit giftige Weinberge sind, hätte ich diesen Fehler wohl nicht gemacht. Nach der ersten Weinberg-Kostprobe nach Burgsponheim entschied ich mich, da ich körperlich schon recht platt war, zu einer spontanen Streckenänderung nach Bad Kreuznach und dann weiter auf dem Naheradweg an den Rhein. Dabei erlebte ich dann alle bekannten Begleiterscheinungen, welche solch spontanen Streckenänderungen bekanntlicher Weise nach sich ziehen können: orientierungsloses rumirren in Bad Kreuznach, spontane Offroad-Einlagen entlang der Nahe usw.😉

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Was mir im Nachhinein wie ein Rätsel erscheint ist die Frage wie ich auf die Idee kam, die weitere Routenführung mitten durchs Rhein-Main Gebiet verlaufen zu lassen. Zum einen mag ich schon mit „frischem Kopf“ durch keine Ballungsgebiete radeln, aber mit über 200km in den Beinen (an diesem Tag) war das schon recht „unentspannt“. Zudem war das konzentrierte radeln nach dem Navi weder flott noch spaßig.

Die Erlösung war dann schließlich als ich nach F-Höchst auf den Main Radweg wechselte. Die Frankfurter Skyline bei Nacht mit dem ganzen lustigen Partyvolk auf den Parkbänken am Mainufer war dann ein sehr schönes Erlebnis!

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Die weitere, vom Strava-Routenplaner errechnete, Strecke entlang des Mains bis Miltenberg war sehr flüssig zu fahren. Ich hatte das Gefühl als ob die Route von einem einheimischen Radler hätte stammen können. Der Strava-Routenplaner hat sich hier also sehr bewährt!

Zurück über den Odenwald war ich schon wieder fast in heimischen Gefilden und nach dem Rhein-Main Gebiet war die Einsamkeit und Ruhe in dieser Gegend eine richtige Wohltat. Dabei ließ sich sogar den langen Steigungen und Wellen einiges an Genuss abgewinnen.

Minimal Camping

Als Anhänger des „Self-Supported-Gedankens“ beim Langstreckenradeln nutze ich bei dieser Solo-Tour, bei der ich keinerlei Zeitdruck hatte, die Möglichkeit mal wieder meine minimale Camping Ausrüstung auszuprobieren. Diese besteht aus einem Biwaksack, einer Therm-a-Rest NeoAir Matte und einem leichten Daunen-Schlafsack. Dies wiegt zusammen zusätzliche ~2300 Gramm, was sich bei dieser recht flachen Tour gut verkraften lassen sollte.

Ich gestehe, dass ich diese Art des „Reisens“ noch als großes Abenteuer betrachte und mich bewusst der Herausforderung ausgesetzt habe unterwegs einen geeigneten Schlafplatz zu suchen. Wie bei so vielen Dingen macht auch hier wahrscheinlich die Übung den Meister – bzw. wird man nach einigen Selbstversuchen bestimmt um einiges cooler.

Meine persönlichen Anforderungen an einen geeigneten Schlafplatz sind in priorisierter Reihenfolge: 1. Ruhe bzw. Einsamkeit, 2. Nicht-Sichtbarkeit vom Radweg bzw. Straße, 3. Ein Dach über dem Kopf wenn es nachts regnen kann.

Wenn man nun müde und platt nach Stunden im Sattel nach einem geeigneten Schlafplatz Ausschau hält ist das ganz schön kniffelig.

Was nun bei meiner Tour an Schlafplätzen rauskam ist folgendes:

Für die erste Nacht hab ich mich für einen Schuppen auf der Rückseite eines leerstehenden Haus am Rhein-Marne Kanal entschieden. Auf dem Bild kommt dieser Schuppen vielleicht etwas „müllig“ rüber, aber es war echt gemütlich dort. Kurz nachdem ich mich hingelegt hatte begann es kräftiger zu nieseln und ich war froh an dem Dach über mir. In dieser Nach sank die Temperatur bis auf geschätzte 4 Grad, was sich mit meiner Ausrüstung aber gut verkraften lies. Hart war es nur morgens aus dem kuscheligen Schlafsack zu kriechen… Brrr…

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Für die zweite Nacht musste ich nach dem „Rhein-Main Inferno“ etwas früher als im Vorfeld geplant einen Schlafplatz suchen. Bei Hanau stoppte ich dann an einer abgelegen Mainbrücke. Der Brückenpfeiler bot zum einen Blickschutz hin zum Radweg und die Brücke diente als Dach. Direkt auf der anderen Mainseite bot das Kraftwerk Hanau eine ganz besondere „Industrieromantik“. Diese Nacht war etwas milder aber wieder hatte es ein wenig geregnet.

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Diese Art des „Rad-Campings“ hat schon seinen ganz eigenen rustikalen Charme und ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Mir gefällt dieses unabhängige Freiheitsgefühl was man dabei empfindet.

Bier (Mythen & Wahrheiten)

Bei den alten Hasen unter den Langstreckenradlern ist gang und gäbe unterwegs beim Radeln das eine oder andere Bier zu trinken. Und ich meine jetzt nicht die alkoholfreie „Light“ Variante sondern das „echte“ Bier. Jung-Randonneure reagieren darauf meist sehr irritiert mit Sätzen wie „wenn ich jetzt ein Bier trinken würde, könnte ich nicht mehr weiterfahren und würde sofort einschlafen“. Wer hat nun Recht, die Alten oder die Jungen?

Es war im Vorfeld keineswegs so geplant und ergab sich eher recht spontan, als ich noch ganz zu Anfang meiner Tour, an der Hausbrauerei Vogel in Ettlingen vorbeiradelte. Das leckere Bier dort kannte ich noch aus meiner Jugendzeit und war wie magisch angezogen dort eine Verpflegungspause einzulegen und natürlich erstmal ein Bier zu trinken. Am zweiten und dritten Tag entwickelte sich die Sache dann zu einem „schonungslosen Selbstversuch“ unterwegs mal nicht nur Süßgetränke (Cola, Fanta, etc.), sondern bei jeder Gelegenheit ein Bier zu trinken. Man darf jetzt nicht denken, dass ich da angetrunken über die Straßen getorkelt wäre. Bei so einer intensiven körperlichen Leistung „verflüchtigt“ sich so ein Bier wieder recht schnell und ich war stets völlig klar im Kopf. So alle 50km eine Halbe verträgt man ohne unangenehme Begleiterscheinungen ganz gut😉

Und ich muss als Fazit dieses Selbstversuches den alten Hasen völlig Recht geben! Bier hat mich nie müde oder schlapp gemacht sondern eher das Gegenteil bewirkt: Meist lief danach der „Motor“ wieder wie geschmiert. Der Alkohol lies zudem keine sorgenvollen Gedanken aufkommen und hellte jedes Mal meine Stimmung deutlich auf😀

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Als einzigen negativen Punkt lasse ich eventuell gelten, dass man mit Zuckergetränken etwas schneller unterwegs ist. Das liegt zum einen am höheren Energiegehalt und zum anderen an der geringeren Anzahl an Pinkelpausen. Aber Geschwindigkeit ist nicht immer das wichtigste beim radeln😉

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Daten der Tour

Start Fr. ~16:40 – Ende So. ~16:40
Schlafpause Fr./Sa. 7:30 Std.
Schlafpause Sa./So. 8:20 Std.

Brutto Gesamt 49:00 Std. (incl. eine Stunde Zeitumstellung)
Netto Gesamt 28:27 Std.

Fr. 24.10.14: 7:12 Std. (Netto), 7:50 Std. (Brutto), ↔ 176,86 km, ↑ 890 m
Sa. 25.10.14: 13:43 Std. (Netto), 16:00 Std. (Brutto), ↔ 320,62 km, ↑ 1.800 m
So. 26.10.14: 7:32 Std. (Netto), 10:20 Std. (Brutto), ↔ 189,18 km, ↑ 1.050 m

Track:
GPSies - Six Rivers

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Verfasst von: dawncycling | 24. Juli 2014

Alpen Safari

Bericht zum “GIANTS TOUR BREVET”
vom 19. – 21. Juli 2014

„Irgendwie bin ich völlig durch den Wind“ sagte ich zu Thomas beim Frühstück um 5:00 Uhr morgens im Hotel Agorà in Biella. Thomas hatte sich bereits die vierte Ladung vom reichhaltigen Buffet geholt und ich hatte noch mit meiner ersten Portion zu kämpfen. Mein „Lampenfieber“ vor der bevorstehen Herausforderung, einer doppelten Alpenüberquerung über 945 Kilometer, die wir Non-Stopp zurücklegen wollten, war unbeschreiblich. Der Event nannte sich GIANTS TOUR BREVET und wurde von Vallelvobike A.s.d. veranstaltet.

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In der zurückliegenden Nacht hatte ich schon fast kein Auge zugetan und lag gefühlt die ganze Nacht in meinem Bett wach. Diese nervösen Charakterzüge hatte ich schon immer vor solch großen Herausforderungen. Da ich in den letzten Jahren aber selbst vor den „normalen“ 600er Brevets keine Aufregung mehr verspürte und gut schlafen konnte, war ich trotz allem irgendwie beruhigt: Es war endlich wieder „Safari-Zeit“! Das heißt es galt für mich Neuland zu erobern und die persönlichen Grenzen neu zu definieren. Wieder mal war ich hungrig auf Erlebnisse und Eindrücke, die sich wie eine Granitfräse in meine Gehirnrinde eingraben und dort für immer bleiben werden!

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Thomas und ich waren die einzigen Deutschen, die nach Biella angereist waren. Am Tag zuvor fand die Anmeldung und das Briefing statt. Die Randonneurs-Szene in Italien ist ganz anders als die in Deutschland. Es ist nicht so locker bzw. heiter, sondern alles ist sehr ernsthaft und sportlich ausgerichtet. Aber die Organisation war absolut top und alle waren sehr freundlich und hilfsbereit! Es gab zwei Verpflegungsstationen mit „Bagdrop-Service“. D.h. man konnte zwei Taschen mit Klamotten, Ersatzteilen und Nahrung packen, die zu den Stationen bei KM 340 und KM 655 transportiert wurden.

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Um 6:00 Uhr ging es dann, von Motorrädern eskortiert, aus Biella hinaus. Die ersten 95 Kilometer gingen wie erwartet in einer großen Gruppe relativ zügig vorbei. Wobei das Tempo im Flachland (für gewohnte Verhältnisse) mit einem 29er Schnitt eher moderat war. An der ersten Kontrolle hetzte die große Gruppe direkt weiter. Da unsere Trinkflaschen leer waren, ließen wir uns von dieser Hektik nicht verleiten und füllten diese erst wieder auf, bevor wir dann zu zweit durchs Susa Tal auf den ersten Anstieg zuradelten.

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Ab dem Anstieg zum Mont Cenis fuhren Thomas und ich jeder sein eigenes Tempo und ich kletterte etwas zügiger als er vorneweg. Im Anstieg überholte ich dann fast alle der großen Gruppe wieder, die zuvor so hektisch weitergeradelt waren. Der Pass war von vielen Motorrädern frequentiert und zog sich über mehrere Stufen ziemlich in die Länge.

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Nach einer kurzen Abfahrt ging es dann bereits zum höchsten Punkt unserer Strecke, dem Col d’ISERAN. Am Fuße des eigentlichen Anstiegs in Bonneval-sur-Arc bestellte ich mir eine Pizza, um für die nächsten Pässe gewappnet zu sein.

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Der Col d’ISERAN war der mit Abstand atemberaubendste Pass der ganzen Strecke! Die karge Landschaft flashte mich dann dermaßen, dass mir mehrere Male Freudentränen in die Augen schossen und ich richtig ergriffen war.

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In der Auffahrt zum nächsten Pass, dem Cormet de Roselend, war ich lange Zeit alleine unterwegs und freute mich an den im unteren Teil sehr schön bewaldeten Anstieg.

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Vor dem letzten Pass des ersten Streckenteiles, dem Col des SAISIES, waren sowohl meine Trinkflaschen leer als auch meine sämtlichen Essensvorräte aufgebraucht. Einen Viehbrunnen für Wasser hab ich dann zwar noch gefunden, aber mit dem Essen sah es in dieser einsamen Gegend eher düster aus. Da es bis zur ersten Verpflegung eigentlich nicht mehr weit war, beschloss ich es einfach „leer“ zu versuchen. Der Pass war ein nicht allzu schöner „Skiort-Hügel“. Oben war ich dann auch wirklich „leer“ und energielos und begann wegen dem Energiemangel schon zu frieren. Selbst in der Abfahrt hatte ich dann Probleme und als in meinem MP3-Player dann plötzlich noch Heino zu singen anfing, hatte ich meinen ersten ernsthaften Tiefpunkt erreicht. Neben dem Beschluss meinen MP3 Player bei nächster Gelegenheit mal zu entrümpeln, fand ich auch ein Restaurant wo ich mir dann eine Cola bestellte. Unglaublich wie viel Energie in einer einzigen Cola steckt. Wie ausgetauscht stürmte ich dann auf die Verpflegungsstation in St. Gervais zu.

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In der Gîte d’étape nahm ich meine Tasche in Empfang und es gab Nudelsalat. Nachdem ich frisch geduscht war und neue Klamotten anhatte kam Thomas zur Tür herein. Er wollte hier nach dem Essen eine Stunde schlafen. Da ich voller Tatendrang war und die Nacht angenehm warm war, wollte ich aber gleich weiterradeln. Wahrscheinlich war diese Entscheidung, wie sich bald rausstellen sollte, aber ein Fehler gewesen.

Vor dem längeren Flachstück zum Genfer See warteten in der Summe auch noch 1600 Höhenmeter verteilt über zwei kleinere Pässe auf mich. Schon kurz nachdem ich weitergeradelt war, macht sich eine starke Müdigkeit bei mir breit. Da auch die Konzentration nachließ, beschloss ich mich für eine halbe Stunde in ein Bahnhof-Wartehäuschen hinzulegen. Irgendwie wurde es mit der Müdigkeit aber nicht besser und auch eine weitere kurze Nap-Pause half nicht wirklich.

Bei KM 410 in Martigny begann es zu dämmern und ich rollte flach auf den Genfer See zu. Wenn ich unter Schlafmangel leide, hab ich das seltsame Gefühl als ob Körper und Geist bei mir keine Einheit mehr sind. Ich hatte das Gefühl mich selbst aus der Vogelperspektive zu beobachten und diesem stoisch vor sich hintretenden Körper Anweisungen zu geben.

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In Montreux war ich wieder unter 500 Metern Seehöhe angelangt und die erste Alpenüberquerung war somit also geschafft. In Montreux wurden in den frühen Morgenstunden die Reste des Jazz-Festivals aufgeräumt.

Das vor mir liegende Stück hatte ich zuvor anhand der Karte als relativ flach eingeschätzt und hoffte hier flott voranzukommen. Wie sich herausstellte war dies wohl eine grobe Fehleinschätzung gewesen. Nach dem harten Anstieg aus Montreux raus ging es dann im ständigen über endlose Dreckshügel auf und ab. Eventuell kam mir das aber auch nur so vor, da ich immer noch im Müdigkeits-Delirium rumeierte, und ein einsetzendes Regengebiet meine Stimmung zusätzlich drückte.

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An der Kontrolle in GRUYÈRES bei KM 497 machte ich erstmal im Cafe der Käserei eine längere Pause. Im Regen radelte ich dann weiter das lange Tal nach SAANEN hoch. Ein doofe Steigung, wo man nicht wirklich das Gefühl hat voran zu kommen. Die folgende Abfahrt war dann zwar auch sehr lang, konnte mich aber nicht mit dem zurückliegenden Streckenabschnitt versöhnen. Immerhin hatte aber der Regen aufgehört und ich legte Schicht für Schicht an Kleidung wieder ab.

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Nach einem sehr leckeren Teller Nudeln und einer Cola am Thunersee vor Interlaken war dann meine Müdigkeit endlich überwunden und so langsam kehrte auch meine gute Laune zurück. Daran konnte auch der „gnadenlose“ Radweg entlang des Sees nichts ändern. Zum einen ging er sehr steil auf und ab und zum anderen ging er teilweise auch Offroad über Wanderwege mit Wurzeln. Aber hey, wenn ich einen schönen Trail vor mir sehe, muss ich diesen auch fahren und habe deshalb natürlich nicht geschoben😀

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Der lange Anstieg zum Sustenpass machte mir dann erstaunlicherweise sogar wieder richtig Spaß. Mit lockerem Tritt schaffte ich über 500 Höhenmeter pro Stunde bei einem lockeren 110er Puls. Trotzdem war ich dann sehr froh, als ich die Verpflegungs-Station im Alpin Center gegen 21:00 Uhr erreicht hatte.

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Nachdem ich frisch geduscht war und mich gerade auf eine Matratze hingelegt hatte, kam Thomas zur Tür herein. Was eine Freude! Ich schloss mich ihm an und wir bestellten uns im Restaurant noch was Warmes zu Essen und zwei Bier für die gute Nachtruhe. Wir legten uns dann schlafen und wollten um 3:00 Uhr gemeinsam weiterradeln. Ich wurde bereits nach einer Stunde wieder wach und fühlte mich aber schon wieder ziemlich erholt. Um 2:30 weckte ich Thomas, um uns für die Weiterfahrt fertig zu machen.

Da das Alpin Center ca. 300 Höhenmeter unterhalb der Passhöhe liegt, konnten wir uns zum Glück vor der Abfahrt wieder etwas warm fahren. Ich hatte trotzdem so ziemlich alles angezogen, was der mobile Kleiderschrank so hergab. Der Sustenpass war in Wolken gehüllt, aus den es leicht nieselte. Die Abfahrt nach Wassenen war ein Erlebnis was sich definitiv ganz tief in mein Erinnerung festgebrannt hat. Mitten in der Nacht fliegen zwei wagemutige Radler mit ihren LED Lampen durch die Wolken von einem Alpenpass ins Tal. Das war kein Teil eines Sience-Fiction Filmes sondern „pure freaking Reality“😉

Vorbei ging es dann an der Einfahrt zum Gotthard-Autobahn-Tunnel hinauf nach Andermatt. Diese Auffahrt in Galerien war wahrscheinlich das steilste Stück der gesamten Strecke, ließ sich aber für mich mit 34-30 immer noch gut fahren. Von Andermatt ging es dann nochmal 600 Höhenmeter zum Oberalppass hinauf. Die Wolken wurden dichter und der Regen nahm zu. Bis wir oben waren, waren wir klatschnass und froren. Deshalb waren wir froh auf der Passhöhe ein Frühstück und was Warmes zu Trinken zu bekommen. Ich schlotterte vor mich hin und war ein verfrorenes Häufchen Elend. Wie schnell sich die Gefühlslage doch wieder ändern kann.

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Mit dem Maximalaufgebot an Kleidungsschichten wagten wir uns dann in die Abfahrt, nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte. Aber zum Glück war die Abfahrt weniger schlimm als befürchtet. Nun folgte noch der Lukmanier-Pass der sich recht gut fahren ließ und wo es auch keinen weiteren Regen mehr gab. Hier hatte Thomas etwas Probleme mit Müdigkeit, die sich mit einer Coffein Ampulle aber lösen ließen.

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Die Abfahrt zum Lago Maggiore war endlos lang und machte mir viel Spaß. Es war einfach ein tolles Gefühl alle Berge hinter sich zu wissen😉

Die Küstenstrasse von Locarno nach Verbania ist eng und sehr verkehrsreich. Ich kannte sie von zurückliegenden Familienurlauben und war darauf vorbereitet, aber Thomas war etwas schockiert. In Verbania gab es nochmal Pizza bzw. Nudeln für uns, um die letzten 80 Kilometer noch gut zu überstehen.

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Mir ging es überraschend gut und ich kurbelte fröhlich vor mich hin. Aber Thomas ging es leider irgendwie immer schlechter. Er hatte zuvor schon über Magenprobleme geklagt, die sich Schritt für Schritt in einen richtigen Infekt verwandelten. Ihn fröstelte es und er konnte nur noch ein moderates Tempo fahren. Also reihte ich mich hinter ihm ein und versuchte ihn so gut es ging zu unterstützten bzw. zu motivieren. Da ich mich bei PBP 2011 selbst in der schmerzlichen Lage befunden hatte einen Freund an meiner Seite zu benötigen, war es für mich kein Thema Thomas mit allen Mitteln zurück nach Biella zu begleiten. Wer das einmal selbst erlebt hat, weiß genau wie wichtig dies in solchen Momenten ist.

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Mit moderatem Tempo und einigen zusätzlichen Pausen eierten wir über das nicht allzu schöne Stück zurück nach Biella. Der kilometerlange Schlussanstieg mit 1% Steigung ging scheinbar nie zu Ende und wir zählten jeden einzelnen Kilometer ab.

In Biella war der „Zieleinlauf“ nach 62 Stunden und 55 Minuten völlig unspektakulär. Thomas hatte inzwischen auch noch Fieber bekommen und ich holte ihn dann auch umgehend mit dem Auto zurück in unser Hotel. Nach einer Nacht in der er dann wie ein Stein geschlafen hatte, ging es ihm am nächsten Tag zum Glück schon wieder halbwegs gut.

Fazit:

Die Alpen-Safari war ein monumentales Erlebnis, welches mir so viele unvergessliche Eindrücke beschert hat, dass ich noch lange davon zehren kann. Die Strecke ist so unglaublich vielseitig und man sieht neben faszinierenden Alpenpässen auch schöne Städte wie Montreux, Interlaken und Locarno. Mein landschaftliches Pässe Ranking sieht wie folgt aus: 1. ISERAN, 2. SUSTEN, 3. LUKMANIER

Das Zeitlimit von 80 Stunden ist für dieses Höhenprofil schon recht eng. Das erklärt wahrscheinlich auch, warum von über 60 angemeldeten Teilnehmern nur 17 die Strecke im Zeitlimit gefinisht haben. Die anderen sind dann wohl auf die gleichzeitig angebotene 600er Strecke ausgewichen.

Die Organisation war sehr aufwendig und perfekt durchgeführt! Die Aufteilung der Strecke in drei Abschnitten mit Verpflegungs- bzw. Schlafpunkten machte es einfacher, die Strecke für sich einzuteilen. Ein großes Lob an das sehr nette und freundliche Team von Vallevobike!

Distanz: 947 km
Höhenmeter: ~ 15.500 m
Brutto-Fahrzeit: 62:55
Netto-Fahrzeit: 47:20

profile

Track:
GPSies - GIANTS TOUR BREVET 2014

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Verfasst von: dawncycling | 7. April 2014

Viva 2014!

In meinem Fotoblog gibt es zwei Kurzberichte zu meinen ersten zwei Brevets in 2014:

Auggen

Verfasst von: dawncycling | 1. August 2013

Belchen Safari

Bericht zur „Belchen satt“ Super-Randonnée Eröffnungsfahrt
vom 26.07. – 28.07.2013

Nachdem nun schon ein paar Jahre die Brevet-Serie im Frühjahr zu einer festen Routine bei mir geworden ist traf mich die Neuigkeit über eine „neue Form des Langstreckenfahrens” wie ein Blitz. Die Jungs von ARA Breisgau haben einen „Bergbrevet” erschaffen der einen schon beim Anblick des Höhenprofils erzittern lässt. Dieser sogenannte Super-Randonnée führt über alle namhaften Belchen (frz.: Ballon) rund ums Dreiländereck (sechs Stück insgesamt) und hat eine Länge von 600 Kilometer und 12.000 Höhenmeter. Eigentlich war mir schon beim Lesen der ersten Ankündigung klar, dass ich bei der Einweihungsfahrt vom 26.-28. Juli 2013 dabei sein musste😉

Nun kann man solch eine Langstreckenfahrt mit verschiedenen Strategien angehen. Z.B. fahre ich bei den „normalen” Brevets gerne mit dem Ziel mit der schnellsten Gruppe bis ins Ziel zu fahren. Dass ich mich dabei gerne auch mal selbst durch zu schnelles Fahren etwas „abschieße” gehört da meist auch dazu. Da solch eine Fahrweise bei einem „Bergbrevet” aber gar nicht passt hab ich mir im Vorfeld die Strategie zurechtgelegt, die Strecke möglichst autonom in meinem ganz eigenen Tempo zurückzulegen und dabei sogar noch etwas Reserven übrig zu lassen und im Zweifel lieber langsamer zu fahren. Soweit die Theorie – ich war gespannt ob es mir gelingen sollte diese Strategie umzusetzen und zu wiederstehen mit den schnelleren Teilnehmern mitzufahren zu wollen…

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Einen Tag vor dem Start dachte ich, ich Spinne. Hatte ich doch glatt leichte Anzeichen einer beginnenden Sommergrippe: Halsschmerzen, Schniefnase und leichtes Schwächegefühl. Entweder bin ich vor so großen Events einfach ein übersensibler Hypochonder oder was weiß ich… Auf jeden Fall stand für mich fest nach Freiburg anzureisen und dort zu mindestens zu starten. Hatte ich doch noch immer ein schlechtes Gewissen gegenüber ARA Breisgau, weil ich den 600er Brevet dieses Jahr wegen des schlechten Wetters habe ausfallen lassen.

Anders als bei meinen bisherigen Brevets in Freiburg bin ich erst am Freitagmorgen mit dem Auto angereist. Trotz leichtem Husten und den schon erwähnten Symptomen ging es mir zu mindestens nicht schlechter und die gesundheitliche Lage war immer noch „unentschieden”.

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Beim Randonneurs-Frühstück im Augustiner in Freiburg merkte man, dass einiges anders war, als bei den üblichen Brevets. Erstens waren es nur ca. 30 Starter, zweitens waren viele Auswärtige da und drittens war die Stimmung „konzentriert und angespannt” und nicht so euphorisch wie sonst. Ob das an der unbekannten Herausforderung oder an der angekündigten Sommerhitze lag war nicht klar ersichtlich …😉

Meine Startzeit war um 7.30 Uhr. Normalerweise fahre ich bei Brevets nie mit Musik, da ich ja aber heute autonom unterwegs sein wollt startete ich gleich mit Kopfhörern und Musik im Ohr. Westbam mit Götterstrasse sollte mich eingrooven. Und das gelang auch ziemlich perfekt denn schon ab dem ersten Anstieg war ich alleine und fuhr mein Tempo den schön gleichmäßigen Anstieg zum Schauinsland hoch. Mein Kopf war sofort frei und ich freute mich an dem Weg der vor mir lag!

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Zum Streckenabschnitt im Schwarzwald gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Außer vielleicht, dass der Anstieg von Schönau aufs Tiergrüble sehr schön und der Anstieg hinter Todtmoos in der Sonne umso weniger schön war.

Wenn man alleine unterwegs ist kann und muss man sich sehr genau überlegen wo und wann man Verpflegungspausen macht. Ich hatte mir schon im Vorfeld überlegt, dass ich in Laufenburg das erste Mal was Richtiges essen wollte. Überraschenderwiese erwartete mich dort Jochen Hofer, ein Randonneuerskollege der nicht selbst mitgefahren ist, mit einer spontanen Getränke-Nachfüllstation – Super Idee! Während ich dort in einem Bistro noch ein warmes Baguette verspeiste erreichte mich die eine halbe Stunde nach mir gestartete Gruppe. Mein Plan mit dem langsameren Tempo schien also zu funktionieren.

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Weiter ging es ein Stück mit einem Freiburger Neu-Randonneur, dessen Namen mir inzwischen leider entfallen ist. Mein „Gesundheitszustand” war weiterhin stabil und ich beschloss jeden Gedanken daran ab sofort zu ignorieren und einfach weiterzufahren.

Ab jetzt war ich im Jura unterwegs – und das war auch sofort zu spüren. Die steilen Wellen ab Frick kann man sehr schlecht in Worte packen – man muss sie am besten mal selbst „erfahren”. An der Rampe hinter Läufelingen stieg ich das erste Mal ab und schob mein Rad. Bevor ich mir Knie und Sehnen überbelaste gehe ich im Zweifelsfall lieber ein paar Meter zu Fuß – „in der Ruhe liegt die Kraft”!

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Am Gasthaus Oberbölchen (nahe dem Schweizer Belchen) versammelten sich dann etliche Fahrer aus den verschiedenen Startgruppen zu einem dringend notwendigen Getränkestopp. Nach einem alkoholfreien Bier und einem großen Cola machte ich mich dann aber schon recht bald wieder alleine auf den weiteren Weg. Zum einen war mir (noch) nicht nach rumhocken und zum anderen hatte ich mir vorgenommen in Grenchen die Verpflegung für die Nacht einzukaufen. Und da dies je nach den örtlichen Ladenöffnungszeiten etwas knapp werden könnte wollte ich auch keine unnötige Zeit verplempern.

Der nächste Streckenabschnitt war mir vom Freiburger 300er Brevet gut bekannt. Also wählte ich etwas theatralische Musik in meinem MP3 aus (müsste Mono Inc. gewesen sein) und pedalierte fröhlich auf den nächsten Pass zu. Der Weissenstein Pass ist schon ein ganz krasses Teil! Wir fuhren in zwar „nur” von der flachen Seite hoch, aber auch das reichte für mich um größere Stücke davon mein Rad zu scheiben. Während ich so mein Rad schob wurde mir dabei im Schweiße meines Angesichts klar, dass diese Tour eindeutig kein Kinderfasching sondern eine der epischsten und härtesten Herausforderungen ist, die es in Europa für Hobby-Radsportler gibt!

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Nach dem beschwerlichen Weg nach Oben kam dann noch eine Abfahrt die alles andere als erholsam war. Mit über 20% Gefälle und ruppigem Asphalt schmerzten meine Hände vom Bremsen schon nach ein paar Kehren. Ich musste in der Abfahrt zwei Mal anhalten um meine verkrampften Hände auszuschütteln. Einem anderen Teilnehmer sind in dieser Abfahrt beide Reifen wegen heiß gebremster Felgen geplatzt.

Nach dem Weissenstein erreichte ich Grenchen und war froh, dass die Supermärkte noch geöffnet hatten (unter der Woche bis 21:00). Also kaufte ich mir Caschew-Nüsse und Nimm 2-Lachgummis. Danach fand ich sogar noch einen McDonalds und schlug dort kräftig zu. Während meiner Pause sah ich keinen der anderen Teilnehmer an mir vorbeiradeln.

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Nach meiner Pause ging es auf direktem Weg auf den höchsten Punkt der Tour, dem Chasseral (1607m) zu. Ich erhaschte gerade noch die letzten Sonnenstrahlen über den Jura-Hauptkamm und bekam eine richtige Gänsehaut als der Chasseral Sendeturm majestätisch über mir zum Vorschein kam. Was für ein magischer Berg – ich machte mir auf der Auffahrt Gedanken darüber, ob man dem Chasseral nicht die „Ehren-Belchen-Würde” überreichen könnte. Der Anstieg war für mich gut zu fahren und ich war mental inzwischen in einer Art meditativem Trance Zustand angekommen. In den Ohren hatte ich inzwischen die sphärischen Klänge von Sigur Ros.

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Nach dem Kontroll-Foto und einer halben Tüte Lachgummis war ich leicht verdutzt wo denn die anderen Teilnehmer blieben. Ich wartete an der Kreuzung noch ca. 15 Minuten auf die anderen Mitfahrer – irgendwie stellte ich mir die Alleinfahrt durch die Nacht etwas langweilig vor. Als niemand kam machte ich mich trotzdem wieder alleine auf den Weg. Irgendwie ärgerte ich mich aber darüber, dass ich nun als Solofahrer an der Spitze des Teilnehmerfeldes fuhr und die Strecke doch eigentlich bewusst behutsam angehen wollte. Irgendetwas war hier schief gelaufen😉

Der Anstieg hinter Saint-Imier entpuppte sich als weniger schwierig als befürchtet. Dafür war der Abschnitt durch das tief eingeschnittene Doubs-Tal wieder ein absoluter Hammer! Nach einer gnadenlosen Abfahrt folgte ein Anstieg den ich komplett hochgeschoben habe. Mir macht das Schieben garnichts aus und ich finde, dass es sogar positive Effekte hat. Man entlastet den Hintern für eine Zeit und lockert seine Beinmuskulatur etwas. Nicht ohne Grund fahre ich am Brevet-Rad schon immer mit Mountainbike-Pedalen und Schuhen.

In der Abfahrt nach Saint-Hippolyte übermannte mich ich ein richtiger Gähn-Anfall. Ich musste richtig laut aus vollem Halse und zigmal hintereinander gähnen. Wenn mich dabei jemand beobachtet hätte, hätte er sicherlich einiges zum Lachen gehabt😀

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Als ich dann Saint-Hippolyte an einer Bank mit einem „kuscheligem” Vorraum vorbeiradelte überlegte ich nicht lange und legte mich für ca. eine halbe Stunde dort zum Schlafen ab. In solchen Momenten reichen nur ein paar Momente „Power-Nap” aus und man ist (fast) wiederhergestellt. Als ich aus dem Augenwinkel endlich ein paar andere Teilnehmer vorbeirauschen sah machte ich mich so langsam wieder startklar. Und so radelte ich in den Sonnenaufgang des zweiten Tages hinein auf der Suche nach den Radlern die gerade an mir vorbeigeradelt waren.

An der nächsten Kontrolle in Glainans kam dann Andreas alleine von hinten angeradelt. Er war einer derjenigen die mich „im Halbschlaf” überholt hatten. Seine Mitfahrer hatten sich in Saint-Hippolyte auch zum Schlafen hingelegt, wo er aber keine Lust dazu hatte. Ich freue mich endlich wieder etwas Begleitung zu haben und frühstückte mit Andreas in L’Isle-sur-le-Doubs erst mal in der nächsten Bäckerei. Im Gespräch mit Andreas kam auch heraus, warum ich keine Mitfahrer auf dem Chasseral zu sehen bekam. Die sind als größere Gruppe in Grenchen zum Pizzaessen gegangen. Und so was dauert logischerweise immer etwas länger.

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Auf dem weiteren Weg nach Lure kamen noch Ralph und Wolfgang von hinten angeradelt. In Lure beim zweiten Frühstück war die mentale Situation dann leicht desolat: Morgens um 8:00 Uhr war es schon heiß und schwül, Wolfgang schmeckte der Cafe nicht, Andreas war das Glas für seine Cola zu dreckig und mir schmeckte mein Croissant nicht. Und auf Anstiege zu fahren hatte irgendwie auch keiner mehr von uns richtig Lust😀

Ich machte mich mit Andreas auf den Weg in die Vogesen. Wie sich im Gespräch rausstellte war er deutlich mehr „Sportler” als ich und war dieses Jahr schon beim Glocknerman am Start gewesen. Bergauf fuhr er in einer anderen Liga und so trennten sich schon im unteren Teil des Aufstieges zum Ballon de Servance unsere Wege wieder. Ich bevorzugte es weitere „Wanderpunkte” zu sammeln und schob mein Rad während Andreas die Steigung mit lockerem Tritt hochfuhr. Es wurde immer heißer, was auf dem gut bewaldeten oberen Teil des Anstieges aber (noch) nicht viel ausmachte. Die Abfahrt war dann wieder eine der heftigeren mit verkrampften Händen und allem Drum und Dran.

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Während ich mich in einem Supermarkt im Tal mit Sandwiches verpflegte kamen Ralph und Wolfgang angeradelt um hier auch Pause zu machen. Inzwischen war es schon so heiß geworden (ich schätze deutlich über 35° Grad), dass ich mir ernsthafte Gedanken über die weitere Fahrt machte. Ich war noch nie ein Freund von extrem heißem Wetter gewesen und wäre unter normalen Umständen bei solchem Wetter sicher nicht auf mein Rad gestiegen. Ich war völlig planlos wie ich damit umgehen sollte und hatte keine passende Strategie parat. Ich wusste aber, dass ich genügend Reserven auf das Zeitlimit hatte um auch den ganzen Nachmittag irgendwo im Schatten zu vertrödeln. Zu diesem Zeitpunkt ging mir der Ohrwurm „Man sagt die Revolution werde zuletzt den Tod abschaffen“ nicht mehr aus dem Kopf – und so sang ich ihn eine ganze Weile vor mich hin.

Der Anstieg zum Ballon d‘ Alsace war in der prallsten Mittagshitze unerträglich. Ich versuchte mich zwei Mal im Schatten hinzulegen. Wegen der lauten Motorradfahrer und fehlender Wasserversorgung hatte ich da aber keinen Spaß dran. Also radelte ich Stück für Stück zum Gipfel hoch. Oben hatte ich immer noch keinen Plan was ich machen sollte bzw. wie es weitergeht, aber immerhin gab es Eis und kalte Getränke.

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Im Anstieg zum nächsten Pass dem Col du Page fand ich dann endlich die perfekte Lösung für mich: ein schnuckeliges Brunnenhäuschen im Schatten am Ortsausgang von Bussang. Dort döste ich über eine Stunde vor mich hin. Ich hatte dabei einen schönen inneren Frieden und wusste, dass ich für mich das richtige machte! Als es gegen 17:00 endlich zu mindestens ein bisschen weniger sonnig wurde machte ich mich wieder auf den Weg.

Im Tal vor dem Grand Ballon kamen von hinten auf einmal wieder Ralph und Wolfgang angeradelt. Ich vermutete sie weit vor mir, aber auch sie hatten die heißesten Stunden des Tages vermieden und in einem klimatisierten Supermarkt Zuflucht gesucht. Zusammen begannen wir den Anstieg zum Grand Ballon. Dieser war von der Steigung gerade so an der Grenze des für mich noch fahrbaren. Ich würde mal so auf konstante 10% Steigung tippen. Lediglich auf dem letzten Abschnitt sammelte ich das letzte Mal für diese Tour nochmals ein paar „Wanderpunkte”. Die Abendstimmung war sehr schön und je näher ich dem Gipfel kam, umso mehr stellte sich das tolle Gefühl ein, dass ich die Tour schaffen würde.

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Da ich mich für die Weiterfahrt noch mit einem Bier und einer Tarte in der Ferme Auberge stärken wollte fuhren Ralph und Wolfgang schon mal alleine weiter. Doch auch ich verharrte nicht lange und machte mich auf der Route des Crête auf den weiteren Weg. Der Petit Ballon zog sich zwar ziemlich in die Länge, war aber auf Grund seiner moderaten Steigung sehr angenehm zu fahren.

Am Himmel gab es immer mehr Blitze und ein heißer und böiger Wind umwehte mich. Im Anstieg zum letzten Pass wurde mir dadurch so schwindelig, dass ich mich lieber am Straßenrand für ein paar Minuten zum „Power-Nap” einfach auf den Boden hinlegte. Wenn man müde ist kann man überall schlafen😉

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Nachdem der letzte Pass bewältigt war, mussten nur noch 50 flache Kilometer durchs Rheintal zurückgelegt werden, um wieder in Freiburg zu sein. Als ich das Rheintal erreichte war die Luft noch sehr extrem heiß. An einem Thermometer las ich, dass es 32 Grad hatte – und das Nachts um 1:30 Uhr! Ich verzehrte noch ein Gel, die letzten Cashews und eine Dosis Koffein. Im MP3 Player wählte ich noch die „antriebstärkste Musik“ die darauf gespeichert war.

Inzwischen hatte sich bei mir schon so eine tiefe Zufriedenheit breit gemacht, dass ich die 12.000hm bewältigt hatte, dass mir meine körperlichen Zipperlein zu diesem Zeitpunkt nichts mehr ausmachen konnten: Die Handballen schmerzten von zu langem fahrem mit nassen Handschuhen so derart, dass ich den Lenker fast nicht mehr halten konnte. Das Sitzen auf dem Sattel machte mir auch schon lange keinen Spaß mehr sondern tat inzwischen ziemlich weh.

Die schönsten Meter der gesamten Tour waren für mich dann die letzten Meter auf dem Dreisam-Radweg nach Freiburg hinein. Dieses tolle Gefühl, dass man auf solch einem „Zieleinlauf“ hat ist einfach unbeschreiblich. I live for these Moments!

Im Ziel am Martinstor wartete dann gegen 4:30 Uhr kein Empfangskomitee sondern nur betrunkene Studenten. Ich blieb dort noch über zwei Stunden still in einer Ecke gekauert sitzen um diese einmalige Stimmung tief in mich einzusaugen…

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Fazit:

Ich bin über das Erreichte sehr glücklich und zufrieden. Nicht nur über das erfolgreiche Bewältigen der Distanz bzw. der Höhenmeter sondern auch mit dem „wie ich die Strecke bewältigt habe“ bin ich sehr zufrieden. Die konsequent selbstbestimmte Fahrweise war für mich eine wirklich positive Erfahrung. Mit einem Maximalpuls von 142 Schlägen (den ich auch nur mal ganz kurz erreicht hatte – siehe hier) bin ich die ganze Zeit in meinem Grundlagen- / Rekombereich unterwegs gewesen. Das hat sich auch daran bemerkbar gemacht, dass ich an den Tagen danach nahezu keinen Muskelkater in den Beinen hatte. Das ich trotz einer solch behutsamen Fahrweise auch mal als Erster unterwegs war lag in erster Linie daran, dass ich als Einzelfahrer meine Verpflegungspausen wesentlich effektiver genutzt hatte.

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Die Strecke ist magisch und episch – ein Meisterwerk vom Streckendesigner Urban! Wenn man sich einmal in den Bann der Belchen begeben hat, gibt es (fast) kein Entrinnen mehr. Die Höhenmeter werden nicht nur mit den Beinen sondern vor allem mit dem Kopf bezwungen. Man muss den Mut aufbringen richtig langsam zu fahren. Wer all die steilen Rampen durchfahren will dem empfehle ich eine 1:1 Übersetzung. Ich hatte 34/30 was mir an einigen Stellen nicht gereicht hat. Ansonsten sind Mountainbike-Schuhe eine gute Empfehlung beim „Wanderpunkte“ sammeln😉

Eine besondere Erfahrung war auch die extreme Hitze am Samstag gewesen. Man musste eine Strategie entwickeln damit umzugehen. Dabei hab ich gelernt, dass man sich bedenkenlos sehr viel Wasser über den Kopf schütten kann, aber niemals die Radhandschuhe regelmäßig in kühlende Brunnen tauchen sollte. Dies erzeugt nämlich über die Zeit Schrumpelhaut an den Händen was bei weiter andauernder Belastung zu sehr heftigen Schmerzen führt.

Distanz: 622,2 km
Höhenmeter: ~ 13.000 m
Brutto-Fahrzeit: 45:05
Netto-Fahrzeit: 35:20
Meine Kontrollfotos: Teil 1 / Teil 2

Track:
GPSies - Belchen Satt 2013

Aufzeichnung:

Weitere Beiträge zu „Belchen satt“:

Video von Ralph Schwörer:

Verfasst von: dawncycling | 18. Juli 2012

Geländeprüfung

Eigentlich könnte man meinen, dass im Jahre 2012 alles nur erdenkliche schon erfunden bzw. schon mal ausprobiert worden ist. Nur ganz selten stößt man dann auf Dinge die scheinbar noch niemand anderes ausprobiert hat. So ging es mir Anfang dieses Jahres als ich von meinem Freund Stefan von der Veranstaltung Flensburg X Hamburg erfuhr. Langstreckenradeln im Gelände stellte ich mir sehr abenteuerreich und spannend vor. Ich war von dieser Veranstaltung inspiriert und lies daraufhin meinen Gedanken freien Lauf und überlegte mir, wie wohl meine Wunschveranstaltung dieser Art aussehen könnte:

  • Sie sollte Nonstop ohne Übernachtung fahrbar sein wie ein klassischer 600er Rennrad-Brevet. Schnelle Fahrer sollten also mindestens 24 Stunden und langsame Fahrer nicht mehr als 40 Stunden benötigen dürfen.
  • Sie sollte keine Schotterwegveranstaltung sein sondern im „echten“ Gelände stattfinden. Also mit vielen Singeltrails und all dem was Biker sonst noch glücklich macht.

Da wurde mir klar, dass es solche eine Veranstaltung so bisher noch nicht gibt. Es gibt lediglich Langstrecken-Veranstaltungen die primär auf Cyclocrosser ausgerichtet sind (Flensburg X Hamburg und Critical Dirt) und die großen MTB Mehrtages-Langstreckenevents (Grenzsteintrophy und Tour Divide Race).

Ich konnte mir damals nicht erklären warum das so ist. Inzwischen bin nach meinem Selbstversuch diesbezüglich um einige Erfahrungen reicher, aber ich will jetzt nicht mein Fazit schon vor dem eigentlichen Bericht präsentieren😉

Da ich von der Idee meiner Wunschveranstaltung überzeugt war konkretisierte ich darauf hin meine Gedanken und entwarf daraufhin den Cross Country Brevet. Auf der Website dazu lassen sich die Einzelheiten nachlesen und die geplante Strecke einsehen. Ich machte dieses „Experiment“ bewusst öffentlich, da ich davon überzeugt war, dass es sicherlich noch andere „Verrückte“ gibt die daran Gefallen finden könnten.

Als verlässlichen Mitfahrer konnte ich frühzeitig meinen Freund Stefan gewinnen, mit dem ich schon letztes Jahr eine längere Radtour im Gelände gemacht hatte. Ansonsten war die Resonanz aber so gering, dass sich kein weiterer Mitfahrer gemeldet hatte. Ich war dadurch zwar etwas verunsichert, aber ansonsten war meine eigene Motivation für die Geländeprüfung ungebrochen vorhanden!

War es in den letzten Jahren im Juli im Wald eher staubtrocken so war der Sommer 2012 da was ganz anderes. Der Waldboden war bis an die Grenze mit Wasser gesättigt und jede noch so kleine Mulde war in eine Pfütze verwandelt. Sollte an einem Tag die Sonne den Boden etwas abtrocknen lassen, so gab es am nächsten Tag garantiert zum Ausgleich einen kräftigen Gewitterregen.

Immerhin versprachen die letzten Wetterprognosen zumindest für den Samstag ein halbwegs trockenes aber windiges Radelwetter.

Tourbericht

Die Tour begann nach dem Start am 14.07 um 8:00 Uhr wie erwartet relativ gemäßigt mit dem HW8. Gemäßigte Steigungen, gemäßigte Trails und einem mäßig spaßigen Regenschauer vor Heilbronn.

Wir waren beide auf komplett starren Rädern unterwegs. Stefan auf einem 26″ Stahl-Bike mit richtigen Schutzblechen (um die ich Stefan ein wenig beneidete). Ich auf meinem Titan 29er mit Carbon-Starrgabel und nur einem kleinen Mudboard gegen die Schlamm-Spritzer.

Damit wir nicht vor lauter Mäßigkeit einschliefen weckte uns der Georg-Fahrbach-Weg wieder auf. Gegenüber dem HW8 ist der GFW vorsichtig gesagt „sehr naturbelassen“ und fühlt sich recht ruppig & rauh an. Die zwei Abfahrten auf diesem Abschnitt stellten die technisch schwersten Stücke der gesamten Tour dar. Ich war froh, dass dies Stefan genauso sah und es nicht an meiner fehlenden Fahrtechnik lag.

Die weichen & schlammigen Wege forderten schon auf diesem einfachen Teilstück ihren Tribut und wir erreichten erst um 14:45 Uhr nach 110km und 1800hm Öhringen, wo ein Döner unsere Sportlernahrung der Wahl war. In Mainhardt gab es dann bei recht schönem Sonnenschein Kaffee und Kuchen in einem Supermarkt-Bäcker. Unser Ziel war es vor der Dunkelheit noch Lorch zu erreichen und wir kalkulierten dabei für diesen schweren, knapp 70 Kilometer langen, Streckenabschnitt nur mit einem Bruttoschnitt von 10km/h. So etwas wie „einfach rollen“ gab es auf diesem Abschnitt nämlich (fast) nicht. Entweder ging es steil rauf, steil runter, über Wurzeln, durch Schlammlöcher, durch Brennnesseln … Aber rollen? Nicht hier!

Im Kastell in Welzheim hatten wir noch eine besondere Begegnung – römische Legionäre beim exerzieren!

Kurz vor 22:00 Uhr waren wir dann in Lorch und setzten unsere „Schlemmertour“ bei einem Teller Pasta und einem Bier fort. Wir montierten danach unsere Lichter: Stefan mit einer Petzl Myo RXP am Helm und einer gnadenlos hellen Eigenbau Akku-Lampe am Lenker. Ich war mit einer Fenix LD20 Taschenlampe auf dem Helm und einer vom Nabendynamo gespeisten Edelux Lampe am Lenker unterwegs.

Trotz der guten Beleuchtung beschlossen wir den „flowigen Berg“ bis Plüderhausen auszulassen. Von unserer gemeinsamen Probefahrt wussten wir, dass man dort ein ziemlich langes Singletrailstück an einem steilen Hang entlangfährt. Einmal abrutschen und man landet mindestens zehn Meter tiefer. Und das Rad zu schieben war wegen der tiefen Schlammpfützen auch keine verlockende Option. Also gab es zumindest bis Plüderhausen mal zur Abwechslung ein kleines Rollerstück😉

Unsere Tour steigerte sich von Abschnitt zu Abschnitt und mit dem HW10 stand jetzt der Höhepunkt auf dem Programm. Dieses mal nicht wegen den fahrtechnischen Anforderungen sondern wegen dem pausenlosen Auf und Ab! Alleine bis Backnang warteten geschätzte 900hm auf uns.

Die Nachtfahrt im Gelände machte mir echt Spaß! Wir hatten immer genügend Licht und da die Strecke hier nicht all zu technisch war hatten wir auch keine gefährlichen Situationen. Genau so hatte ich mir das im Vorfeld vorgestellt! Unvergesslich bleibt mir das Stück vor Steinenberg. Erst ging es einen fast komplett zugewachsenen, steilen und schlammigen Weg schiebend nach oben. Oben wartete dann ein „Brombeerfeld“ auf uns in dem der Trail nahezu unsichtbar war und wo wir wegen der Dornen das Rad nur tragen konnten.

Um kurz vor 2:00 Uhr waren wir dann in Backnang beim McDonalds angelangt wo wir kurz vor Ladenschluss als die Letzten noch was bestellen durften. Auf unserer Weiterfahrt reduzierten weitere Hügel, leichter Regen und der von der Müdigkeit so langsam mürbe Kopf den Spaßfaktor. Nach der Neckarbrücke bei Marbach lag eine kaputte Bierflasche auf dem Radweg. Ich fuhr leider genau drüber und pfffffft …

So lange man auf einem völlig verdreckten Rad nur drauf sitzt und fährt stört einen dieser Dreck (fast) nicht. Aber wenn man dann einen Schlauch wechseln muss … Bähhh! Und dabei hab ich auch noch was Neues gelernt: Meine Luftpumpe war am Flaschenhalter befestigt und war deshalb auch völlig verdreckt. Durch den ganzen Dreck hatte sie nun nicht mehr richtig funktioniert und ich bekam keine Luft in den Reifen. Zum Glück hatte Stefan seine Luftpumpe schön sauber in seinem Gepäck verstaut!

Durch diesen Platten und ein paar weiteren Verzögerungen dämmerte es schon und wir erreichten Besigheim um kurz vor 6:00 Uhr nach ca. 260km und knapp 5000hm. Ich hatte inzwischen ein echtes Motivationsproblem wenn ich an den Rest der Strecke dachte. Wusste ich doch zu gut, dass die Strecke bis Pforzheim mir rund 80km noch recht lang und mit deutlich über 1000hm auch kein bisschen leichter als bisher würde. Und an „rollen“ wäre auf diesem Abschnitt leider immer noch nicht zu denken gewesen!

Also bogen wir erstmal zur 24h Tankstelle ab und tranken zwei Kaffee. Stefan und ich sind sehr gut darin unsere eigene „Spaßgrenze“ beim Langstreckenradeln zu erkennen bzw. zu definieren. Und da wir inzwischen körperlich platt und ohne weitere Motivation waren diskutierten wir die möglichen „Steckevariationen“ zurück nach Pforzheim. Der inzwischen reichlich niederprasselnde Regen bewegte uns dann schließlich dazu die radikalste Variante zu wählen und auf den Enztalradweg zu wechseln.

Juhu! Endlich mal wieder rollen – war das eine Wohltat! Ich denke inzwischen, dass der mangelnde Rollfaktor das größte Problem bei einer Nonstop Mountainbike Langstrecken wie dem CCB ist. Vielleicht ist das auch anders wenn man Mountainbiker aus Fleisch und Blut ist und es nicht anders kennt. Aber als Randonneur der das Rollen kennen- und liebengelernt hat ist das schon hart!

Irgendwie musste ich schmunzeln, da ich auch schon meine diesjährige Alb-Solotour auf einem Flußradweg habe ausklingen lassen. Auf dem Weg nach Pforzheim wurden wir von einigen zum Teil kräftigen Regenschauern begleitet. Um 9:45 sind wir dann schließlich wieder am Bahnhof in Pforzheim angekommen.

Distanz: 309,4 km
Höhenmeter: 4948 m
Brutto-Fahrzeit: 25:43
Netto-Fahrzeit: 20:28

Track:
GPSies - CCB 2012

Aufzeichnung:

Mein Fazit fällt dieses mal etwas ausführlicher aus:

Shades of Mud

Bei einem Rennradbrevet gibt es genau zwei Zustände des Weges: trockenen und nassen Asphalt. Wenn man fairer weise jetzt noch die Rauheit des Asphalts berücksichtigt kommt man auf ein paar mehr Varianten. Das heftigste was es dort so gibt ist der weithin gefürchtete extrem schlecht rollende französische Rauasphalt – puuuuuhhhhhh😯

Liebe Randonneure es ist Zeit mal im Wald zu fahren! Dort könnt ihr erleben welch riesig große Bandbreite es zum Thema Wegbeschaffenheit wirklich gibt! Und nach der Erfahrung des CCBs könnte ich euch alleine zum Thema Varianten des Matsches ein ganzes Referat halten: Es gibt wässrigen Match, klebrigen Match der überall hängen bleibt, rutschigen Matsch auf dem man fast nicht zu Fuß laufen kann, sandigen Matsch, Matsch mit Laub drin …..

Was ich damit eigentlich sagen will ist, dass Langstreckenradeln im Gelände eine echte Bereicherung ist und tierisch Spaß macht! Man kann seinen persönlichen Horizont um Erfahrungen erweitern die man auf keiner Straße findet!

Rollwiderstand

Ich gebe zu, dass die von mir entworfene Strecke eine Hausnummer zu heftig ausgefallen ist um sie Nonstop zu bewältigen. Entweder sollte die Strecke etwas kürzer ausfallen oder sie sollte einen höheren, gut fahrbaren, (Schotter-)Anteil haben.

Durch diese Erkenntnis ist mir jetzt auch klar, warum es bisher keine andere Veranstaltung dieser Art gibt.

Quo vadis CCB?

Ich werde ganz sicher weiterhin epische Langstreckentouren mit dem Mountainbike fahren. Falls es noch weitere Radler gibt die an solchen Touren Interesse haben würde ich mich sehr über ein Feedback freuen. Am besten nutzt ihr dazu die Kommentarfunktion dieses Blog-Beitrags.

Falls sich dadurch einige interessierte Leute zusammenfinden sollten, könnte ich mir schon vorstellen, dass wir dann im nächsten Jahr wieder was ähnliches auf die Beine stellen.

PS: Danke Stefan für die tolle Tour mit dir!

Verfasst von: dawncycling | 26. Juni 2012

Perlen des Südens II

Wie schon letztes Jahr zog es mich dieses Jahr erneut zum Familienurlaub nach Sardinien. Da meine Radtouren nur eine untergeordnete Rolle spielen sollten beschränkte ich mich auf die „Perlen-Suche“ nach neuen unentdeckten Strecken. Und Sardinien „perlt“ in dieser Hinsicht richtig gut!

Den Impuls für meine gefundenen Strecke gab mir mein letztjähriger Mitfahrer Michael, den ich zufällig auf dem Campingplatz wiedertraf. Leider war sein Urlaub schon vorrüber denn sonst hätten wir sicherlich wieder die eine oder andere gemeinsame Tour unternommen. Er erzählte mir noch von einer neu entdeckten Strecke vom Lago Alto Flumendosa nach Gairo Taquisara. Da ich in keiner meiner Karten diese Straße finden konnte war nun meine Neugier geweckt.

Da ich beim Abfahren dieser Strecke diverse Abzeigungen entdeckte enstanden daraus am Ende sogar noch zwei weitere Strecken, die ich an den folgenden Tagen abgefahren bin. Alle drei Strecken starten am Lago Alto Flumendosa. Zu ihm gelangte ich jedesmal von Barisardo aus über Lanusei. Dabei sollte man ab Loceri unbedingt die alte Straße nach Lanusei nehmen da diese schöner und einsamer als die neue ist.

Kurz vor dem Lago Alto Flumendosa folgt man einem unscheinbaren Schild über eine kleine Brücke. Niemals hätte ich anhand dieses Schildes erahnen können, dass sich dahinter drei tolle Touren verstecken.

SS_2_02

SS_2_03

Gairo Taquisara

An der ersten Kreuzung ohne Schild beim Lago Alto Flumendosa geht es links. Die Strecke führt über einen unbewaldeten Berg mit schöner Aussicht von Osten aus auf die Felsnadel Perda ‚e Liana.

Track:
Lago Alto Flumendosa 1 - Gairo Taquisara

Passo Sarcerei

An der ersten Kreuzung ohne Schild beim Lago Alto Flumendosa geht es wieder links. Diesesmal folgt man aber dem ziemlich zerschossenen Schild zum Passo Sarcerei. Die Straße zum Pass ist nur ganz am Anfang (und ganz am Ende) ziemlich kaputt – alles dazwischen lässt sich für sardische Verhältnisse gut fahren. Sie ist schmal und ziemlich einsam. Kaum ein Auto verirrt sich hierhin. Die Steigungen sind etwas steiler als im Anstieg nach Lanusei, aber eigentlich nie besonders schwer.

Dieser Pass ist ein echter Geheimtipp und ich hab mir bei meiner Befahrung überlegt, dass Urban von ARA-Breisgau ihn sicherlich in eine Brevet-Strecke aufnehmen würde, läge Sardinien nur näher an Freiburg😉

Track:
Lago Alto Flumendosa 2 - Passo Sarcerei

Ussassai

An der ersten Kreuzung ohne Schild beim Lago Alto Flumendosa geht es diesesmal rechts. Etwas wellig folgt die Straße dem See und an der nächsten Kreuzung ohne Schild geht es dann nach links hinauf zur Felsnadel Perda ‚e Liana die man diesesmal auf der Westseite passiert. Weiter geht es im Wald auf der einsamen Straße vorbei am Steilabbruch des Monte Tonneri. Bis zur Einmündung auf die SS198 pendelt man die ganze Zeit zwischen 900 und 1000 Metern Höhe. Man passiert die Nuraghe Ardasai und die Landschaft wird wieder karger und baumloser. Der Rückweg auf der SS198 kostet durch zwei Anstiege nochmal etwas Kraft.

Diese Strecke ist meine diesjähriges Highlight gewesen. Sehr abwechslungsreiche Landschaften und friedliche Einsamkeit hinterliesen prägende Eindrücke.

Track:
Lago Alto Flumendosa 3 - Ussassai

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